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Marburg Erste Wasserleitung gab es im späten Mittelalter
Marburg Erste Wasserleitung gab es im späten Mittelalter
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18:05 20.09.2015
Von Manfred Hitzeroth
Im Lauf der Jahrhunderte änderten sich Materialien und Größen der Wasserleitungen in Marburg. Quelle: Kristina Lieschke
Marburg

Mit dem ehemaligen Marburger Baudirektor Elmar Brohl und Walter Christ, Elektro- und Wassermeister der Stadtwerke Marburg, hatten sich zwei Marburger Wasserexperten für eine ungewöhnliche Kombination aus Vortrag, Film und Führung zusammengetan. Der Vortrag von Elmar Brohl zeichnete in einer knappen Stunde quasi im Schnelldurchgang ein Bild der historischen Wasserversorgung Marburgs und insbesondere des Schlosses von der ersten Wasserleitung im späten Mittelalter bis zum Bau des großen Wasserbehälters am Renthof im Jahr 1883. So gab es schon vor 1500 eine erste Wasserleitung aus Ockershausen zum Schlosspark und wenig später die sogenannte Haideleitung oder auch Marbacher Leitung. Das Wasser floss zunächst durch Rohre aus Holz oder Ton. Erst ab etwa 1580 wurden diese nach und nach durch Eisenrohre ersetzt.

Die einem erhöhten Wasserbedarf Rechnung tragende „neue“ Wasserleitung, die vom Grüner Wehr mit seiner Wasserkunst von 1583 mit steilem Anstieg bis hoch zu einem Wasserbehälter am Schloss führte, wurde überhaupt durch die druckbeständigeren Eisenrohre erst möglich. Brohl wusste auch spannend zu berichten, wie im Laufe der Jahre der Wasserbedarf und damit der Bedarf an Wasserbehältern immer mehr anstieg, insbesondere da seit etwa 1800 - wenn auch seitens des Magistrats sehr ungern - mehr und mehr Hausanschlüsse zugelassen wurden.

Fakten zu 17 Wasserbehältern

Anschließend an Brohls Vortrag ergänzte Walter Christ interessante Fakten zu den 17 noch heute in Betrieb befindlichen und ganz verschiedenen Marburger Wasserbehältern. Der älteste von ihnen wurde übrigens 1913 gebaut und liegt unter dem Spiegelslustturm. Außerdem ging Christ in einem von ihm kommentierten Film der Frage nach, wie in alter Handwerkstradition die sogenannten „Bleistemmmuffen“ zur Abdichtung der eisernen Rohrleitungen gefertigt wurden. Diese Art der Dichtungen aus Blei war an den Übergängen der einzelnen Rohrstücke ineinander notwendig, ganz besonders an den „Anschlussnocken“ der Hausanschlüsse.

An die Seminarstunde schloss sich eine Führung an, die ebenfalls in zwei Teilen verlief. Zunächst zeigte Brohl als kleines Extra den Schlossbrunnen, der ja als Tiefbrunnen für die Wasserversorgung des Schlosses ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt hat. Dann führte Christ die Zuhörer durch die zum Teil unterirdischen Kontrollräume des 1973-75 gebauten und heute noch wichtigen Wasserbehälters unter der Freilichtbühne im Schlosspark.

von Kristina Lieschke