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Marburg Eltern für Verbot von Energy-Drinks
Marburg Eltern für Verbot von Energy-Drinks
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22:01 27.05.2018
Jana Al-Bkeer (im Hintergrund) vom Stadtelternbeirat kündigt eine Studie zur Verbreitung von Energy-Drinks in Schulen und eine Aufklärungskampagne an und ist für ein Verbot an den Marburger Schulen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Diskussion um die gesundheitlichen Folgen der flüssigen Wachmacher: Seit Jahren stehen Energy-Drinks im Verdacht, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und Nierenversagen zu verursachen, warnt etwa die Verbraucherorganisation Foodwatch.

Unerwünschte­ Nebenwirkungen stellten auch Lehrer an vielen Schulen fest. Sie haben festgestellt, dass die Schüler nach einem Energy-Drink zittrig, kribbelig und unkonzentriert werden.

Der Stadtelternbeirat Marburg (Steb) will es jetzt genauer wissen. Er will durch eine Praktikantin eine Studie zum „Trinkverhalten von Kindern und ­Jugendlichen im Alter von acht bis zwölf Jahren erstellen lassen, berichtet die stellvertretende Vorsitzende Jana Al-Bkeer. Die Studie soll an drei Schulstandorten – einmal an einem Standort, den Kinder aus in der ­Regel finanziell gut situierten Familien besuchen, einmal an einem­ Standort in einem sozialen Brennpunkt und einmal an einem Standort mit Kindern „aus gemischten Herkunftssituationen“, wie sich Jana Al-Bkeer ausdrückt.

Der Stadtelternbeirat hat zudem Gespräche aufgenommen mit Händlern in der Nähe von Marburger Schulen, um zu erreichen, dass sie freiwillig eine Altersbeschränkung für die Abgabe koffeinhaltiger Energy-Drinks einführen – bisher mit unterschiedlichem Erfolg. So hat ein Händler beschlossen, diese Getränke nur an Kinder zu verkaufen, die das zwölfte Lebensjahr vollendet haben – jedes weitere Jahr, in dem keine Energy-Drinks an Kinder und Jugendliche verkauft werden, ist ein Gewinn. Der Stadtelternbeirat will deswegen eine Altersbeschränkung bis 16 Jahre.

Eine gesetzliche Altersbeschränkung für den Verkauf von Energy-Drinks gibt es bisher nicht – anders als etwa in Lettland, wo ein entsprechendes Verbot schon seit Juni­ 2016 gilt. Im Bundestag setzt sich die SPD-Fraktion dafür ein, den Verkauf erst ab 16 Jahren zu ­erlauben. Das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft hingegen wehrt sich und hat ­zunächst eine Aufklärungskampagne zu den Gefahren von ­hohem Koffeinkonsum gestartet.

Auf www.check-deine-dosis.de bietet das Bundeszentrum für Ernährung einen Koffeinrechner, mit dem jeder prüfen kann, ob seine tägliche Dosis Koffein bedenklich ist.

Wie stark die Seite wahrgenommen wird, ist schwer zu ermitteln. Der Stadtelternbeirat jedenfalls geht da lieber auf Nummer sicher und hat ein eigenes Poster entwickelt, das von dem Kinder- und Jugendparlament gemeinsam mit dem Darmstädter Medienpädagogen Jan Rathje entwickelt wurde. Es soll an allen Marburger Schulen ausgehängt werden. Auch ein Flyer des Stadtelternbeirats kursiert an den Schulen.

Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Schuldezernentin Kirsten Dinnebier (beide SPD) unterstützen die Initiative des Stadtelternbeirats. „Energydrinks sind für Kinder und Jugendliche gesundheitsschädlich“, sagt Mediziner Dr. Spies.

OB: „Das Wichtigste ist, die Menschen aufzuklären“

An den Kiosken und Cafeterien in den Marburger Schulen würden deshalb schon lange keine Energy-Drinks mehr verkauft, weil Marburg ganz bewusst auf eine gesunde Verpflegung im Schulalltag Wert legt“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.

„Das Wichtigste ist aber, die Menschen aufzuklären, ihnen zu erklären, warum Energy­-Drinks schädlich für die Gesundheit sind und was die ­Inhaltsstoffe bewirken können. Dabei müssen wir zuerst die Eltern, aber auch die Kinder und Jugendlichen, mitnehmen“, betont das Stadtoberhaupt.

Das „WIR-Projekt“ der Stadt Marburg übersetzt daher den Aufklärungs­flyer in mehrere Sprachen. „WIR“ ist ein landesweites Programm, über das Integrationsmaßnahmen in Kommunen und Landkreisen gefördert werden. „Die Schulen sind für dieses wichtige Thema seit einiger Zeit sensibilisiert. Der Stadtelternbeirat ist bei der Aufklärung über die Folgen des Konsums von Energydrinks sehr engagiert und hat nun mit Hilfe vieler ­Unterstützer nochmal diese besondere Initiative gestartet. Wir zählen uns gerne zu den Unterstützern dieser Aufklärungskampagne“, sagt Dinnebier.

Eine der – durchaus nicht unumstrittenen – Forderungen der Eltern ist das Verbot von Energy-Drinks an den Schulen durch eine Änderung der Schulordnung. Jana Al-Bkeer berichtet, dass der Stadtelternbeirat an allen Schulen die Einberufung von Schulkonferenzen anregt.

Diese Schulkonferenzen, die zur Hälfte aus Lehrern, zur anderen Hälfte aus Eltern und Schülern der betreffenden Schule bestehen, könnten „zum Schutz der Kinder und um ­
gute Lernvoraussetzungen zu schaffen“, so Jana Al-Bkeer, den ­Genuss von Energy-Drinks an Schulen verbieten.

von Till Conrad