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Marburg Ein intriganter Mörder mit Witz und Charme
Marburg Ein intriganter Mörder mit Witz und Charme
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16:27 05.10.2009
Stefan Gille (links), Regina Leitner, Markus Klauk und Christine Reinhardt in „Richard III.“ Quelle: Hessisches Landestheater

Marburg. Mochten Ekkehard Dennewitz’ Bemühungen, die komplizierten Familienverhältnisse der englischen Herrschergeschlechter im 15. Jahrhundert eher verwirrend als klärend gewirkt haben, so zeigte sich bei der Inszenierung schnell, dass es dem Regisseur gelungen war, das Drama um Macht und Intrigen, Mord und Verrat mit leichter Hand im Stile einer schillernden Fernsehshow zu inszenieren. Als gute Wahl erwies sich Manfred Wekwerths Fassung des Dramas aus dem Jahr 1972, mit der er den grandiosen Stoff ungezwungen und ungekünstelt aufbereitet.

Aus dem Hintergrund klingt gepflegte Rock-Musik. Damen und Herren tanzen in Abendgarderobe. Der kränkelnde König Eduard lümmelt auf seinem Thron herum. Doch die leicht skurrile Partystimmung täuscht: Des Königs Bruder, Richard, schmiedet bitterböse, blutige Pläne. Vor kurzem erst hat dieser Dandy aktiv am frühen Tod des Vaters und des Gatten der Prinzessin von Wales (Anne) mitgewirkt, da tröstet er sie: Du kannst einen besseren als ihn haben – mich! Kaum hat sie den Ring angenommen, ist ihre Trauer verflogen. Der bucklige Richard, bisher keineswegs von der Liebe verwöhnt, ist verblüfft, wie leicht sich Manipulieren lässt.

Schon nimmt die Show schwungvoll Fahrt auf: Richard raucht lässig seine Kippen, während der Sprüche von sich gibt und morden lässt, erst alle, die vor ihm in der Thronfolge stehen – sein Bruder George und des Königs Söhne. Dann, als er selbst auf dem Thron Platz genommen hat, verlieren auch die ihr Leben, die ihm mit schmutzigen Tricks dort hinaufgeholfen haben. Markus Klauk versucht in seinem Spiel gar nicht erst, den Richard als großen, mutigen Helden zu geben. Er streift sich vielmehr die Haut eines Marionettenspielers über als sei es seine eigene, ist der skrupellose Strippenzieher, der mit Witz, Charme und Hinterlist das Böse auch aus den anderen lockt.

Immer wieder gehen sie ihm auf den Leim, kuschen, wenn ausgerechnet er zu moralisieren beginnt, an ihrem kleinen Gewissen und dem Restchen Ehre rührt. Und zack hat er sie im Sack. Souverän gibt Markus Klauk den Bösen, der auch die kleinen, fiesen Zwischentöne mit Bedacht zu setzen versteht. Eine feine Idee, Klauk als Richard und Torsten Stoll als Eduard von der Maskenbildnerin zum Verwechseln ähnlich zu schminken. Denn eigentlich macht es keinen großen Unterschied, welcher Schurke die Krone trägt.

von Christine Krauskopf

Mehr dazu lesen Sie in der Printausgabe der OP.