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Marburg Ein Märchen zum Hören, Sehen, Staunen
Marburg Ein Märchen zum Hören, Sehen, Staunen
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16:19 05.08.2012
Quelle: Nadja Schwarzwäller
Marburg

Grimm-Jahr in Marburg und ein waschechter Turm als Kulisse – was könnte man da besser auf die Bühne bringen als Rapunzel. Dabei ist das Wort Bühne allerdings in Anführungszeichen zu setzen. Es gibt zwar tatsächlich eine im Schatten des Kaiser-Wilhelm-Turms auf den Lahnbergen. Aber die „Action“ findet genauso auch auf dem Gelände und eben dem Turm statt. Und eigentlich geht es gar nicht um die „Action“. Sondern um Bilder in den Köpfen der Zuschauer – die bei der Hörtheatrale, nomen est omen, vor allem Zuhörer sind.
Nachdem Sherlock Holmes und Dr. Watson schon in vier Fällen ermittelt haben und im vergangenen Jahr Graf Dracula zum ersten Mal auf der Bildfläche – pardon, der Hörfläche der Hörtheatrale erschien, war das Märchen von Rapunzel nun eine Premiere im doppelten Sinn. Zum ersten Mal sind auch und besonders kleine Hörspielfans das Zielpublikum. Und die müssen gleich zu Beginn des Spektakels helfen, wenn Daniel Sempf die Bühne betritt: „Es war... Es war...“ – wie ging das noch gleich? „Es war einmal“, kommt es mehrstimmig aus dem Publikum. Weiß doch jedes Kind.

Es war einmal eine Frau, die ein Kind erwartet und furchtbare Lust auf Feldsalat, auch Rapunzel genannt, hat. Ihr Mann stiehlt welchen im Garten einer alten Frau, die natürlich eine Hexe ist und dem Dieb auf die Schliche kommt. Sie verlangt, dass er ihr das Kind – Rapunzel wird es heißen – wenn es zwölf Jahre alt ist, überlässt. Es kommt, wie es kommen muss: Rapunzel wird von der Hexe in einen Turm gesperrt, wo ein Prinz sie entdeckt, der Ruf „Rapunzel, Rapunzel, lass dein Haar herunter“ bringt die beiden zueinander und damit das Verderben. Und am Ende kriegen sie sich doch und, klar, wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Daniel Sempf hat das Märchen der Brüder Grimm in eine Hörspielfassung gebracht, die Kindern ebenso wie Erwachsenen Riesenspaß macht. Es gibt, auch wenn es Hörtheater ist, viel zu sehen. Vom Kostüm bis hin zur großartigen Kulisse. Sowohl in der Inszenierung wie auch in den Sound-Installationen von Ben Streibig stecken viele kleine liebevolle Details. Und die perfekte Würze bringt die Prise Humor: „So was gibt’s doch nur im Märchen!“ – „Bitte, das ist hier eins!?“ lautet zum Beispiel ein augenzwinkernder Dialog der Protagonisten.
Franziska Knetsch spielt an der Seite von Sempf ein bezauberndes Rapunzel ebenso wie eine furchteinflößende Hexe. Den beiden Schauspielern, die zum Ensemble des Hessischen Landestheaters gehören, gelang es bei der Premiere am Freitag, die Aufmerksamkeit selbst der zahlreichen ganz kleinen Zuschauer zu fesseln. Am Ende gab es viel Applaus und einige Kinder nutzten die Gelegenheit, Rapunzels Turm und die Requisiten ganz genau in Augenschein zu nehmen.
Eine kleine Besucherin wollte unbedingt ein Foto gemeinsam mit „Rapunzel“ Franziska Knetsch haben. Und eine erwachsene Zuschauerin sagte, sie habe sich in ihre Kindheit katapultiert gefühlt und richtig mitgelitten mit Rapunzel und ihrem Prinzen. Also eine rundum gelungene Premiere für die Hörtheatrale.

  • Rapunzel“ wird am Dienstag,7. August,  sowie am Donnerstag, 8. August,  Freitag, 9. August,  und Samstag, 10. August,  noch einmal jeweils um 16.30 Uhr zu sehen.
  • Außerdem stehen weitere Aufführungen von „Das gefleckte Band“ (Dienstag), „Der Hund von Baskerville“ (Mittwoch und Donnerstag) sowie „Dracula“ (Freitag und Samstag) jeweils um 21 Uhr auf dem Spielplan.
  • Alle Informationen gibt es im Internet unter www.diehoertheatrale.de.
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