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Marburg Ein „Kameramann des Halbschattens“
Marburg Ein „Kameramann des Halbschattens“
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00:15 13.03.2013
Bei der Verleihung des Kamerapreises (von links): Katharina Krause, Angela Schanelec, Reinhold Vorschneider, Kerstin Weinbach und Egon Vaupel. Quelle: Heike Döhn
Marburg

Reinhold Vorschneider ist der 13.Bildgestalter, der den mit 5000 Euro dotierten Kamerapreis erhalten hat. Vergeben wird er von der Stadt Marburg und der Philipps-Universität gemeinsam. Die Verleihung in der Aula der Alten Universität war ein festliches Ereignis mit vielen Zuschauern, mit Ausschnitten aus Vorschneiders Filmen und dem entspannten Jazz der „Jazzrobots“. Umrahmt wurde die Preisverleihung von den zwei Tage währenden Kameragesprächen, bei denen die Filme des Preisträgers gezeigt und von Experten und der Öffentlichkeit diskutiert wurden.

Alltagsgeschehnisse im neuen Licht

Vorschneiders Filme sind keine Filme für ein Massenpublikum, er sei „nicht interessiert an Action oder Fantasy“, sagte Universitätspräsidentin Katharina Krause. Stattdessen setze er Alltagsgeschehen so in Szene, dass man es neu wahrnehmen könne.Filme wie „Der Räuber“, „Im Schatten“ oder „Schläfer“ haben ihn zu einem der prägenden Kameramänner des deutschen Films gemacht, dem die Jury außerordentliche Präzision jenseits vordergründiger Techniken bescheinigt. Vorschneider vertraue dem natürlichen Licht und sei daher auch ein „Kameramann des Halbdunkels und des Halbschattens“. Er fordere den Zuschauer auf, genau hinzuschauen und scheinbar Vertrautes neu wahrzunehmen.Ein Zugang zum Film, den auch Angela Schanelec teilt. Der Organisator des Kamerapreises, Malte Hagener, stellte die Regisseurin, mit der Vorschneider seit 1995 zusammenarbeitet, dem Publikum als jemanden vor, deren Filme nicht der klassischen Dramaturgie folgen, sondern deren Handlung so unabsehbar wie das wirkliche Leben sei. „Warten und Nichthandeln“ trete an die Stelle von verdichteten Handlungslinien.

Verbindung von Offenheit und Unbestechlichkeit

Sie biete dem Zuschauer einen anderen Rhythmus und eine andere Geschwindigkeit an als gewohnt, biete dafür aber eine andere Wahrnehmung von Wirklichkeit mit Filmen wie „Orly“ oder „Mein langsames Leben“. Dabei helfe ihr Reinhold Vorschneider, sagte Schanelec. „Er dreht, um den notwendigen Teil eines Ganzen zu finden“.

Vorschneider sei in der Lage, einen Regisseur zu verstehen, wenn der sich selber noch nicht verstanden habe. Zudem verbinde er absolute Offenheit und Unbestechlichkeit. Und: „Er fotografiert das Licht.“ Kulturdezernentin Kerstin Weinbach hieß Reinhold Vorschneider in der Kamerapreis-Familie willkommen, in der sich Kameraleute wie Raoul Coutard, Robby Müller, Jost Vacano oder Agnès Godard befinden.

Vorschneider dankte am Ende bescheiden für die Preisvergabe: In diese „Familie“ aufgenommen zu sein, das sei ein Geschenk für ihn.

von Heike Döhn

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