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Marburg Endzeitstimmung in Chile
Marburg Endzeitstimmung in Chile
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16:52 29.05.2013
Das Foto zeigt den chilenischen Autor Roberto Ampuero bei einem Interview am 30. Mai in Mexiko-Stadt.Foto: Susana Gonzalez Quelle: Susana Gonzalez
Marburg

Am 11. September 1973 wurde der chilenische Präsident Salvador Allende durch einen blutigen Militärputsch gestürzt. In aussichtsloser Situation beging er im belagerten Präsidentenpalast Selbstmord. Es folgte eine bleierne Zeit der Diktatur, in der tausende Sozialisten und Kommunisten ermordet oder ins Exil getrieben wurden.

Chiles erfolgreichster Autor Roberto Ampuero war einer dieser Exilierten. Er lebte in Kuba und der DDR, später in den USA. Immer wieder hat er sich in seinen Romanen mit der tragischen jüngsten chilenischen Geschichte auseinandergesetzt, unter anderem in seinem bedeutenden Buch „Der Fall Neruda“. Sein Erfolgsgeheimnis besteht dabei darin, den politischen Stoff in eine kriminalistische Handlung zu verpacken

In Ampueros jüngstem Roman „Der letzte Tango des Salvador Allende“ geht es direkt um den Militärputsch und die charismatische Figur des gestürzten Präsidenten, an dessen Schicksal seinerzeit die ganze Welt Anteil nahm. Ampuero nähert sich jenen dramatischen Tagen aus zwei Perspektiven und auf zwei zeitlichen Ebenen.

Anfang der 1990er Jahre steht der ehemalige CIA-Agent David Kurtz am Sterbebett seiner Tochter Victoria. Er verpflichtet sich, nach ihrem Tod ihre Asche nach Chile zu bringen. Der Adressat ist ein ihm völlig unbekannter Mann. Verstört muss Kurtz erkennen, dass seine Tochter ihm offensichtlich einen wesentlichen Teil ihres Lebens verheimlicht hat. Er wähnte sie in den USA glücklich verheiratet, doch tatsächlich hatte sie ihre große Liebe in Chile zurückgelassen. Auch seine eigenen Jahre in dem lateinamerikanischen Land erscheinen ihm jetzt in einem anderen Licht, seine damalige Agententätigkeit findet er längst fragwürdig. In Chile stellt er sich der Vergangenheit.

Noch ein weiteres Rätsel hat die Tote ihm mit auf den Weg gegeben. Es ist das Tagebuch eines Bäckers, der offenbar ein enger Vertrauter, sozialistischer Genosse und Jugendgefährte des Präsidenten war. In dem einfachen Schulheft schildert dieser Rufino die letzten Monate Allendes. Es sind Monate des sozialen Aufruhrs, der permanenten Streiks, einer beängstigenden Lebensmittelknappheit. Hinzu kommen grassierende Putschgerüchte.

In dieser prekären Situation gibt es dennoch wunderbar intime Augenblicke, in denen die beiden Männer Tangomusik hören und in eine bessere, friedliche Welt abtauchen. Durch die Augen Rufinos sehen wir den Privatmenschen Allende, einen elegant gekleideten Gentleman, der gerne und gut lebt, Liebhaber der feinen Küche und der Frauen. Rufino nutzt seine Vertrauensstellung, um den Präsidenten mit den Problemen des Volkes zu konfrontieren, die dieser von Idealen geleitete, isoliert lebende Mann nicht wahrhaben will.

Kurtz wird am Ende das Rätsel lösen wie auch das Geheimnis um seine Tochter. Bis dahin muss der Ex-Agent allerdings noch einige Abenteuer überstehen, die ihn unter anderem in das Leipzig der Nach-Wende-Zeit führen. Durch diese spannungsgeladenen Momente wird die Geschichte voran getrieben. Doch der eigentliche Kern des Romans sind zweifellos die Zwiegespräche der beiden Männer, ihr Kampf um Ideale, Emotionen und Loyalität - notfalls bis zum Tod. Das schildert Ampuero mit viel Gefühl und doch immer ganz unpathetisch.

Roberto Ampuero: „Der letzte Tango des Salvador Allende“, Bloomsbury, 456 Seiten, 18,99 Euro.

von Sibylle Peine

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