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Dada lebt: Aberwitzige Sketche treffen Wortsalat

„Ulan & Bator“ Dada lebt: Aberwitzige Sketche treffen Wortsalat

Das Entertainer-Duo „Ulan & Bator“ trumpfte im KFZ mit seinem neuen Programm „Irreparabeln“ auf.

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Markenzeichen des ­Kabarettduos „Ulan & Bator“ sind die merkwürdigen Strickmützen.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. „Ulan & Bator“ lassen sich auf zwei Stühlen nieder. Verdattert und fehl am Platze wirkend glupschen sie am Samstag im KFZ in die Gesichter der 70 Zuschauer. Überrascht von ihrem Fund zerren sie ulkige Strickmützen aus ihren Taschen hervor. Wenn sie diese aufsetzen, drehen sie damit die Schlüssel für das Tor ins Reich des Absurden herum. Und ab geht’s.

Ihr Humor ist sicher nicht jedermanns Geschmack. Doch wer sich auf die irrwitzigen und skurrilen Sketche des Duos einlassen kann, genießt beim Kabarettherbst 100 Minuten hanebüchenen Spaß. Die beiden haben sich dem Dadaismus verschrieben, der rund 100 Jahre alten Kunstströmung, die konventionelle Formen jeglicher Art ablehnt.

Und mit „Irreparabeln“ bringen die Künstler viel Altbekanntes aber auch Neues auf die Bühne. Wortneuschöpfungen und Silben-Salate servieren Ulan und Bator reichlich und glänzen dabei als Wortartisten der verschrobenen Sorte. Hinzu gesellen sich absurde Lieder wie „Parken auf dem Mond“, wo es unheimlich viel Platz gibt. So wabert das Urige auch per Klangteppich in Richtung Publikum.

Einige Zuschauer flüchten nach 30 Minuten

Herzstück ihrer Show sind jedoch aberwitzige Sketche. Dabei geben sich die Entertainer auch durchaus gesellschaftskritisch. Wenn der Small-Talk zweier Männer in einer engen Raucherkabine während der Mittagspause zum fiesen Schlagabtausch wird, demaskieren Ulan und Bator das Phänomen der aufgesetzten Freundlichkeit in einer Ellenbogengesellschaft.

Beide sind gute Schauspieler und schneiden mitunter brillante Grimassen, die für vergnügtes Quieken beim Publikum sorgen. Doch einigen scheint die Darbietung wohl schlichtweg zu bekloppt. Jene flüchten nach 30 Minuten aus dem Saal. Sie verpassen den wohl kreativsten und intelligentesten Sketch, den die Künstler je hervorgebracht haben: Ganze sieben Minuten lang zitieren sie in Höchstgeschwindigkeit abwechselnd Sätze aus Kriminalfilmen und stricken aus den vermeintlich zusammenhanglosen Zitaten ein Gespräch – große Klasse.

Blitzartige Umschwünge in Mimik und Gefühlslage

Mehrmals gibt es Szenenapplaus für den Einfallsreichtum und die blitzartigen Umschwünge in Mimik und Gefühlslage: „Aber ich habe der Polizei doch schon alles erzählt“ / „Ich bin nicht von der Polizei“ / „Das können Sie der Polizei erzählen!“ /„Ich bin die Polizei“ / „Sind sie von der Polizei?“

Nach dem dadaistischen Wort-Wirrwarr schließt sich am Ende der Kreis und der rote Faden wird wieder aufgenommen. Das Duo nimmt die Mützen wieder ab und erwacht aus der Trance, setzt sich erneut hin – mit dem Rücken zum Publikum – und mimt das klatschende Publikum. Wer ist dabei irreparabel? Die Künstler oder die Zuschauer?

von Benjamin Kaiser

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