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Marburg Ein Theaterabend ohne Tiefgang
Marburg Ein Theaterabend ohne Tiefgang
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19:38 17.10.2010
Heike Böcke spielte die Frau des Dracula. Das Ein-Frau-Stück von Friedhelm Kändler drehte sich um eine einsame, missbrauchte Frau, die zur Täterin wird. Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Heike Böcke ist eine gute Schauspielerin, keine Frage. Und sie machte eine gute Figur in ihrem schwarzen, eng anliegenden Kleid mit dem tiefen Dekolleté, mit ihren schwarz geschminkten Augen und den roten Stöckelschuhen. Selbstsicher stolzierte sie zwischen den Stühlen der Zuschauer umher, sprach vor allem die Männer direkt an und umschmeichelte sie ein ums andere Mal.

Es muss an dem Theaterstück von Friedhelm Kändler gelegen haben, dass das vermeintliche Drama so gar nicht unter die Haut ging. Aus dem wirren Monolog der Schauspielerin kristallisierte sich folgende Geschichte heraus: Die Frau des Dracula ist als Kind offenbar vom eigenen Vater missbraucht worden und kommt mit ihrem Leben nicht so recht klar. Vor allem die Männer sind in ihren Augen nur Langweiler oder Trophäen, schlappe Ehemänner oder reine Sexobjekte. Schließlich verführt sie einen vierzehnjährigen Jungen im Dracula-Kostüm (daher wohl der Titel), zeugt mit ihm ein Kind und bringt den blutjungen Liebhaber wenig später um.

Eine komplizierte Geschichte, fürwahr, aber leider wenig realitätsnah und dazu noch ziemlich dick aufgetragen. Insbesondere die Figur der Täterin, die zugleich Opfer sein sollte, blieb seltsam eindimensional. Die Frau des Dracula war sexy und verführerisch, zwar ein bisschen unzufrieden und desorientiert, aber dennoch voller Kraft und Lebenslust. Das Brutale suchte man bei ihr vergebens, ebenso das Verrückte, das einen Mord erklärt hätte.

Die Geschichte um den Missbrauch der Frau war ebenfalls wenig plausibel. Nur kurz blitzte das schreckliche Erlebnis aus der Kindheit auf und spiegelte sich im Gesicht der Figur wider. Ein langer Abend – da konnten auch die kritischen Bemerkungen der Protagonistin, die sich auf die fehlende Akzeptanz von Frauen mit jüngeren Liebhabern bezogen oder auf die Probleme, ledige Mütter in der Gesellschaft haben, nicht weiterhelfen.

von Bettina Preussner