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„Einen Auftritt in Marburg muss man sich erarbeiten“

Django Asül beim Kabarettherbst „Einen Auftritt in Marburg muss man sich erarbeiten“

Griechenland ist das neue Italien. Der Teufel steckt im System. Und in Bayern hat man sich mental von Deutschland längst verabschiedet. Zeit für einen Paradigmenwechel, findet Django Asül.

Marburg. Wenn ein bayrischer Kabarettist mit türkischen Wurzeln zu einem griechischen Programmtitel greift - dann hat das für Django Asül schon „einen ökumenischen Touch“. Darüber hinaus ist der Titel aber natürlich auch Programm. Mit „Paradigma“ unternimmt Asül erstmals eine Reise zum Ich, wie sich nachlesen lässt. Und dabei brettert er ungebremst mit dem Fuß auf dem Satire-Gaspedal über sämtliche Themenfelder von der Evolution bis hin zum Euro. Zum ersten Mal hat er übrigens auch die Reise nach Marburg unternommen. Bestens vorbereitet, wie sich zeigte.

Hier aufzutreten, das müsse man sich erarbeiten, sagte der Kabarettist. Bisher sei er nur in der Nähe gewesen, in diesem Luftkurort zum Beispiel - Biedenkopf. Da, wo reiche Marburger ihre Wochenendhäuser haben. Die eigentliche Altstadt Marburg sei aber doch Wehrda, stellt Asül fest: „neuer und repräsentativer“. Dann sinniert er über all die großen Geister der Stadt und lobt, mit Maddin Schneider und Margot Käßmann sei Marburg „in Sachen Humor ganz oben dabei“.

Als nach der Pause ein „Salzstangenfetischist“ Django Asüls Aufmerksamkeit auf sich zieht, beschäftigt er sich direkt mit dem Publikum. Eine Zuschauerin aus Stadtallendorf mit türkischen Wurzeln und einem Job in Frankfurt, die es in seinem Programm in die erste Reihe geschafft hat? „Ein gelungenes Integrationsbeispiel“ für den Kabarettisten, der selbst vor Kurzem eingebürgert wurde. Und am nächsten Morgen kaum aus dem Bett kam, wie er erzählte. Eine Nebenwirkung: Der Druck auf den Schultern sei „die historische Verantwortung“, die alle Deutschen tragen, wurde ihm im Landratsamt erklärt.

Europa und der Euro sind maßgeschneiderte Themen für den Neu-Deutschen, der als Sohn türkischer Eltern in einem niederbayrischen Kreißsaal zur Welt kam. Er schlüpft, mitsamt passendem Zungenschlag, zwischendurch in diverse Rollen und proklamiert darin wahlweise, dass die NATO „so was wie EU, nur mit echten Patronen“ ist oder der „Streichzapfen wie Kindergeburtstag mit Bundeswehr“. Der Freund, mit dem er hin und wieder in die Sauna geht, bringt dann noch das Thema Männer und Frauen auf die Bank. Obacht: „Für die meisten Frauen sind Emotionen reine Gefühlssache.“

Darüber hinaus erfahren die Zuschauer, dass Django Asül allergisch gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist und 10 von 12 Monaten im Jahr Hausverbot bei seinen Eltern hat, obwohl ihm das Haus gehört. Sie lernen Kinder kennen, die vor dem Fußball-Training „Red Bull“ bekommen, damit die Wirkung des Ritalin nachlässt, das sie zum Frühstück kriegen. Django Asül erklärt uns, dass der gigantische Erfolg von Angela Merkel darauf beruht, dass sie sich niemals treu sein muss und dass wenn man bei Google „Armleuchter“ eingibt, nicht automatisch Markus Söder erscheint.

von Nadja Schwarzwäller

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