Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg WCs in Marburg: zwischen eklig und sauber
Marburg WCs in Marburg: zwischen eklig und sauber
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 27.02.2019
Kein Klopapier, dreckiger und klebriger Boden – so hat sich die öffentliche Toilette am Trojedamm bei einer Stichprobe präsentiert.  Quelle: Stefan Weisbrod
Marburg

Vor ein paar Tagen an der Wilhelm-Röpke-Straße, am Rande des Ludwig-Schüler-Parks. Zwei, drei Schritte sind vom Bürgersteig in Richtung des Toilettengebäudes gemacht, da ruft ein Mann mittleren Alters: „Darein wollen sie bestimmt nicht gehen!“ Was er meint, wird wenige Sekunden später im Männer-WC sichtbar – beziehungsweise vor allem riechbar.

Es ist ein beißender Gestank, könnte eine üble Mischung aus Urin und Reinigungsmittel sein, genauer will man es nicht analysieren – sondern nur ganz schnell wieder raus. Die Frage nach einem Blick in die Frauen-Toilette in dem kleinen Park, alles andere als ruhig zwischen Stadtautobahn und Bahntrasse­ gelegen, stellt sich nicht: „WC wegen Umbau geschlossen!“ steht auf einem orangenen Zettel, an der Tür unterhalb des wegen Graffitis kaum erkennbaren Piktogramms angebracht.

Aufklärung durch die Pressestelle der Stadt auf Anfrage der OP: Es werde nicht umgebaut, sondern lediglich ein Brandschaden behoben. Wer Hoffnungen auf ­eine Komplettsanierung hegt, wird enttäuscht. Die Anlage im Ludwig-Schüler-Park macht nicht zuletzt aufgrund von Schmierereien auch optisch einen alles andere als einladenden Eindruck.

Kosten

Die Reinigung der öffentlichen WC-Anlagen kostet die Stadt Marburg jährlich rund 52.000 Euro. In dieser Summe sind Material- und Personalkosten sowie die Kosten für Reinigungen durch Fremdfirmen für die acht Anlagen, die nicht vermietet sind, sowie die Materialkosten für die WCs an der Elisabethkirche enthalten.

Politische Parolen sind im Inneren wie auch an den Außenwänden zu finden. Zu- oder noch häufiger Abneigung zu Fußballvereinen wird ausgedrückt, manchmal ist auch einfach dokumentiert, wer wann an diesem Ort gewesen ist. Tiefgründige Lektüre ist nicht vorhanden. Das Toilettenbecken sowie die Urinale sind aber augenscheinlich sauber, Toilettenpapier ist vorhanden.

Wer ein wirklich dringliches Bedürfnis hat, kommt nach dem Motto „Nase zu und durch“ vielleicht noch zurecht. Schlechter sieht es bei der Stichprobe diesbezüglich bei der Toilettenanlage am Trojedamm südlich der Weidenhäuser Brücke aus. Dort gibt es zwei Räume: einen übelriechenden aber ansonsten nutzbaren mit Urinalen und einen mit einer Toilettenschüssel, der an diesem Tag nur mit selbst mitgebrachtem Papier genutzt werden sollte.

Klopapier ist nicht vorhanden, Abtrockentücher sind auf dem dreckigen und klebrigen Boden verteilt, der zugehörige Wandbehälter ist beschädigt. Dass ein Seifenspender neben dem Waschbecken steht, nutzt im entscheidenden Moment ähnlich wenig wie der Hinweis, sich bei fehlendem Papier im Ufercafé – zumal zum Zeitpunkt der Stichprobe geschlossen – zu melden.

Stadt: "öffentliche WCs werden täglich gereinigt"

Also, alles miews? Nein. Nur wenige Fußminuten flussaufwärts, an den Lahnterrassen nördlich der Weidenhäuser Brücke, steht ein Toilettenhäuschen, das zwar bereits für eine Menge Schlagzeilen gesorgt hat – Stichworte Kosten und Abwasserleitung in die Lahn –, sich innen an diesem Tag aber in einem sehr guten Zustand präsentiert: alles­ sauber, alles Nötige vorhanden, Geruch neutral. Mindestens genauso gut sieht es im Sportpark aus.

Das Männer-WC im Erdgeschoss des Funktionsgebäudes der Ballsportfreunde Richtsberg wirkt beinahe ungenutzt – ist dieses buchstäblich „stille Örtchen“ möglicherweise auch: Die Vereine, die die Sportplätze nutzen, haben ihre eigenen sanitären Anlagen. Und ansonsten ist etwa auf den nahen Beachvolleyballfeldern im Februar naturgemäß wenig los.

Die Toiletten im Sportpark werden täglich gereinigt, wie die Stadt mitteilt, ebenso die weiteren öffentlichen WCs in Marburg – jedenfalls diejenigen, um die sich von städtischer Seite gekümmert wird. Denn zwei der insgesamt zehn öffentlichen Toilettenanlagen (siehe Übersichtskarte) sind vermietet: an der Elisabethkirche – und am Trojedamm.

Auflage an den ­jeweiligen Mieter: „Die Toiletten sind mindestens einmal am Tag zu reinigen.“ Generell gelte: Wie eine Toilette nach einer Reinigung genutzt und hinterlassen wird, „liegt in der Verantwortung jedes und jeder Einzelnen. Die Stadt wirbt immer wieder für ein respektvolles Miteinander aller im öffentlichen Raum – das gilt auch für die ­öffentlichen WCs.“ Ein Werben, das offensichtlich nicht bei allen fruchtet.

von Stefan Weisbrod