Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
Ein neuer Fall für Carl Mørck

Jussi Adler-Olsens "Verachtung" Ein neuer Fall für Carl Mørck

Der Däne Jussi Adler-Olsen hat ein gutes Gespür für den Geschmack der Leser: Alle seine Thriller sind in Deutschland schon kurz nach dem Erscheinen zu Bestsellern geworden.Jetzt kommt „Verachtung“.

Voriger Artikel
Großer Tusch zum Saisonauftakt
Nächster Artikel
Eine Leiche und viele Netzpiraten

Der dänische Bestseller-Autor Jussi Adler-Olsen hat ein gutes Gespür für den Geschmack der Leser: Alle seine Thriller sind in Deutschland zu Bestsellern geworden. Foto: Arne Dedert

Quelle: Arne Dedert

Marburg. Mehrere Personen verschwinden 1987 von einem Tag auf den anderen spurlos. Viele Jahre später landen die Akten bei Kommissar Carl Mørck, dem Spezialisten für alte ungeklärte Verbrechen. Nach und nach stellt sich heraus, dass alle Vermissten in Verbindung zu einer Frau standen, die ein grausames Schicksal erlitten hat. Mit „Verachtung“ kommt jetzt der vierte Teil der Krimi-Serie von Jussi Adler-Olsen in den Buchhandel.

Mehr als ein Jahr lang hat der dänische Erfolgsautor seine deutschen Fans bis zum Erscheinen des neuen Mørck-Bands zappeln lassen. Die ersten drei Teile - „Erbarmen“, „Schändung“ und „Erlösung“ - stürmten hierzulande alle an die Spitze der Bestsellerlisten. Zuletzt stand auch „Das Alphabethhaus“, Adler-Olsens Debütroman, ganz oben. „In Deutschland die Nummer eins zu sein, das ist wie jeden Tag Weihnachten“, hatte Adler-Olsen der Nachrichtenagentur dpa vor einigen Monaten gesagt.

Mit dem Ermittlerteam um den schrulligen Carl Mørck trifft Adler-Olsen offenbar den Nerv vieler Leser. Der Kommissar ist von seinen Vorgesetzten eigentlich abgeschoben worden in einen Kellerraum, wo er ein eigens gegründetes „Sonderdezernat Q“ verwalten soll. Doch bald stellt sich heraus, dass dieses Dezernat höchst effektiv ist, wenn es um das Aufklären längst vergessener Kriminalfälle geht. Unterstützt wird Mørck von seinem geheimnisvollen syrischen Assistenten Assad und der verrückten Rose, einer Dame mit gespaltener Persönlichkeit.

Die Fälle sind bizarr und ungewöhnlich - und bisweilen sehr drastisch und beklemmend. In „Erbarmen“ beispielsweise wird eine Politikerin entführt und jahrelang in einem Verlies gefangen gehalten. In „Erlösung“ jagen die Ermittler einen Täter, der die Kinder von Sektenmitgliedern verschleppt und ermordet. Die Ideen für seine Thriller kämen ihm oft beim Zeitunglesen, sagt Adler-Olsen. Daraus entstünden dann zwar extreme Geschichten, doch die Realität sei häufig noch grausamer, meint der Autor.

Beim neuen Fall „Verachtung“ steht das tragische Schicksal von Nete Hermansen im Mittelpunkt. Als junges Mädchen wird sie misshandelt, zwangssterilisiert und auf eine Insel für ausgestoßene Frauen verbannt. Doch später nimmt Nete an den Menschen, die ihr das angetan haben, auf teuflische Art Rache.

Adler-Olsen hat die Carl-Mørck-Serie auf etwa zehn Bände angelegt, die am Ende ein Gesamtwerk bilden sollen. Denn neben dem jeweiligen Kriminalfall gibt es eine zweite Erzählebene: Die Entwicklung der Figuren Mørck, Assad und Rose, deren Vergangenheit erst nach und nach ans Tageslicht kommt.

Hat Assad womöglich für den syrischen Geheimdienst gearbeitet?

Und Mørck ist seit einem misslungenen Einsatz traumatisiert - doch was ist damals wirklich passiert?

Allerdings wird es jetzt im vierten Band für den Leser etwas mühsam, die individuelle Entwicklung der Ermittler nachzuverfolgen. Denn nun bringt Adler-Olsen zu Mørcks bisherigen Altlasten einen weiteren mysteriösen Todesfall aus dessen Jugend mit ein, der aber in keinem Zusammenhang zu den anderen Ereignissen zu stehen scheint.

Selbst Mørck-Fans der ersten Stunde dürfte es langsam schwer fallen, da den Überblick zu behalten. Und wer als Neuling beim vierten Band einsteigen will, hat praktisch gar keine Chance. Adler-Olsen muss bei den nächsten Teilen aufpassen, dass er sich nicht zu sehr verzettelt und die Leser nicht überfordert.

Jussi Adler-Olsen: „Verachtung“, dtv-Verlag, München, 544 Seiten, 19,90 Euro.

von Petra Albers

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg