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Marburg Ein Dorf im Theaterfieber
Marburg Ein Dorf im Theaterfieber
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19:13 07.08.2011
Ein ganz schön munteres Volk, die Bewohner des Dörfchens Kummerode. In dem Theaterstück „Machs guttche“ werden alltägliche Situationen aufs Korn genommen. 40 Oberrospher wirken bei der Produktion mit. Quelle: Tobias Hirsch

Oberrosphe. Klitschnass stehen die Schauspieler auf der Bühne. Klitschnass klatscht das Publikum Beifall. Trotz der heftigen Regengüsse am Samstagabend wurde die Zweitaufführung des Theaterstücks „Machs guttche“ gefeiert. „Das Publikum hat eisern durchgehalten,“ freut sich Kai-Uwe Spanka, Bühnenakteur und Bürgermeister der Stadt Wetter. Wieder haben Zuschauer und Schauspieler bewiesen: In Oberrosphe wird Zusammenhalt großgeschrieben. So ein bisschen Regen ist allenfalls eine kleine Herausforderung, nicht aber ein Grund, um aufzugeben.

Doch worum geht es eigentlich in der Dorf-Komödie? Kurzum: Um Alltägliches, garniert mit einer großen Portion Witz, gewürzt mit spritzigen Dialogen und einem Hauch von Ironie.

Im Dorf Kummerode scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Die Nachbarschaft ist zuvorkommend und freundlich, ein Hahn kräht, Hunde bellen, Kirchenglocken läuten – ein wahrlich idyllischer Erdenfleck. Bis sich mit Mechthild Hohlbusch, genannt „Schätzchen“, Engstirnigkeit, Niedertracht und Bosheit dort niederlassen. Lärm, Schmutz und hilfsbereite Bewohner erträgt ihr empfindliches Gemüt nur so lange, wie sich alles um die Renovierung ihres geerbten Hauses dreht.

Danach ist der Kratzbürste sämtliches dörfliches Treiben schnell zuwider: der lautstarke Frauenplausch, die trinkfesten, grölenden Männer, vor allem aber der krähende Hahn, die bellenden Hunde sowie die läutenden Glocken. Mit Unmengen Schnaps überzeugt Schätzchen den zuständigen Polizisten von der Regelwidrigkeit des Geräuschpegels. Fortan ist alles lärmende Leben verboten: die Hunde erhalten einen Schnauzen-Schallschutz, die Kirchenglocken riesige Klangverhüterli, der Hahn eine metallene Anti-Kräh-Halskrause, Gespräche und Geselligkeit auf dem Marktplatz sind unter Androhung von Strafe untersagt.

Doch wie verträgt die Unruhestifterin das Echo ihrer angezettelten Streitereien? Und wer sagt zum Schluss „Machs guttche!“ – das Schätzchen oder doch die Kummeroder?

Ärger hinter dem Gartenzaun ist vielerorts alltäglich und nicht selten Gegenstand medialer Berichterstattung. Kein Wunder also, dass sich sämtliche Zuschauer zügig in das dargestellte Geschehen einfühlten.

Dass die Aufführung dennoch nicht alltäglich daherkam, war den überspitzten, urkomischen und lebendigen Dialogen der facettenreichen Dorfbewohner geschuldet.

Wie bereits im Jahre 2007 beim in Oberrosphe dargebotenen Bühnenstück „Leibchen, Liebe, Chewing Gum“ schrieb Brunhilde Hess sämtliche Texte und führte Regie. Die von Eckhard Scherer ganz im kabarettistischen Stil arrangierten musikalischen Einlagen sorgten für zusätzlichen erfrischenden Schwung, absurden Witz und unterhaltsamen Spott. Vor einem farbenfrohen, kreativen Bühnenbild boten gut 40 Oberrospher zwischen 10 und 83 Jahren eine überzeugende schauspielerische Leistung, die nach etwa zweistündiger Darbietung unter sternenklarem, regenfreiem Himmel von den Zuschauern mit minutenlangem Applaus gewürdigt wurde.

Aufführung verpasst? Vier Freilichtaufführungen folgen. Donnerstag, 11. August, sowie an den drei folgenden Tagen jeweils um 21 Uhr am Oberrospher Dorfmuseum.

von Kathrin Wollenschläger