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Marburg Ein Sturm aus Schall und Gerüchen
Marburg Ein Sturm aus Schall und Gerüchen
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20:31 20.09.2010
Wer nichts sieht, sieht richtig. Das „Theater in der Finsternis: Der Sturm“ feierte am Sonntagabend im Historischen Schwanhof Premiere. Quelle: Privat

Marburg. Der Mensch ist ein visuelles Wesen. Über unsere Augen nehmen wir die Welt wahr, sie geben uns Sicherheit im Alltag. Was aber, wenn wir darauf verzichten müssen? Im „Theater in der Finsternis“ kann man dieser Frage für 70 Minuten nachgehen. Der junge Regisseur Veit Kassel hat William Shakespeares „Der Sturm“ im dunklen Raum inszeniert. Nur über Geräusche und Düfte nimmt der Zuschauer, oder besser Zuhörer, am Theater teil.

Im Vorraum des Historischen Schwanhofs verabschieden sich die Gäste vorerst vom Licht. Durch schwere, dunkle Vorhänge hindurch geht es ins Ungewisse. Warm ist es, was das Sphärische im Raum noch unterstreicht. Teils undefinierbare Klänge, Flüstern und Raunen wirken im Laufe der Vorstellung, zusätzlich zu den Dialogen der Schauspieler, aus allen Bereichen des Raumes auf die Besucher ein. Auch die mal süßlich-holzigen, mal rauchig-herben Gerüche, die den olfaktorischen Rahmen für die Handlung bilden, werden viel schneller und intensiver wahrgenommen als gewöhnlich.

Diese Duft- und Klangwelten sind es auch, die die Zuschauer fordern und ihre Wahrnehmung stark beanspruchen. Über Kiesflächen und Stroh waten die Schauspieler und geben dem Publikum damit die Illusion mit Prospero und Miranda auf der Insel zu sein. Auch der zu Beginn losbrechende Sturm, der sie auf dem Eiland stranden lässt, wirkte dank der Luftbewegungen im Raum sehr realistisch.

von Viola Verena Schrader

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Dienstag in der Printausgabe der OP.