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Eindrucksvolle Klänge hin zum Licht

Passionsoratorium Eindrucksvolle Klänge hin zum Licht

Am Karfreitag lauschten in der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien 300 Besucher knapp 100 Minuten ergriffen den mächtigen Klangbauten und innigen Momenten in Frank Martins Passionsoratorium.

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Die Kurhessische Kantorei bot mit 40 Musikern der Frankfurter Sinfoniker und 80 Sängern eine überwältigende Interpretation des Passionsoratoriums „Golgotha“.

Quelle: Helmut Rottmann

Marburg. Es ist eine der vornehmsten Aufgaben eines Landeskirchenmusikdirektors, den Gläubigen innerhalb und außerhalb des Gottesdienstes neuere Musik näherzubringen. Uwe Maibaum nähert sich, anfangs vielleicht etwas zögerlich, Schritt für Schritt diesem Ziel. Für Karfreitag hatte er mit der Kurhessischen Kantorei, fünf Vokalsolisten und den Frankfurter Sinfonikern mit Martins „Golgotha” von 1948 ein Werk des Neoklassizismus einstudiert. Ihnen gelang eine sowohl schlichte, als auch in den mächtigen Forte-Passagen überwältigende Interpretation. Gut 80 Sängerinnen und Sänger hatten sich auf dem Podest aufgestellt und füllten mit den rund 40 Musikern der Frankfurter Sinfoniker den Chorraum aus. Maibaum führte sie mit akkuratem und profundem Dirigat zu einer homogenen Klangeinheit.

Schon im Eingangschor entfaltete die Kurhessische Kantorei Marburg spannungsvolle Klangebenen. Bei „Christus ist für uns gestorben, in Christus haben wir das Leben“ verdeutlichte der Chor Frank Martins theologische und tonale Intention vom „Sieg des Lichts durch Christus über die Dunkelheit“ als Reflexion von Rembrandts Radierung „Die drei Kreuze“. Der Chor hielt die Spannung, das Mitgefühl und die innere Überzeugung bis zum Schlusssatz und schloss den Handlungsrahmen mit den gleichen Harmonien und Rhythmen des Einführungssatzes. Kleine Unsicherheiten bei Einsätzen, im Ton und Klang sowie in Harmonien und Rhythmen fielen kaum auf.

Schlichte Harmonik, sich reibende Intervalle, chromatische Reihen ohne die tonale Strenge eines Stockhausen, wechselnde Rhythmen: Dies alles kombiniert auf frei schwebenden Klangebenen, die sich im Chor zu in sich schwingender Einheitlichkeit oder Eindringlichkeit bis hin zu opernhafter Dramatik verdichten, um sich letztendlich in lichten Klangwolken himmelwärts aufzulösen.

Mit imponierende Kraft und sensibler Verinnerlichung sang die Kurhessische Kantorei Marburg als spirituelle Einheit, übertrug dieses meditative Element auf das Publikum und vereinnahmte es. Die Frankfurter Sinfoniker spielten beherzt, leidenschaftlich und pointiert, mit frischem Ton der Streicher und warmen Bläserfarben sowie akzentuiertem „Schlagwerk“.

Warmherziger Bass, schlanker Sopran

Sie fühlten sich wohl in pulsierender Rhythmik und sich steigernder Dynamik - auch wenn sie hier und da zu dick auftrugen, Vokalisten überdeckten oder leicht verzögert agierten. Der Bass Philipp Meierhöfer brillierte als anregender und mit innerer Anteilnahme kommentierender Erzähler. Seine stets deutlich hörbare Stimme widerspiegelte kongenial das Geschehen.

Mit warmherzigen Bass vermittelte Eric Fergusson voller Einfühlungsvermögen und Ausgestaltungskraft glaubwürdig die innere Sicherheit und Zuversicht von Jesus.

Christine Wolffs schlankem Sopran mit warmem Grundton und zartem Timbre gelangen innige Momente in lichten Höhen.Das ganze Spektrum ihres warmen und weichen Alts konnte Yvi Jänicke in der Meditation, der sechsten von zehn Szenen des Oratoriums, ausbreiten. Ihre Soli im Wechsel mit der Kurhessischen Kantorei waren voll betörender Herzlichkeit. Lobenswert auch, mit welcher Flexibilität der Chor mit den übrigen Vokalsolisten sang.

Mit dem Glockengeläut löst sich die Spannung

Der Tenor Michael Connaire unterstrich mit klarer Stimme und feinem Timbre seine Wandlungsfähigkeit der unterschiedlichen Personen in den verschiedenen Erzählebenen. Kleine Ungenauigkeiten übersang er geschickt. Das Publikum entsprach der Bitte, am Ende nicht zu applaudieren. So konnte sich mit dem Glockengeläut und danach die innere Spannung langsam auflösen.

von Helmut Rottmann

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