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Marburg Ein Haus gefüllt mit Totenschädeln
Marburg Ein Haus gefüllt mit Totenschädeln
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19:41 22.09.2011
Ausstellungsmacher Harald Kimpel und der Künstler Josefh Delleg präsentieren für das Foto Schädel in Hamlet-Pose. Im Hintergrund ist ein Gemälde von Jan Czerwinski zu sehen. Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Totenköpfe überall. Schädel in Öl an den Wänden, Schädel auf dem Boden, übersät mit Konfetti, Schädel aus Wachs in groben Holzregalen, Schädel aus knallbuntem Verpackungsmaterial. Der Kunsthistoriker Dr. Harald Kimpel verwandelt den Kunstverein bis zum 10. November in eine Schädelstätte.

Schädel sind nicht erst seit Shakespeares „Hamlet“, der der Ausstellung auch den Namen gegeben hat, ein Symbol für den Tod. Aber nur selten werden sie so intensiv inszeniert, wie im Kunstverein, wo neben den künstlerischen Arbeiten die universitären Sammlungen der Zoologen und Anatomen echte Schädel zeigen.

Ein wenig gruselig ist die Auseinandersetzung mit einem alten Thema der bildenden Kunst daher schon. Manchmal düster, oft aber auch ironisch und bisweilen sogar witzig.

Eineinhalb Jahre hat sich Harald Kimpel mit dem Thema auseinandergesetzt, Künstler und Galeristen kontaktiert. Herausgekommen ist eine international besetzte Gruppenausstellung, in der Künstler aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und der Schweiz vertreten sind. Darunter ist auch ein Star – Erich Lindenberg, der 2006 in Berlin verstorbene ältere Bruder des Rockstars Udo Lindenberg, ist mit einer Werkgruppe vertreten. Bereitgestellt wurden die Arbeiten von der Erich-Lindenberg-Kunststiftung, die derzeit ein Lindenberg-Museum aufbaut. An der gegenüberliegenden Wand hängen Bilder des Marburgers Stefan S. Schmidt, der mit vier Arbeiten vertreten ist.

War der Totenkopf einmal Symbol eines freibeuterischen Widerstands gegen das Establishment, so hat er, wie Ausstellungsmacher Kimpel betont, „längst Einzug gehalten in die Alltagskultur“. Die Gesellschaft, die der Totenschädel einmal attackieren sollte, habe ihn absorbiert – auf T-Shirts, auf Fahnen, auf Kaffeetassen. Durch die Omnipräsenz habe er seine Bedeutung verloren, meint der Kunsthistoriker. Allerdings lebe er in der bildenden Kunst fort, „Künstler behandeln ihn mit Ernsthaftigkeit“.

Der in Kassel lebende Kimpel will mit seiner Auswahl von Malerei, Grafik, Plastik und Installation „exemplarische Einblicke in die Bandbreite einer intensiven künstlerischen Praxis“ bieten, „in der das dauerhafte Zeichen des Vergänglichen als zentrales Thema oder als hintergründige Komponente eines Werkentwurfs zum Einsatz kommt“, heißt es in der Mitteilung des Kunstvereins.

Die Ausstellung wird am Freitag um 18 Uhr eröffnet. Sie ist bis zum 10. November zu sehen; geöffnet dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr und mittwochs von 11 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei. Jeden Samstag um 16 Uhr finden kostenlose Führungen statt. Für Schulklassen und Gruppen werden Führungen nach Vereinbarung angeboten.

von Uwe Badouin

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