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Einstürzende Erziehungswelten

Theater im G-Werk Einstürzende Erziehungswelten

Autsch, das hat gesessen! So etwas ist wahrscheinlich jedem im Publikum durch den Kopf gegangen, der die Premiere von „Dass nach dem Tag die Nacht kommt“ im Theater im G-Werk miterlebt hat.

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Junge Schauspieler konfrontieren im Stück des G-Werks das erwachsene Publikum mit unbequemen Wahrheiten.

Quelle: german stage service

Marburg . In diesem Stück sagen Kinder Erwachsenen sehr deutlich, wie deren Erziehung bei ihnen ankommt. Die Marburger Theaterformation german stage service hat diese deutschsprachige Erstaufführung des englischen Textes von Tim Etchells auf die Bühne gebracht.

Zehn Mädchen und zwei Jungen im Alter zwischen elf und 14 Jahren halten den Erwachsenen einen Spiegel vor, in dem man durchaus unbequeme Wahrheiten über sich selbst erblickt. „Dass nach dem Tag die Nacht kommt“ ist ausdrücklich kein Kinderstück, auch wenn es für Kinder im entsprechenden Alter mit Sicherheit auch hochinteressant ist.

Denn da werden Dinge ausgesprochen, die mit Sicherheit jedes Kind an der Schwelle zum Erwachsenwerden so oder ähnlich schon gedacht hat. Eine gute Stunde lang stehen die jungen Darsteller ihrem Publikum direkt gegenüber und sprechen es ebenso direkt an: „Ihr füttert uns“, bekommt der Zuschauer entgegengeschleudert.

„Ihr sagt, was wir anziehen sollen.“ „Ihr beobachtet uns.“ „Ihr sagt uns, dass wir still sein sollen.“ „Ihr sagt, dass wir nicht so oberschlau sein sollen.“Schnell wird dem Zuschauer deutlich, was er sich so vielleicht noch nie klar gemacht hat: Dass Kinder die Welt notgedrungen durch die Welt der Erwachsenen betrachten müssen.

Dass Eltern, Lehrer und andere Erziehungsberechtigte dem Nachwuchs zwar die Welt erklären, ihnen dabei aber auch die eigenen Meinungen, Moralvorstellungen und Weltsichten mitgeben. Und ganz selbstverständlich erwarten, dass diese eins zu eins übernommen werden.

von Heike Döhn

Mehr lesen Sie am Montag in der Printausgabe der OP.

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