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Ehrung mit Hindernissen

Stadt benennt Platz nach Louisa Biland Ehrung mit Hindernissen

Der Platz vor dem Hessischen Landestheater und der Musikschule wurde gestern feierlich nach der 2008 verstorbenen Marburger Künstlerin und Kommunalpolitikerin Louisa Biland benannt.

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Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach enthüllten das Schild neben dem Theater.

Quelle: Uwe Badouin

Marburg. Viele Jahrzehnte war Louisa Biland eine der prägenden Personen in der Marburger Kunst- und Kulturszene und der Frauenpolitik. Insbesondere weil sich die Künstlerin zeitlebens stark in der Kommunalpolitik engagierte und dort ebenso hartnäckig wie geschickt die Belange von Frauen und der Kultur vertrat.

Zahlreiche frühere Weggefährten Louisa Bilands aus der kommunalen Politik und der lokalen Kulturszene waren gestern Vormittag auf den in den vergangenen Jahren neu gestalteten Platz vor dem Hessischen Landestheater und der Musikschule gekommen, um an sie zu erinnern. Allerdings muss das neue blaue Schild mit ihrem Namen schon wieder ausgetauscht werden. Die Hersteller haben das „o“ in ihrem Namen vergessen, sagte Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (SPD) entschuldigend. Der Fehler liege bei dem Unternehmen.

Weinbach hatte zuvor das Lebenswerk der Kommunalpolitikerin und Künstlerin gewürdigt, die 1925 als Gudrun Fuchs in Lischeid geboren wurde und in Marburg ausschließlich unter ihrem Künstlernamen bekannt war.

„Wir finden uns in dem Namen wieder“

Die am 27. Oktober 2008 im Alter von 82 Jahren verstorbene Künstlerin ist immer mehrgleisig gefahren: Neben ihrer Malerei und eigenen Ausstellungen nahm sie zahlreiche Ehrenämter in der Stadt wahr, war von 1975 bis 1985 Stadtverordnete für die SPD und von 1985 bis 1997 ehrenamtliche Stadträtin.

In dieser Zeit hat sie sich immer wieder mit großer Konsequenz für die Belange von Frauen eingesetzt: Dass etwa im Stadtwald jede zweite Straße nach Frauen benannt wurde, ist ihr Verdienst. Gegen starke Widerstände habe sie auch das Amt der kommunalen Frauenbeauftragten durchgesetzt, betonte Weinbach. Die Mitarbeit bei der Arbeiterwohlfahrt, Mal- und Zeichenkurse für Senioren, der stellvertretende Vorsitz in der Hansenhausgemeinde sind weitere Ehrenämter.

Mindestens genauso groß war ihr Einsatz für die Kulturszene. Wie Weinbach hervorhob, war Louisa Biland Initiatorin der Marburger Sommerakademie für bildende und darstellende Kunst, die in diesem Jahr zum 35. Mal stattfindet und inzwischen eines der größten kulturtouristischen Projekte der Stadt mit internationaler Ausstrahlung ist. Die mit dem historischen Stadtsiegel, der Goldenen Ehrennadel der Stadt, dem Ehrenbrief des Landes Hessen und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Kommunalpolitikerin hat zudem die Kindermalschule und heutige KunstWerkStatt gegründet.

Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer (SPD) würdigte ihre „überragenden Verdienste für die Stadt“. Knut Kramer, Leiter der Marburger Musikschule, sagte: „Ihr Name ist für uns Programm, uns für die Kultur zu engagieren“. Er verwies aber auch auf die prekäre Raumsituation der Musikschule und des benachbarten Landestheaters. Dr. Christine Tretow, stellvertretende Intendantin des Theaters, erklärte: „Wir finden uns in dem Namen wieder, insbesondere in der Verbindung von Kunst und sozialem Engagement.“

Die rund 50 Vorschläge zur Namensgebung, die das Theater bei Besuchern sammelte, fanden keine Berücksichtigung: Sie reichten von Ekke-Eck in Anspielung auf den früheren Intendanten Ekkehard Dennewitz über Hannah Arendt und Joachim Gauck bis zu Ulrike Meinhof.

von Uwe Badouin

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