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Erinnerungen mit ganz viel Jazz

„Swinging Wodka Lemon Gang“ Erinnerungen mit ganz viel Jazz

Die „Swinging Wodka Lemon Gang“ erinnerte am Sonntag im Erwin-Piscator-Haus an den US-Amerikaner John Coppola, der für die Marburger Jazzband ein Freund und ein Lehrer war.

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Die Swinging Wodka Lemon Gang spielte mit Lisa Coppola und Joe Wulf (vorne von rechts) ein Konzert zu Ehren des verstorbenen 
John Coppola. Im Hintergrund sind von links Michael Wagner, Wolfgang Schekanski und Arno Funk zu sehen.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Vor fast 30 Jahren wurde die Swinging Wodka Lemon Gang (SWLG) als Quartett gegründet. Inzwischen haben sich die Musiker längst neu formiert und stehen als „kleine Big Band“ auf der Bühne. Seit 2001 pflegte die SWLG eine enge Freundschaft zu John Coppola und seiner Frau Lisa Coppola-Pollard. Der US-amerikanische Jazztrompeter, der mit Größen wie Frank Sinatra, Henry Mancini, Jerry Louis oder Ella Fitzgerald zusammengearbeitet hatte, reiste immer wieder nach Deutschland. Dort gab er den Marburger Laienmusikern Band- und Einzelunterricht und schrieb Arrangements eigens für die SWLG. Es entstand eine enge Freundschaft zwischen dem Jazz-Profi und den Marburger Musikern. „Danke an John und Lisa für all die schöne Zeiten, die sie uns gebracht haben“, bekräftigte Hannes Kleinhenz.

Über seine „unglaublichen Lehrmethoden“ erzählte auch Michael Wagner während des Tribute-Konzertes vor 300 Besuchern im Erwin-Piscator-Haus. So hätte Coppola, der kein Deutsch konnte, dem Schlagzeuger Arno Funk, der kein Englisch kann, durch vorgespielte Figuren auf der Trompete gezeigt, was Funk spielen solle. Arno Funk, eines der Gründungsmitglieder der SWLG, saß auch bei diesem Konzert wieder hinter dem Schlagzeug und bewies etwa bei „Caldonia“, im Original von „Louis Jordan and his Tympany Five“, das er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Aber natürlich hatte die SWLG hierfür eine eigene Version des Klassikers parat. „Das ist unsere uralte Fassung“, kündigte Kleinhenz das Stück an.

Langer, herzlicher Applaus für schwungvollen Abend

Beim Evergreen „Sweet Georgia Brown“ wurde dagegen ein ganz neues Arrangement gespielt. „Wir haben bereits viele Arrangements des Stückes, Lisa hat jetzt noch ein neues gemacht“, lachte Kleinhenz. Die Saxofonistin Lisa Coppola-Pollard konnte wegen der Erkrankung ihres Mannes nicht zum Jubiläumskonzert zum 25-jährigen Bestehen der Band 2014 kommen. Doch jetzt stand sie wieder mit den neun Laienmusikern auf der Bühne und zeigte den Männern, wo es langgeht. Mit kleinen Gesten zog sie spontan Musiker für das nächste Solo heraus oder führte die Band wieder zusammen. „Sie steckt voller Überraschungen“, kommentierte Kleinhenz.

Als weitere Gastmusiker traten Reiner Törner am Tenorsaxofon und der international renommierte Posaunist Joe Wulf auf, die sich gerne auf ein Duett mit Coppola-Pollard einließen. Besonders Joe Wulf verblüffte immer wieder bei seinen Soli mit einer extremen Präzision an der Posaune sowie seinem lässigen Auftreten, etwa bei der Spencer-Williams-Komposition „Basin Street Blues“. Dort schaltete sich Coppola-Pollard kurz trötend in sein Solo, worauf Wulf mit einer kurzen Einlage des „Baby Elephant Walk“ von Henry Mancini reagierte.

Am Ende wurde es noch einmal sehr emotional. Michael Wagner bedankte sich stellvertretend für seine Musiker-Kollegen dafür, dass Lisa Coppola-Pollard vor dem Konzert die Stücke mit ihnen noch einmal eingeprobt hätte. Und er hatte noch ein eigenes Anliegen. Denn nach dem Tod von John Coppola hatte Michael Wagner dessen Trompete geschenkt bekommen, die er auch beim Tribute-Konzert spielte. „Ich bin sehr dankbar und stolz darauf, dass ich dieses Instrument bekommen habe“, so Wagner.

Die Zuhörer im Erwin-Piscator-Haus bedankten sich mit langem, kräftigen Applaus für den herzlichen und schwungvollen Abend und einige feierten danach mit der SWLG noch ein bisschen weiter.

von Mareike Bader

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