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Marburg Ein Jahr ohne Weidenhäuser Brücke
Marburg Ein Jahr ohne Weidenhäuser Brücke
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10:36 26.02.2019
So sieht die Weidenhäuser Brücke derzeit aus. Im Moment setzen Steinmetze restaurierte und entsalzene Sandsteine hier, an der Südseite der Brücke, ein. Teilweise wurden auch Steine nachgebildet, die nicht mehr verwendet werden konnten. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Die Stadt plant, den Straßenbelag rund um den Rudolphsplatz zu erneuern. Saniert werden soll die Strecke vom BiP aus bis auf Höhe der Bushaltestelle Rudolphsplatz (Fahrbahnseite Richtung Hauptbahnhof). Während der Bauphase soll der Bereich trotzdem weiterhin in beide Richtungen einspurig zu befahren sein.

Die Sanierung sei derzeit in der Planungsphase, sagte Patricia Grähling von der Pressestelle der Stadt auf OP-Nachfrage. Wann die Arbeiten beginnen, sei noch unklar. Sicher sei aber, dass die Arbeiten spätestens mit dem Ende der Brückensanierung abgeschlossen werden. Mit der Öffnung der Brücke sei weiterhin in den Sommerferien zu rechnen, so Grähling. „Der aktualisierte Bauzeitenplan wird gerade erarbeitet.“

HINTERGRUND

Am 26. Februar 2018 haben die Bauarbeiten an der Weidenhäuser Brücke begonnen. Zu der Zeit herrschte Schilder-Chaos. Die OP hat damals den Test gemacht und festgestellt, dass Ortsfremde schwerlich ihr Ziel erreicht hätten. Parkleitsystem und Beschilderung ­waren widersprüchlich.

Bald sorgten die Schilder auch noch aus einem anderen Grund für Ärger: Im Juni hatte die Stadt mehr als 100 gestohlene Umleitungsschilder zu beklagen. Ab Ende Oktober sollte die Brücke wieder halbseitig geöffnet werden. Es gab Diskussionen, ob sie stadteinwärts oder -auswärts befahrbar sein soll. Auch der Vorschlag, dass sie zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedliche Richtungen freigegeben wird, stand im Raum.

Dann kam jedoch eine Hiobsbotschaft für den Handel, der auf eine einseitige Freigabe gehofft hatte: Die Stadt verkündete, dass die Brücke bis zum ­
Ende der Bauarbeiten geschlossen bleiben soll. Grund dafür war laut Stadt unter anderem, dass die Statik der Brücke neu berechnet werden musste: Am östlichen Brückenbogen trat ein Höhenunterschied von mehreren Zentimetern gegenüber den Plänen zutage.

Auf dem Neujahrsempfang am 19. Januar sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), die Brücke könne vielleicht schon in den Sommerferien wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Im Hinblick auf die geplante Straßensanierung sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), die Arbeiten könnten schnell umgesetzt werden. „Da aktuell durch die Sperrung der Weidenhäuser Brücke weniger Verkehr am Rudolphsplatz ist, können wir diese Arbeiten jetzt ohne große Eingriffe in den fließenden Verkehr mitmachen“, so Spies. Die Fertigstellung der Weidenhäuser Brücke verzögere sich dadurch nicht.

Laut Mitteilung der Stadt muss lediglich ein kleiner Teil der Fahrbahn im Knotenbereich des Rudolphsplatzes grundhaft erneuert werden. Ansonsten müsse nur die Fahrbahndecke ausgetauscht werden, wie Probebohrungen ergeben hätten.

An der Brücke setzen derzeit Steinmetze neue, restaurierte­ und entsalzene Steine wieder ein. Die Nordseite ist bereits wiederhergestellt. Dort wurde im vergangenen Jahr bereits der Fußgängersteg montiert. Darin wurden Leitungen und Leerrohre – unter anderem für Glasfaserkabel – verlegt, um sie optisch zu verbergen. Der Steg soll künftig nicht – wie zunächst geplant – an einer provisorischen Treppe enden und erst mit der Umgestaltung des gesamten Rudolphsplatzes an den Gehweg Richtung Bushaltestelle Rudolphsplatz angebunden werden. Stattdessen wird die vorhandene Stützmauer versetzt und der Steg an den Gehweg angeschlossen – und zwar auf der von der Universitätskirche aus gesehenen gegenüberliegenden­ Straßenseite. Zusätzlich ist dort eine Treppe zur Lahn vorgesehen.

