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Marburg Ein anderes Gefühl für Verbrechen
Marburg Ein anderes Gefühl für Verbrechen
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19:49 11.10.2010
Der argentinische Autor Marcelo Figueras las am Sonntag bei „Literatur um 11“ aus seinem Thriller „Der Spion der Zeit“, der dieses Jahr in deutscher Ausgabe erschienen ist. Quelle: Hamer

Vetter. Marcelo Figueras Roman „Der Spion der Zeit“, den er am Sonntag bei „Literatur um 11“ vorstellte, behandelt die argentinische Militärdiktatur, spielt aber in einem fiktiven Land.

OP: Herr Figueras, Sie kommen gerade von der Buchmesse in Frankfurt. Wie hat es Ihnen gefallen?

Figueras: Sehr gut. Es war aber auch sehr anstrengend. Allein, wenn man von einem Termin zum nächsten laufen musste, hatte man schon ein Sportprogramm absolviert. Die Messe ist einfach riesig.

OP: Viele argentinische Romane handeln von Kriminalfällen, auch wenn sie nicht unbedingt immer dem Krimi-Genre zugeordnet werden. Woran glauben Sie liegt es, dass Argentinier soviel über Verbrechen schreiben?

Figueras: In Argentinien besteht eine starke Tradition von Thrillern, viele Autoren sind Fans des Genre Noir. Aber vielleicht hat es auch den Grund, dass man ein anderes Gefühl für Verbrechen entwickelt, wenn man so lange in einer Gesellschaft lebt, in der Gewalt so alltäglich, so präsent ist.

OP: Wen würden Sie als den einflussreichsten argentinischen Schriftsteller bezeichnen?

Figueras: Meinen Sie einen noch lebenden?

OP: Ja.

Figueras: Da sehe ich keinen einzelnen, der am wichtigsten ist. Die Literaturszene gerade in Buenos Aires erfährt derzeit eine kleine Explosion. Besonders unter den jungen Autoren ist dabei die Vielfältigkeit der Stimmen auffällig. Sie schreiben oft überraschend offen über die Zeit unter der Militärdiktatur, weil sie ohne Vorurteile an die Sache herangehen und sich nicht scheuen, Dinge zu verdrehen und unter anderen Aspekten zu betrachten.

OP: Was erhoffen Sie sich für die argentinische Literatur von der Sonderrolle bei der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt?

Figueras: Ich hoffe, dass es geholfen hat, Argentinien und seine Literatur besser kennenzulernen. Allerdings handeln viele der ins Deutsche übersetzten Bücher von der Diktatur. Es sollte aber nicht der Eindruck entstehen, dass in Argentinien die Literatur von diesem Thema dominiert wird, denn das ist nicht so. Im Gegenteil, die argentinische Literatur ist sehr vielseitig und beschäftigt sich mit allen möglichen Themen.

von Tanja Hamer

Das gesamte Interview mit Marcelo Figueras lesen Sie am Dienstag in der Printausgabe der OP.