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Marburg Marburger „Moppedhiker“ bereisen Südamerika
Marburg Marburger „Moppedhiker“ bereisen Südamerika
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07:00 11.02.2019
Die Marburger „Moppedhiker“ besuchten auch den Titicacasee. Auf rund 3 800 Höhenmetern gelegen ist er das höchste schiffbare Gewässer der Welt. Zum Abschied von Bolivien erkundeten sie zwei superschöne Inseln inmitten des Sees. Abenteuerlich war die Überfahrt auf dieser Fähre. Quelle: Nicole Hanke
Marburg

Vor gut einem Jahr gingen Nicole Hanke und Moritz Hoffmann, alias Nicki und Moe, in Montevideo von Bord. Dann begann ihre eigentliche Weltreise. Mit ihrem Motorrad erkundeten sie bisher Uruguay, Argentinien, Chile und Bolivien.
In Salta, der größten Stadt im Norden Argentiniens, bieten Nicki und Moe einen Fotoworkshop für Jugendliche an. Sie wollen während ihrer Reise nicht einfach an allem vorbeirauschen, sondern in Austausch mit den Menschen vor Ort kommen, andere an ihren Bildern und Erfahrungen teilhaben lassen.

Sie nehmen Kontakt mit der Mutterorganisation, der Muskoka Foundation auf. Ihnen werden Projekte in Süd- und Mittelamerika vorgeschlagen, bei denen beide ihre Ausbildung und Stärken einbringen könnten. „Ein Fotoworkshop hier, IT-Support dort, oder auch Beratung bei Social Media Marketing. Alles in Projekten, die dem Gemeinwohl dienen“, erläutern sie in ihrem Blog.

Salzwüste in Bolivien ist ein Höhepunkt der Reise

Schließlich wird der Kontakt zu Cloudhead Art in Salta hergestellt. Dort soll ein Fotoworkshop des „Portal“-Projekts stattfinden. „Portal” ist ein internationales Projekt, mit dem Ziel, Portale in verschiedene Orte mit dem Medium der Fotografie zu erschaffen.
Sie starten ihr Projekt in einer Schule. „Es wäre ja schön, wenn wir sagen könnten, alles war voll toll, aber so genial die ersten beiden Stunden auch sind, so sehr wächst unser Frust im weiteren Verlauf des Projektes an. Dies ist vollkommen der Organisationsunfähigkeit der Schule zuzuschreiben“, resümieren die beiden. Sie steigen wieder aufs Motorrad und sind in der Atacama Wüste unterwegs, dem trockensten Ort der Welt. „Dort haben wir auch mal das Motorrad zur Seite gestellt und waren mit dem Fahrrad unterwegs“, berichtet Moe.

Im November schreibt er der OP über Whatsapp: „Wir sind jetzt im Süden Boliviens. Hier ist es ganz spannend, weil sich Bolivien viel stärker von der europäischen Kultur unterscheidet als Argentinien, Uruguay und Chile. Wir hatten es ein bisschen eilig, weiter in den Norden zu kommen, weil so langsam die Regenzeit beginnt und wir dem ausweichen wollen.“ Bisher habe das ganz gut geklappt. Während der Reise regnete es selten.

„Ein absolutes Highlight unserer Reise war die Salar de Uyuni in Bolivien. Das ist eine riesige Salzwüste. Dort sind wir mit dem Motorrad reingefahren und haben auf dem Salz unser Zelt aufgebaut. Ein fantastischer Ort. Man hat quasi einen unendlichen glatten Horizont. Und nachts im Zelt war es totenstill“, schreibt Moe weiter.

Der Weg dorthin, die „Lagunenroute“, die an der chilenischen Grenze beginne, sei unglaublich anstrengend gewesen. „Wir mussten auf viel Sand fahren, was zu zweit auf einem schwer bepackten Motorrad eine riesige Herausforderung ist. Außerdem waren wir konstant über 3 500 Höhenmeter. Wir haben es aber geschafft nur ein einziges Mal zu stürzen und dabei ist absolut nichts passiert. Die Anstrengungen auf der Route wurden aber mit fantastischen Landschaften, bunten Lagunen und vielen Flamingo- und Lama-Begegnungen belohnt“, beschreibt er.

Die „Moppedhiker“ erleben, dass es sehr kompliziert sein kann, in Bolivien zu tanken. „Jedenfalls dann, wenn man nicht bereit ist, den über doppelt so hohen Benzinpreis für Ausländer zu zahlen. Darüber hinaus wollen viele Tankwarte Ausländer erst gar nicht bedienen, weil die Abrechnung über den Ausländerpreis einen erhöhten bürokratischen Aufwand für sie bedeutet“, berichten die beiden. Die Lösung: Man parkt außerhalb der Tankstelle, weil es überall Überwachungskameras gibt und läuft mit den Kanistern zum Tankwart. Dann muss man handeln, und das läuft etwa so ab: „Das kostet 80 Bolivianos (BOL).” “Das ist aber viel.” “Okay, dann eben 40.”

Das Benzin hat dort nur 87 Oktan. Der ohnehin etwas anfälligen Triumph Tiger T709 wird das noch Probleme bereiten. So geht während einer Fahrt der Motor plötzlich aus. Er ­hatte schon vorher auffällig laut ­gestottert. Moes erste Vermutung: Das Benzin ist ausgegangen. Die beiden müssen rechnen, da die Tankanzeige kaputt ist. Die Tankstelle ist 20 Kilometer entfernt. Moe trampt dorthin und kehrt mit einem vollen Benzinkanister zurück. Doch das Motorrad will nicht anspringen. Die Tiger wird in eine 70 Kilometer entfernte Werkstatt transportiert. Das schlechte bolivianische Benzin soll Schuld am Stopp sein. Einen Tag nach der Reparatur muckt der Tiger wieder, braucht unheimlich viel Gas zum Starten.

In La Paz legen die Weltenbummler eine längere Pause ein. Zu den vielen außerordentlichen Erlebnissen zählt das Cholita-Wrestling. In einer sehr unterhaltsamen Show kämpfen dort die indigenen Frauen in der traditionellen Tracht. Drei Tage lang wandern die beiden entlang des El Choro Treks von kargen Felsen und dünner Luft auf 5 000 Metern bis runter in tiefen Dschungel, wo ihnen Hitze und Regen begegnen.

Weiter geht es zum Titicacasee, der an der Grenze zu Peru liegt. „Bolivien hat uns zwar sehr begeistert, ist aber auch eine Herausforderung. Wir hatten durchgängig Probleme mit dem Magen, wurden von Höhenkrankheit geplagt und konnten uns nicht mit dem Essen anfreunden“, resümieren die Moppedhiker und begeben sich voller Vorfreude auf das Abenteuer Peru.

von Hartmut Berge

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