Während der Frostperiode mussten die Arbeiten direkt an der Weidenhäuser Brücke ruhen. Die Zeit sei genutzt worden, um in der Werkstatt an den Sandsteinen zu arbeiten. Laut Stadt lagen die historischen Steine rund zehn Wochen lang im destillierten Wasserbad, um das Salz weitestgehend ­herauszuziehen. „Vorab haben wir jeden Stein einzeln herausgenommen und erfasst und gemeinsam mit dem Denkmalschutz geschaut, welche Steine wieder an welcher Stelle eingesetzt werden können“, erläuterte Thomas Engelbach, Fachdienstleiter Tiefbau der Stadt Marburg. Das sei sehr aufwändig und zeitintensiv gewesen – ebenso wie die Restaurierung und die detailgetreue Nachbildung von neuen Steinen, die als Ersatz für zu stark beschädigte­ Elemente eingebaut wurden und noch werden. Neue Sandsteine werden in drei verschieden Farbvariationen eingebaut, um das bunte Bild der Brückenansicht zu erhalten.
Derzeit werden außerdem Arbeiten am Fahrbahnrand durchgeführt. Dazu gehören die Geländer und die Beleuchtung, die Gesimse und Postamente sowie der Gehweg auf der Nordseite. Was die Fahrbahn selbst betrifft, warte man noch auf höhere Temperaturen, heißt es vonseiten der Stadt. Dann werde der aufgebrachte Beton gereinigt, Versiegelung und Abdichtung aufgebracht und schließlich ­eine Lage Gussasphalt und die Deckschicht für die Fahrbahn.

Ein Jahr Sperrung der Weidenhäuser Brücke – das ist für den Handel immer noch kein Grund, zu gratulieren, „unsere­ Geburtstagswünsche halten sich in Grenzen“, sagt Friedrich „Fiddy“­ Bode, Vorsitzender des Werbekreises Oberstadt. Der Oberstadt sei es „nicht gut“ ergangen, „wir merken die Sperrung immer noch“, sagt er. „Jetzt wird es einfach Zeit, dass die Bauarbeiten zum Ende kommen – da hätten wir nichts gegen“, verdeutlicht er. Wie waren die Erfahrungen im vergangenen Jahr? „Es kam genauso, wie wir es befürchtet haben – wir haben seither deutlich weniger Frequenz“, sagt Bode.

Gebeutelt von der Brückensperrung ist auch seither die Nordstadt – vor allem durch Dauerstau während der Stoßzeiten. „Na herzlichen Glückwunsch – das Jahr wird sicherlich nicht als eines der Besten in die Geschichte eingehen“, sagt Michaela Richter, stellvertretende Vorsitzende des Werbekreises Nord rund um die Elisabethkirche. „Der Verkehr hat sich zwar außerhalb der Stoßzeiten normalisiert – aber morgens und nachmittags ist es immer noch am schlimmsten, durch die Nordstadt zu kommen.“

Gleichwohl sei das Quartier ansonsten „völlig problemlos zu erreichen – es gibt also keinen Grund, die Nordstadt zu meiden“, sagt Richter. Richter bemängelt, dass die Kommunikation vonseiten der Stadt äußerst fragwürdig gewesen sei, und gebe es immer noch zahlreiche Stellschrauben, an denen man drehen könne – so habe beispielsweise ein Kollege vorgeschlagen, die Ampel für den abfließenden Verkehr für Rechtsabbieger auszuschalten und dort die Fußgängerquerung mittels Zebrastreifens zu realisieren, „dann könnte der Verkehr zügig abfließen“, sagt Richter – getan habe sich nichts.

Sie hofft, dass die Brückensperrung pünktlich ende – „und sich die Kommunikation bei der weiteren Verkehrsplanung für die Nordstadt wesentlich verbessert“, wünscht sie sich.
Und was wurde dem Stadtmarketing in Bezug auf die Brücke gespiegelt? „Es sind alle froh, dass Land in Sicht ist“, sagt Geschäftsführer Jan-Bernd Röllmann. Er ist optimistisch, dass der Zeitplan eingehalten werde – vor allem auch, „weil es keine weiteren Komplikationen durch den Winter gab“. Denn: Da die Brücke nicht geöffnet worden sei, habe es auch keinen Salzeintrag gegeben, was positiv sei.

Dennoch stünden alle vor der Herausforderung, „ein Drittel des Verkehrszuflusses in die Innenstadt zu kompensieren – das ist nicht einfach möglich“. Dennoch werde man weiter „auch an kleinen Stellschrauben drehen, um die restliche Zeit der Sperrung zu erleichtern“.

von Freya Altmüller und Andreas Schmidt