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Marburg Vorwurf: Deals an Schule ermöglicht
Marburg Vorwurf: Deals an Schule ermöglicht
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00:16 27.02.2019
Symbolfoto: Hat eine Mutter mit ihrer minderjährigen Tochter Joints geraucht? Unter anderem diesem Vorwurf geht das Amtsgericht Marburg nach. Das betroffene Mädchen ist für den nächsten Verhandlungstag als Zeugin geladen. Quelle: Daniel Karmann
Marburg

Am ersten Verhandlungstag vor dem Marburger Amtsgericht schwieg die Angeklagte am Donnerstag. Nach Angaben einer Polizistin hatte sie aber bei ihrer Vernehmung den Drogenbesitz zugegeben, weitergegeben habe sie aber nichts.
Laut Anklage habe sie jedoch im Jahr 2017 ihrer damals 13-jährigen Tochter und weiteren Jugendlichen mehrfach Marihuana überlassen und auch gemeinsam mit der Tochter konsumiert.

Weiter wirft die Staatsanwaltschaft der 36-Jährigen vor, mehrfach unterschiedliche Drogen gekauft und teilweise auch gewinnbringend weiterverkauft zu haben. Das belegten Chatprotokolle, sagte Staatsanwalt Nicolai Wolf.
Wie ein Polizist berichtete, informierte eine Schulsozialarbeiterin sie darüber, dass zwei Mädchen berichtet hätten, an der Europaschule von der Tochter der Angeklagten Drogen gekauft zu haben. Diese hätten von der Mutter gestammt.

Handschriftlich hätten die beiden jungen Zeuginnen seinerzeit alles notiert und den Inhalt auch bei der Polizei bestätigt. Eine heute 16-Jährige gab aber vor Gericht an, sich nicht mehr daran zu erinnern, nicht einmal daran, dass sie überhaupt bei der Polizei gewesen sei, wo sie gemäß des Protokolls über den Heizungskeller der Frau gesagt haben soll: „Das Zeug lag da überall“.

Jugendamt mit der Inobhutnahme beauftragt

Wie das andere Mädchen jetzt berichtete, habe die Tochter der Angeklagten den Raum aufgeschlossen und den Freundinnen die dort gelagerten Drogen gezeigt. Den Schlüssel habe sie aus einer Schale genommen, in der
auch andere Schlüssel lagen, gab die Zeugin an.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung fanden Polizisten im Keller der Angeklagten Drogen. Dort, so berichtete ein Polizist, habe es auch stark nach Marihuana gerochen, ebenso im Kinderzimmer. Auch weil die Wohnung „chaotisch war“, sei laut seiner Aussage das Jugendamt mit der Inobhutnahme der Tochter beauftragt.

Das Mädchen, so notierte damals eine Mitarbeiterin des Jugendamts, habe angegeben, „höchstens ein bis zwei Mal mit der Mutter gekifft zu haben“. Wie Verteidiger Alexander Pfaff anmerkte, heiße „höchstens“ jedoch nicht sicher, dass es überhaupt geschehen sei.

Tochter klaut Drogen der Angeklagten

Von einem Vorfall aus dem Jahr 2016, der allerdings per Strafbefehl gegen die Frau bereits rechtskräftig beendet ist, berichtete eine 44-jährige Mutter. An einem Abend sei sie informiert worden, dass es ihrem Sohn nicht gut gehe. Er war mit der Tochter der Angeklagten und weiteren Mitschülern unterwegs „und hatte kalte Schweißausbrüche und Atemnot“.

Sie habe dann herausgefunden, dass die Jugendlichen Marihuana geraucht hatten, ihr Sohn hätte ins Krankenhaus gemusst. „Die Kinder haben auch erzählt, dass sie mit der Mutter und ihrem Freund am Wochenende nach Holland fahren“, sagte die Zeugin aus. Ihr Sohn erzählte dem Gericht, dass die Droge von der Angeklagten stammte.

„Sie klaut es immer da“, sagte der Junge über die Tochter der Angeklagten. „Das merkt sie nicht“, habe das Mädchen betont. Die Verhandlung wird am Donnerstag, 14. März, fortgesetzt. Dann soll unter anderem auch die Tochter der Angeklagten aussagen, sofern sie als Verwandte nicht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch macht.

von Heiko Krause