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Ein Griesgram mit Sinn für Humor

Otto Ubbelohe Ein Griesgram mit Sinn für Humor

Der Maler Otto Ubbelohde galt als ernster, ungeselliger und spröder Mensch. Dass er auch Humor hatte, macht eine sehr sehenswerte kleine Ausstellung im Ubbelohde-Haus deutlich.

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Auch die jüngsten Besucher hatten am Sonntag ihren Spaß an den Bildern von Otto Ubbelohde.Foto: Bettina Preussner

Goßfelden. Ludwig Rinn, Vorstand der Otto-Ubbelohde-Stftung, begrüßte viele Gäste zur ersten Ausstellung des Jahres. Dicht an dicht saßen die Besucher am Sonntagmorgen in den Ausstellungsräumen.

Dr. Uta Löwenstein führt in die Ausstellung ein. Sie sprach vor allem über die Treffen der Marburger Archivare, die ab 1886 jedes Jahr preußische Kollegen zum Westdeutschen Archivtag einluden. Daraus entstand das Wetterer Gänseessen, das vor allem geselligen Zielen diente. Auch heute noch gibt es dieses Gänseessen in Wetter, wie Uta Löwenstein zu berichten wusste. Obwohl man Otto Ubbelohde für einen grämlichen Sonderling halten könnte, verschloss er sich dem Marburger Gesellschaftsleben nicht vollkommen. Ab 1906 nahm der Maler regelmäßig an den Wetterer Gänseessen teil. Bei den Treffen der Archivare wurde nur wenig diskutiert, aber viel gegessen und noch mehr getrunken. Bald entwarf Ubbelohde die Einladungskarten zu den Gänseessen, die mit kleinen, humorvollen Zeichnungen geschmückt waren.

In der Ausstellung sind etliche dieser Einladungskarten zu sehen: Da ist die Heilige Elisabeth im Schutzmantel dargestellt, die einen saftigen Gänsebraten vor sich her trägt.

Da taucht der heilige Martin auf, der mit dem Schwert nicht den Mantel, sondern eine Gans zerteilt. Und da ist die Silhouette von Wetter abgebildet, bestehend aus Bierkrügen, Weinflaschen und Zigarrenkisten.

Neben den Karten fallen in der Ausstellung die witzigen Märchenillustrationen ins Auge. Dabei ist Ubbelohdes Humor sehr fein und oft erst auf den zweiten Blick zu entdecken. Da zwinkert ein Uhu dem Betrachter verschwörerisch zu, Däumelinchen bekommt Besuch von einem dicken Maulwurf im Pelzrock und in dem Märchen „Vom Mäuschen,Vögelchen und der Bratwurst“ steht die Bratwurst selbst am Kochtopf. Bewundernswert ist die filigrane Ausführung der Zeichnungen und der genaue Blick auf die Details.

Ubbelohde nahm nicht nur an den Gänseessen, sondern auch an den Marburger Rektoratsbällen teil. Im Universitätsmuseum sind etliche seiner karikierenden Zeichnungen ausgestellt. In der Schau in Goßfelden kann aus Platzgründen nur eines der großformatigen Bilder gezeigt werden.

Hier ist am Rande der illustren Gesellschaft eine kopflose Figur abgebildet - mit verschiedenen Köpfen zum Aufstecken, ganz nach Wahl.

Die Schau im Otto-Ubbelohde-Haus ist bis zum 11. Mai zu sehen und immer samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

von Bettina Preussner

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