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Ein Blick in die Kühltruhe des Kannibalen

Mark Benecke Ein Blick in die Kühltruhe des Kannibalen

Der Kriminalbiologe Mark Benecke hielt am Samstag im Rahmen des Marburger Krimifestivals einen ebenso spannenden wie gruseligen Vortrag zu seinem Buch „Aus der Dunkelkammer des Bösen“.

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Ein netter Typ: Kriminalbiologe und „Herr der Maden“ Mark Benecke und seine Frau Lydia nahmen sich am Rande der Lesung Zeit für ihre Fans.Foto: Bettina Preussner

Marburg. Mark Benecke ist ein ziemlich schräger Typ: Sein Körper ist über und über mit Tattoos bedeckt, sogar seine Handrücken sind tätowiert. Dabei ist er schrecklich nett, sehr offen, sehr locker, sehr freundlich. Schon lange vor Beginn des Vortrags steht er am Rednerpult, plaudert mit seinen Fans, grinst in diverse Kameras und signiert Bücher.

Was Mark Benecke betreibt, könnte man als „Infotainment“ bezeichnen, eine gelungene Mischung aus Information und Unterhaltung. Denn Benecke ist nicht nur äußerst witzig und schlagfertig, sondern auch promovierter Biologe, genauer gesagt Kriminalbiologe. Er wird weltweit als Sachverständiger herangezogen, um Gewaltverbrechen mit Todesfolge aufzuklären. Er arbeitet darüber hinaus als Ausbilder an deutschen Polizeischulen und ist Gastdozent an Universitäten in England, den USA, Kolumbien und China.

Mark Benecke kennt also die schreckliche Wirklichkeit aus eigener Anschauung. Am Samstag nahm er nun die Gäste in der Stadthalle mit auf eine Reise durch die Köpfe und Herzen von Mördern und Vergewaltigern. Wie ein roter Faden zog sich seine Hauptthese durch den Abend: Man muss die Täter und ihre Denkweise verstehen und darf sie nicht zu Monstern abstempeln. Nur so kann man weitere Taten verhindern.

Nette Mörder von nebenan

Zuerst erläuterte er den schaurigen Fall des Kannibalen Armin Meiwes, der vor einigen Jahren Schlagzeilen machte. Benecke erklärte, warum der Menschenfresser innerhalb seines eigenen Denksystems ganz folgerichtig gehandelt hat, indem er seinen Partner tötete und verspeiste. Dazu zeigte er gruselige Bilder aus der Kühltruhe, in der der Mörder das Menschenfleisch aufbewahrte - neben einer Pizza und einer toten Maus.

Als weiteres Beispiel nannte der Kriminalbiologe den Fall des Serienkillers Jürgen Bartsch. Bartsch hat in den 60er Jahren systematisch kleine Jungen entführt und zu Tode gefoltert. Wie der Mörder Meiwes war auch Bartsch im Alltag freundlich und unauffällig und hatte sogar einen gewissen Charme. Auch bei ihm liegen die Gründe für seine Taten unter anderem in einer schrecklichen Kindheit.

Im zweiten Teil des Abends kam Mark Beneckes Frau Lydia zu Wort, die mit ihm zusammen das Buch „Aus der Dunkelkammer des Bösen“ geschrieben hat. Sie ist studierte Psychologin und arbeitet im Bereich der Kriminalpsychologie.

„Mich interessiert, warum Menschen tun, was sie tun“, sagte sie zu Beginn. Es gehe nicht darum, die Taten zu entschuldigen, betonte sie ebenso wie ihr Mann immer wieder. Lydia Benecke erläuterte anhand zahlreicher Fälle, wie Psychopathie entsteht. Ihrer Ansicht nach müssen extremer Narzissmus und eine antisoziale Persönlichkeitsstörung zusammentreffen. Als Beispiele nannte sie unter anderem den amerikanischen Buchhalter John List, der kaltblütig seine gesamte Familie erschossen hat, im täglichen Leben aber nett und unauffällig war.

Zum Schluss betonte Mark Benecke nochmals, man müsse mit den Tätern reden, um sie zu verstehen. Und nur so könnten weitere Verbrechen verhindert werden. Dann verteilte er farbige „Antigrusel-Klicklichter“, damit sich seine Fans in der Nacht nicht gruseln müssen. Ob das wohl geholfen hat?

von Bettina Preussner

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