Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Elena W. reagierte mit Tränen auf Haar-Analyse
Marburg Elena W. reagierte mit Tränen auf Haar-Analyse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 17.03.2019
Die Angeklagte Elena W. sitzt zwischen ihren Anwälten Dr. Andreas Bentsch (rechts) und Dietmar Kleiner. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Zudem gab der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm einen Hinweis an die Verfahrensbeteiligten weiter: Die Beschuldigtenvernehmung von Elena W. könne möglicherweise nicht verwertet werden. Der Grund dafür ist die unter Umständen unvollständige Eröffnung des Tatvorwurfs zu Beginn der Vernehmung.

Dabei war dem Wortprotokoll zufolge lediglich von einem versuchten Tötungsdelikt zum Nachteil der kleinen Johanna die Rede. Der Polizei war zu diesem Zeitpunkt aber wohl auch schon der Fall der gestorbenen Leni bekannt.

Die beiden Kriminalkommissare waren Teil der für die Ermittlung ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe und befassten sich vor allem mit den Vernehmungen von Mitarbeitern der Station. Diese wurden im Hinblick auf den weiteren Verfahrensverlauf zunächst weitestgehend ausgeklammert.

Wichtig war für das Gericht aber, dass der zuerst aussagende Polizeibeamte einer der Ersten war, denen von dem dritten Frühchen, Mia, berichtet wurde.

Eine Krankenschwester hatte von einem unerklärlichen Vorfall an Weihnachten 2015 berichtet, bei dem Mia morgens plötzlich „komatös“ gewirkt habe. In der Nacht hatte die Angeklagte Dienst gehabt.

Der 37 Jahre alte Polizeibeamte war auch an einer zweiten Durchsuchung der Wohnung von Elena W. beteiligt. Dabei wurden unter anderem medizinische Fachbücher gefunden, in denen auch die Wirkstoffe Midazolam und Ketamin erläutert werden. Eines der Bücher befasst sich wohl auch mit der Palliativversorgung und Trauerbegleitung.

Der zweite Beamte schilderte in seiner Vernehmung die Reaktion der Beschuldigten, als man ihr die Analyseergebnisse ihrer Haarprobe vorhielt. In der Untersuchungshaft sei sie daraufhin in Tränen ausgebrochen und habe sinngemäß gesagt, die Probe sei doch „ihr entlastendes Ding“ gewesen.

Eine Formulierung, die bei den Verfahrensbeteiligten auf Verwunderung stieß. In der Haarprobe von Elena W. waren ebenfalls Midazolam und Ketamin nachgewiesen worden. Diese beiden Narkotika hatte man zuvor im Blut der kleinen Johanna gefunden.

Auch bei Leni und Mia wurden sie entdeckt. Ein weiterer wichtiger Belastungspunkt in dem Verfahren gegen die 29 Jahre alte Ex-Krankenschwester ist, dass sie in dem fraglichen Zeitraum die Medikamente bei Google recherchierte. Unter anderem fand man auf ihrem Mobiltelefon den Nachweis einer Suchanfrage bezüglich Ketamin aus der Nacht des 2. auf den 3. Februar 2016, der Nacht nach dem Vorfall bei Johanna.

Erst am Nachmittag des 3. Februar kamen die Ergebnisse der Analyse aus dem Labor des Uni-Klinikums auf der Station an. Dort war zunächst von Benzodiazepinen die Rede, die bei Johanna gefunden worden seien. Erst die Analyse des Gerichtsmedizinischen Instituts in Gießen lieferte die genauen Bezeichnungen.

Diese konnte die Angeklagte zum Zeitpunkt der Recherche also logischerweise noch nicht kennen. In ihrer polizeilichen Vernehmung hatte Elena W. ausgesagt, sie habe Ketamin „vor zwei Wochen“ gegoogelt.

Tatsächlich fand die fragliche Suche jedoch nur drei Tage vor der Festnahme am 6. Februar statt.
Der Prozess wird am Mittwoch, 27. März, ab 
9 Uhr in Saal 101 des Landgerichts Marburg fortgesetzt.

von Melchior Bonacker 

 

Hier können Sie die bisherigen Berichte zu den vergangenen Verhandlungstagen im Frühchen-Prozess lesen.

31. Januar 2019: So war der erste Prozesstag.

6. Februar 2019: Am zweiten Prozesstag erklärte ein Gutachter die Wirkung der Medikamente.

7. Februar 2019: Gutachter ringen mit Unklarheiten

9. Februar: Bedrohliche Dosis Narkosemittel in Blutproben der Frühchen

14. Februar: Das sagen die Eltern des toten Frühchens

20. Februar: Mia lag da "wie eine Puppe"

21. Februar: "Als wäre kein Leben in ihr drin“

28. Februar: Kind wirkte wie narkotisiert

1. März: Chefarzt sagt aus: Rätsel um Narkosemittel für Babys

4. März: Angeklagte bricht in Tränen aus

5. März: Pflegedienstleitung sagt aus: "Es hat immer ein bisschen geknirscht"

7. März: Leitende Ermittlerin sagt aus: "DNA der Angeklagten gefunden"

<a href="http://edit-op.madsack.de/Testbereich/MOL2/Schulung-Rebrush-2018/Lauer/Linksammlung-Fruehchen-Prozess" class="moz-txt-link-freetext"></a>