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Marburg Eine Leiche und viele Netzpiraten
Marburg Eine Leiche und viele Netzpiraten
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12:15 30.08.2012
Das Foto zeigt den Feuilletonchef der Süddeutschen Zeitung, Thomas Steinfeld, 2010 bei der Frankfurter BuchmesseFoto: Burgi Quelle: Arno Burgi
Marburg

Eine gruselig zugerichtete Leiche, zwei schöne Frauen, Computerexperten und ein Amateurermittler: Der Krimi „Der Sturm“ lockt mit klassischen Bestandteilen seines Genres. Der deutsche Journalist Christian Meier, der zu viel wusste über Internethacker, liegt ermordet in einer einsamen Scheune in Südschweden - irgendwo zwischen tiefen Wäldern, Schotterwegen und Anemonen. Lokalreporter Ronny Gustavsson gerät intensiver in den Fall hinein, als ursprünglich gedacht. Soweit klingt das noch nicht besonders. Doch der Roman sorgte schon vor dem Erscheinen für Aufregung.

Der Wirbel drehte sich um den Autor, angeblich einen Schweden namens Per Johansson. Dann spekulierte die Zeitung „Die Welt“, dass es sich um ein Pseudonym handeln dürfte. Dahinter stecke der Kulturchef der „Süddeutschen Zeitung“, Thomas Steinfeld. Dieser räumte ziemlich schnell ein, dass er den Schwedenkrimi mit Co-Autor Martin Winkler verfasst habe. Der Fischer Verlag erklärte, eine Biografie Johanssons zu erfinden - und in der ersten Auflage im Buch zu drucken -, sei ein Fehler gewesen.

Zugleich bestritt Steinfeld eine Spekulation der „Welt“ zum Inhalt: Dass nämlich der tote Chefredakteur in seinem Roman für den Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Frank Schirrmacher, stehen könnte. Die Romanfigur sei vielmehr ein Mix aus verschiedenen Charakteren der Medienszene, sich selbst eingeschlossen.

Beim Lesen des Buches stellt man schnell fest, dass der deutsche Starjournalist als Chef einer Boulevardzeitung beschrieben wird, was zur „FAZ“ gewiss nicht passt. Und überhaupt: Meier ist schon zu Beginn tot und spielt eindeutig eine Nebenrolle.

Im Zentrum steht der wenig erfolgreiche Provinzreporter Ronny Gustavsson, der sich von seinem Chef tagtäglich hänseln lassen muss. Statt nur über die Polizeiarbeit zu schreiben, startet er eigene Recherchen zu dem Mordfall. Dabei erhält er Einblicke in eine gefährliche Szene von Internet-Terroristen und angeblichen Sicherheitsfirmen, die der weltweiten Finanzbranche Schutz vor Angriffen auf ihre Daten versprechen.

Welche Rollen in diesem Umfeld Ronnys Jugendfreundin Benigna, ihre hübsche Tochter Katarina und der Adlige Wilhelm af Sthen spielen, klärt sich erst allmählich - auch wenn der Krimifan manches schon recht früh ahnen kann. Ronny selbst kommt eher nicht durch scharfes Kombinieren auf die richtigen Fährten, sondern oft nebenbei. Und so lässt sich dieser Roman auch lesen: nebenbei, ohne viel Aufhebens um allzu tiefgründige Hintergedanken.

Per Johansson: „Der Sturm“, Verlag S. Fischer, 335 Seiten, 18,99 Euro.

von Petra Kaminsky

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