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Marburg Erklärungsnot nach WhatsApp-Clip
Marburg Erklärungsnot nach WhatsApp-Clip
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17:25 08.10.2018
Ein 33-Jähriger steht derzeit wegen unerlaubten Waffenbesitz sowie des Besitzes von Kinder- und Tier-Pornographie vor Gericht. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Wie in einem sogenannten Rosenkrieg soll es zugegangen sein zwischen dem ehemaligen Paar sowie dem aktuellen und dem vorangegangenen Freund einer 27 Jahre alten Frau aus Marburg.

Vor Gericht stand deren Ex-Partner, der mehrfach mit dem neuen Freund aneinandergeraten war. Zwischen den beiden Streithähnen – dem Verflossenen und einem 30-jährigen Busfahrer – kam es im vergangenen Jahr immer wieder zu Konflikten.

Offenbar aus Eifersucht, was auch die Frau zu spüren bekam: Dem 33-jährigen Angeklagten wurde zur Last gelegt, im Juni 2017 seiner Ex vor einer Arztpraxis aufgelauert zu haben. Dabei habe er ihr das Handy abnehmen wollen, um dieses nach Beweisen dafür zu durchsuchen, dass er durch den neuen Lebensgefährten der Frau bedroht werde. Als die Frau versuchte, sich das Handy wiederzuholen, soll er sie weggestoßen haben.

Unerlaubter Waffenbesitz sowie Verbreitung von Tier-Pornographie

Zudem wurde ihm vorgeworfen, die Reifen am Wagen des neuen Lebensgefährten durchstochen zu haben, auch soll er den Heckscheibenwischer abgebrochen und den Lack zerkratzt haben. Sowohl die Ex wie auch deren neuer Partner waren sicher, dass der Angeklagte seine Zerstörungswut an dem Auto ausgelassen hatte. Weitere Beweise dafür gab es nicht.

Zum Vorwurf der Sachbeschädigung und Nötigung hinzu kam noch der unerlaubte Waffenbesitz sowie Besitz und die Verbreitung von Kinder- und Tier-Pornographie.

Wie ein Gutachten belegte, handelte es sich bei den Waffen, die bei dem Mann gefunden worden waren, jedoch um teilweise modifizierte Dekowaffen, deren Besitz erst einmal nicht strafbar ist. Allerdings soll der Mann zwei Signalpistolen mit neuen Läufen versehen haben, wodurch diese wieder kleine, scharfe Munition verschießen könnten, so das Gutachten. Der Angeklagte­ widersprach: Er habe lediglich für einen „eindrucksvolleren Feuerschein“ beim Abfeuern der Schreckschusspistolen sorgen wollen.

In seiner Einlassung zeigte er sich nur zum Teil geständig, gab zu, seiner Ex-Freundin das Handy weggenommen und sie ­geschubst zu haben. Die Sachbeschädigung stritt er ab. Auch dass er im Besitz von illegalem kinder- und tierpornographischem Material war, sei ihm nicht bewusst gewesen.

Auf dem Handy des Mannes wurde ein Video gefunden, das einen etwa 13 bis 15 Jahre alten Jungen bei der mutmaßlich analen Penetration eines Esels zeigt. Der Angeklagte hatte den Clip per WhatsApp erhalten und über eine weitere Gruppe geteilt. Besitz und Verbreitung des Videos ist strafbar. Dass sich der Angeklagte dessen nicht bewusst gewesen sein will, schützt ihn dabei nicht.

Angeklagter nicht zum ersten Mal vor Gericht

Er habe das „blödsinnige 30-Sekunden-Filmchen“ jedoch nicht aus sexuellen Beweggründen in die Gruppe gepostet, sondern aus einer „völlig verunglückten Form von Humor“ heraus, wie sein Verteidiger Thomas Strecker mitteilte.
Diese Tat sowie der Übergriff gegen seine Ex-Freundin brachten dem 33-Jährigen eine Verlängerung seiner im Juli verhängten Freiheitsstrafe ein. Er stand nicht zum ersten Mal vor Gericht, wurde zuletzt wegen Körperverletzung, Trunkenheit am Steuer und vorsätzlichem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr verurteilt.

Hintergrund war auch hier ­eine Auseinandersetzung mit dem neuen Partner seiner Ex, in deren Folge der Angeklagte versucht haben soll, den anderen Mann mit seinem Auto zu überfahren. Das Amtsgericht entschied, die Bewährungsstrafe auf ein Jahr und zehn Monate zu verlängern. Der Mann wurde wegen Nötigung und dem Besitz von kinder- und tierpornographischen Schriften verurteilt. Die Bewährungszeit ­beträgt drei Jahre.

von Melchior Bonacker