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Marburg Eine Schule schwelgt in Dur und Moll
Marburg Eine Schule schwelgt in Dur und Moll
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15:28 12.03.2012
Das Orchester der Martin-Luther-Schule eröffnete den Konzertabend am Mittwoch in der Stadthalle. Zahlreiche Klassen und Ensembles traten auf - wie etwa die Flötenspieler der Klasse 6 E. Quelle: Jan Bosch
Marburg

Marburg. Dass die Martin-Luther-Schule einen musikalischen Schwerpunkt besitzt, war bei dem mehrseitigen Programm unschwer zu erkennen. Seit 20 Jahren hat sich das Gymnasium zum Ziel gesetzt, das die Schüler das im Musikunterricht Erlernte ihren Mitschülern, den Eltern und allen Interessierten auch vorzuführen.

"Dieser Konzertabend hat eine lange Tradition. Anfangs hat die Aula der Schule ausgereicht, dann ging es ins Bürgerhaus nach Cappel", erzählte Schuldirektor Karl Goecke mit ein wenig Stolz in seiner Eröffnungsrede. "Im Jahr 1994 wurde dann die Stadthalle Austragungsort. Und seit geraumer Zeit reichte nicht ein Abend, um das vielfältige Programm der Schule vorzuführen, es musste ein zweiter Abend her."

Der Auftakt des Konzertreigens am Mittwochabend vor der voll besetzten Stadthalle war feurig. Das Orchester der MLS spielte drei Tänze aus Bizets "Carmen". Die Zuschauer feuerten die Musikerinnen und Musiker mit tosendem Applaus nach jeder Darbietung an.

In den vergangenen Jahren sind neben dem normalen Chor und dem Orchester an der Schule zahlreiche weitere Gruppen entstanden. Es gibt eine Bigband, die Rock AG, Bläserklassen, eine Brass-Band. Aus dem Schulchor sind mittlerweile drei Chöre geworden.

"An der Martin-Luther-Schule musizieren derzeit etwa 350 Schüler regelmäßig in den unterschiedlichen Gruppen", sagte Musiklehrerin Sandra Cimiotti in der Pause. "In der 5. und 6. Klasse gehört das Flötenspiel zum Pflichtunterricht, danach können die Schüler sich frei entscheiden. Und sie haben Spaß daran, wie man sieht."

Die Flötisten zeigten vor 800 begeisterten Zuhörern auch gleich, wie man Vivaldis "Frühling" aus den Vier Jahreszeiten ohne Sologeige spielt: Normalerweise übernimmt die Sologeige die Funktion, Naturereignisse musikalisch zu imitieren. Die Klasse 5D hatte aber Flöte, nicht Geige gelernt. Kreativität war gefragt und die begeisterte. In der sehr freien Interpretation des beliebten Stückes wurde das bekannte Anfangsmotiv als Refrain mit der Flöte gespielt, die Wasserwellen wurden durch Gurgeln ersetzt und der Frühlingssturm wurde mit raschelnden Plastiktüten nachgeahmt, die als Donner dann platzten. Das Publikum war sprichwörtlich im Sturm erobert.

Die 6E sang später "Sweet As Sugar". Die einzelnen Stimmen waren einfach gehalten, durch die Mehrstimmigkeit entstand jedoch ein wunderschöner Klang. Beim Spiritual "Heaven Is A Wonderful Place" zeigten die Jungen der Klasse, was sie können und sangen fast lauter als die Mädchen. Dafür ernteten sie verdient kräftigen Applaus.

Vor der Pause zeigte die Streetdance AG, was sie bisher im Schuljahr gelernt hatten. Besonders das Solo der Leiterin sorgte für Jubel unter den Schülern.

Dann kamen die Älteren dran. "Macht doch mal ohne mich", war die Anweisung ihrer Lehrerin Birte Prigge an die Schüler der Klasse 9A und 9E. Carlotta Rudolph, Levi Pfeuffer-Rooschüz, Tobias Rösel überzeugten mit Niklas von Nieding (Gitarre und Gesang) und Carmen Nega als Sängerin mit "Grenade" von Bruno Mars. Ein Highlight war die Rock-AG unter der Leitung von Markus Schmidt. Nachdem die Sängerinnen Esther Aillaud und Julia Lemmer mit "Like The Angel" von Rise Against und "Snow" von den Red Hot Chili Peppers schon ordentlich die Bühne gerockt hatten, begeisterte Loraine Schmidt mit "Rolling In The Deep" von Adele die Halle restlos.

Zum Schluss trat das Vokalensemble unter Jürgen Förster auf. Ein vermeintliches Kontrastprogramm, aber die 91 Schüler und Schülerinnen der 7. bis 13. Klasse zeigten, dass es auch ohne instrumentale Begleitung geht und auch Volkslieder nicht langweilig sind.

Donnerstagabend war die Stadthalle selbstverständlich auch komplett gefüllt.

von Mareike Bader und Jan Bosch