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Himmlische Klänge aus ferner Zeit

Marburger Schlosskonzerte Himmlische Klänge aus ferner Zeit

Vokalmusik der Extraklasse präsentierte das Ensemble „Stimmwerck“ im Marburger Schloss. Rund 150 Zuhörer lauschten dem Quartett begeistert.

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Ein hochkarätiges Quartett: Stimmwerck gastierte passenderweise mit Renaissancemusik im altehrwürdigen, gotischen Fürstensaal des Landgrafenschlosses.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Das Konzert im Fürstensaal stand im Rahmen der Marburger Schlosskonzerte und war als Ergänzung zu der Ausstellung „#Bildungsereignis Reformation!“ gedacht.

Gesungen wurde geistliche und weltliche Musik aus der Zeit der Reformation. Einmal mehr erwies sich der Fürstensaal mit seiner besonderen Atmosphäre und seiner guten Akustik als ideal für die Aufführung alter Musik. Ein Ort, der bestens geeignet war für den Auftritt des international anerkannten Ensembles „Stimmwerck“, das mit seinem klaren, reinen und fein abgestimmten Klang begeisterte.

Allen voran beeindruckte Countertenor Franz Vitzthum mit seiner außergewöhnlichen Stimme, die bis in die Mezzo­lage reichte. Nie klang sein Gesang gedrückt oder gepresst, scheinbar mühelos erreichte er auch die höchsten Töne. Ihm zur Seite standen die beiden Tenöre Klaus Wenk und Gerhard Hölzle mit ihren hellen und kraftvollen Stimmen. Der Vierte im Bunde war Marcus Schmidl mit seinem dunklen und weichen Bass, ein schöner Kontrast. Eine instrumentale Begleitung brauchte­ das Quartett nicht, es reichte ein winziger, kaum hörbarer Ton der Stimmgabel, um die Töne zu finden.

Lebensfroher, deftiger zweiter Konzertteil

Der stimmungsvolle Abend startete mit geistlicher Musik aus der Zeit der Renaissance. Zwei Komponisten standen hier im Zentrum: Ludwig Senfl und Leonhard Paminger. Beide korrespondierten mit Martin Luther, wobei sich vor allem Paminger als „strammer“ Lutheraner verstand. Im Konzert erklang zunächst ein „Pater noster“ von Paminger, ein schlichtes und feingliedriges Vater unser, das zu Herzen ging. Aus Senfls Feder stammte der Satz „Non moriar“ aus den Psalmen 117/118. „Ich werde nicht sterben, sondern leben“ 
hieß es da voll Zuversicht.

Einen Blick in das Frankreich der Reformation warf das Quartett mit einer Psalm-Vertonung von Claude Goudimel. Hier startete der Countertenor Franz Vitzthum mit einem Solo und konnte ein weiteres Mal seine ungewöhnliche Stimme präsentieren. Wunderschön war auch wenig später die Unisono-Passage, die mit ihrer Geschlossenheit und Klarheit berührte. Lebensfroh, deftig und gar nicht mehr besinnlich ging es im zweiten Teil des Abends zu, der sich der weltlichen Musik­ der Renaissance zuwandte.

Stimmen ahmen Glockenklang nach

„Wir singen Ihnen einen Strauß von Renaissance-Liedern, und die haben mit den Marburger Reformationsgesprächen nichts zu tun“, erklärte Franz Vitzthum. Sehr witzig war hier ein Stück von Anonymus mit dem Titel „Der Pfarrer von St. Veit“. „Der hat eine schöne Köchin, die gern am Rucken leit“, hieß es da. Das Quartett begann das Lied mit einem vielstimmigen Summen und sang dann flott und mit viel Schwung den anzüglichen Text dazu.

Eine tolle Wirkung entfaltete­ auch das Lied „En ego campana“, das von einer Glocke handelte. Lautmalerisch wurde hier der Klang einer Glocke nachgeahmt, die das Leben der Menschen bis zu ihrem Begräbnis begleitete. Zum Abschluss erklang ein Lied von Orlando die Lasso mit dem Titel „Alla pia calia“, eine Parodie auf die Sprechweise der Mauren. Das Ensemble interpretierte das Stück als munteres Palaver in einer fröhlichen, bunten Phantasiesprache. Die Gäste im Fürstensaal dankten den vier Ausnahmekünstlern mit Jubel und tosendem Applaus und forderten zwei Zugaben, die auch gerne gewährt wurden.

von Bettina Preussner

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