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Marburg Eine mahnende Stimme aus dem Keller
Marburg Eine mahnende Stimme aus dem Keller
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15:58 10.04.2016
Roman Pertl erzählt in „Agonie und Ekstase des Steve Jobs“ als „Aussteiger“ von seiner Begeisterung für Elektronik – und wie er den Glauben an seinen Gott Apple verlor. Quelle: Merit Engelke
Marburg

„Agonie und Ekstase des Steve Jobs“ heißt das Theatersolo von Mike Daisey, das am Samstag Premiere feierte und an einem ungewöhnlichen Ort stattfindet: im Stuhllager im Keller des Theaters am Schwanhof. Nur 20 Menschen passen hinein, und so ist die Atmosphäre in dem mit Requisiten vollgestopften kleinen Raum auch gleich sehr intim. Roman Pertl in der Rolle eines namenlosen Aussteigers, der sich in diesem Keller zurückgezogen hat, baut auch sogleich eine Beziehung zum Publikum auf, begrüßt es herzlich und bietet Tee an.

Die Regie von Tabea Schattmaier setzt stark auf diese Nähe, auf die sehr private Beziehung zwischen Darsteller und Publikum. Ganz locker und fast improvisiert wirkt es, wenn Pertl von seinem Leben und von seiner Faszination für alles Technische erzählt und sein Publikum mitnimmt auf eine Reise ins Apple-Universum. Denn der Aussteiger erzählt davon, wie Apple eine Religion für ihn war - und wie er den Glauben an sie so nachhaltig verloren hat, dass er sich aus der Konsumwelt zurückgezogen hat.

Produktionsbedingungen lassen Apple-Jünger vom Glauben fallen

In anderthalb Stunden erfährt man viel über den Werdegang des „genialen Arschlochs“ Steve Jobs, über den Aufstieg, den Fall und den erneuten Aufstieg von Apple als einer Firma, die die Welt revolutionierte und ihre Kunden manipuliert wie kaum eine andere.

Er berichtet davon, wie Jobs sich darstellte als jemand, der Großartiges schaffen wollte zum Wohle der Menschheit, und wie er dabei vollkommen rücksichtslos agierte. Und er erzählt, wie er eines Tages wissen wollte, wie die wundervollen elektronischen Geräte, die er so liebt, eigentlich produziert werden. Und was er herausgefunden hat über den gigantischen chinesischen Konzern Foxconn, der etwa die Hälfte aller elektronischen Geräte der Welt produziert und bei dem auch die Apple-Wunderwerke unter katastrophalen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen hergestellt werden.

Das alles hat ihn vom Glauben abfallen lassen und letztlich hinab in diesen Keller geführt, wo er darüber nachdenkt, wie die Menschen sich lenken lassen von Apple, wie die mediale Welt das Leben der Menschen verändert. Und er richtet sich an seine Zuschauer, die doch auch wissen, unter welchen Bedingungen die Produkte entstehen, die sie tagtäglich nutzen und die es ebenso ignorieren wie alle anderen. Denn wer hat heute kein Handy in der Tasche, kauft nicht die tollen Sonderangebote im Supermarkt und nutzt die Rohstoffe, die woanders - weit, weit weg - unter unvorstellbaren Bedingungen abgebaut werden?

Stück klärt auf, ohne zu belehren

Aber „Agonie und Ekstase des Steve Jobs“ ist zwar ein aufklärerisches Stück, es ist aber kein belehrendes. Es erzählt, fasst zusammen, stellt Zusammenhänge her, ohne den Zeigefinger zu erheben. Stattdessen ist es locker, schnell, pointiert und ganz hervorragend gespielt. Die Regie verbindet große Authentizität mit gleichzeitiger Künstlichkeit der Situation ganz locker zu einem Ganzen, so dass man anderthalb Stunden gebannt und keine Sekunde gelangweilt zuhört. Und sich wünscht, dass möglichst viele Apple-Maniacs den Weg in diesen Keller finden - wohl wissend, dass das Handy eines anderen Herstellers, das man selbst in der Tasche trägt, ganz sicher nicht unter besseren Bedingungen gefertigt wurde.

von Heike Döhn

Weitere Vorstellungen

Die nächsten Vorstellungen von „Agonie und Ekstase des Steve Jobs“ gibt es am 14., 16., 28. und 30. April jeweils ab 19.30 Uhr.

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