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Marburg Effi Briest – Drama ohne Leidenschaft?
Marburg Effi Briest – Drama ohne Leidenschaft?
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20:05 18.10.2010
Effi Briest (Sigrid Dispert) bekommt nach einer Affäre mit einem Major die Verachtung der Gesellschaft am eigenen Leibe zu spüren. Quelle: Hessisches Landestheater

Marburg. Nur freundlichen Beifall, keine Begeisterungsstürme gab es am Sonntagabend für die Premiere von Effi Briest im ausverkauften Fürstensaal des Landgrafenschlosses. Seltsam unberührt blieben die Zuschauer nach der fast zweistündigen Aufführung zurück. Dabei hätte die Geschichte nach Theodor Fontanes weltberühmtem Roman genug Stoff für ein großes Drama geboten.

Die Handlung des Theaterstücks ist schnell erzählt: Die junge Effi (recht überzeugend und vielseitig gespielt von Sigrid Dispert), ein temperamentvolles Naturkind, wird mit dem viel älteren, knochentrockenen Baron Geert von Instetten (sehr zurückhaltend: Charles Toulouse) verheiratet. Mit ihm muss sie in die tiefste Provinz ziehen, wo sie viel alleine ist. Schnell langweilt sich die junge Frau und findet Ablenkung in einer heftigen Affäre mit Major von Crampas (charmant und recht eindrucksvoll gespielt von Oliver Schulz), einem Verführer und Lebemann.

Erst Jahre später kommt diese Affäre ans Licht. Der Ehemann fordert den ehemaligen Liebhaber zum Duell und tötet ihn dabei. Der in seiner Ehre verletzte Instetten reicht die Scheidung ein, und Effi steht ganz alleine da. Selbst die Eltern wenden sich zeitweilig von ihr ab. Im Alter von nur 29 Jahren stirbt Effi, von der Gesellschaft geächtet.

Kerstin Weiß hält sich in ihrer Inszenierung ganz an Fontanes Roman. Die Figuren treten in Kostümen aus dem 19. Jahrhundert auf, nur wenige Requisiten sind auf der Bühne zu sehen. Die Regisseurin erzählt in ihrer Bühnenfassung die Geschichte der Effi Briest Schritt für Schritt nach, ohne größere Akzente zu setzen und vor allem ohne große Leidenschaft.

Das beginnt schon bei der Affäre zwischen Effi und Crampas. Die folgenschwere, angeblich so heftige Liebschaft wird in einer kurzen Szene abgehandelt. Ein eng umschlungener Tanz, ein zärtlicher Kuss, mehr ist nicht zu sehen. Die Gewissensbisse, die Effi danach plagen, werden ebenso wenig deutlich. Einmal spricht die junge Frau zwar von ihren tiefen Ängsten, viel mehr wird aber auch dazu nicht gezeigt.
Das Duell der beiden Widersacher wird ebenfalls recht nebensächlich abgehandelt.

An eine Aktualisierung des Romanstoffes hat Kerstin Weiß in ihrer Inszenierung nicht gedacht. Dabei hätte man sich hier einige spannende Variationen vorstellen können, die auch die heutige Situation der Frau mit einbeziehen. Fontane selbst hatte für seinen Roman eine Vorlage in der historischen Wirklichkeit.

von Bettina Preussner

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