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Ein Sound wie aus der Kreissäge

„Bang your Head“ im Marburger Kulturladen Ein Sound wie aus der Kreissäge

Ganz harte Klänge aus Richtung KFZ übertönten am Freitag die herannahenden Gewitter über der Marburger Altstadt.

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Marc Grewe grölte sich die Seele aus dem Leib, dazu kreissägenähnlicher Sound aus der Gitarre: Headbangen bis zum Umfallen mit „Morgoth“.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Lange Haare und Bärte, mit Totenköpfen und allerlei Fratzen übersäte Kutten prägten das Bild der Schulstraße in den frühen Abendstunden. Schon die erste Band, die „Hyems“, preschte mit ordentlichem Geschrei und bratzigen Gitarren nach vorne.

Danach ließen „Lay Down Rotten“ aus Herborn es mächtig krachen. Die Hessen werden als eine der deftigsten Death Metal Bands Deutschlands gehandelt und brachten beim Publikum die eine oder andere Mähne zum Fliegen. Frontschreier Jost „Little“ Kleinert, ein tätowierter Schrank mit Ziegenbart bis zur Brust, heizte mit möglichst übler Miene die Fans an, war aber immer besorgt, ob das Bier auch reiche. „Lay Down Rotten“ boten feinsten Old-School-Death-Metal im Stile alter Obituary und ein gutes Warm-up für den Headliner.

Das waren die Musiker von „Morgoth“, die mit voller Macht zurück gekommen sind. 1987 gegründet, ritten die Jungs aus Meschede elf Jahre auf der Death-Metal-Welle. Die treuen Fans haben ein Jahrzehnt gewartet. Zum 20-jährigen Jubiläum der Veröffentlichung ihres Klassikers „Cursed“ kam 2011 die Re-Union mit zahlreichen Festivalauftritten und Clubkonzerten. Kaum hatten Sebastian Swart und Harry Busse begonnen, einen der Kreissäge ähnlichen Sound aus ihren Gitarren zu hämmern, war die Menge vor der Bühne nicht mehr zu halten - Ausfallschritt und den Nackenschaden in Kauf nehmen, Headbangen bis zum Umfallen. Marc Grewe grölte sich dazu die Seele aus dem Leib.

Zwölf Jahre Pause haben gut getan, viel vom Text versteht man zwar immer noch nicht, aber es rockt und schiebt unglaublich nach vorne. Sotirios Kelekidis, übrigens der Einzige der Band, der noch einen Meter Metal-Lockenpracht trägt, hämmerte auf seinen Bass, das man die Tieftöner der Boxen nur bemitleiden konnte. Wie die Räder einer Windmühle kreiste seine Matte im schnellen Takt. Den gab Marc Reign vor, und zwar mit gefühlten 3000 Beats pro Minute. Dazu brachte er neben einem gigantischem Arsenal an Trommeln gleich eine doppelte Base-Drum mit, auf die er eintrat, dass die Schweißtropfen nur so flogen.

Die Fans huldigten jeden Takt mit nickenden Köpfen, das Bier floss in Strömen die Kehlen und Kutten hinunter und der Tinnitus ließ die Ohren klingeln. Wahrlich ein Leckerbissen aus den 90ern, der auch nach einer Dekade Pause nichts von seiner Power verloren hat.

von Jan Bosch

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