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Marburg Düsteres Musical und lange Party-Nacht
Marburg Düsteres Musical und lange Party-Nacht
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00:25 06.09.2014
Mit Georg Büchner „Woyzeck“ in der Version von Robert Wilson und mit der Musik von Tom Waits startet das Hessische Landestheater in die Spielzeit. Quelle: Arne Landwehr
Marburg

Es ist schon verblüffend: Georg Büchner (1813 - 1837) hat sein Drama „Woyzeck“ nicht vollenden können: Es blieb ein Fragment. Und doch gehört sein „Woyzeck“ zu den meistgespielten Dramen der deutschen Literatur.

Intendant Matthias Faltz hat für seine Eröffnungspremiere der Spielzeit eine ganz besondere Fassung ausgewählt: die des Musikers Tom Waits und des Regie-Rebellen Robert Wilson. Waits hat für drei Inszenierungen von Wilson die Musik geschrieben - für „The Black Rider“ aus dem Jahr 1990, mit dem Faltz seine Intendanz in Marburg begonnen hat, für „Alice“ (1992) und schließlich für „Woyzeck“, das 2000 im Betty Nansen Theater in Kopenhagen uraufgeführt wurde.

„Blood Money“ - Blut-Geld - nannte Waits sein Album zu „Woyzeck“, das er größtenteils gemeinsam mit seiner Frau Kathleen Brennen schrieb. Düster ist diese Musik, so düster wie die seelische Verfassung des erniedrigten Soldaten Woyzeck in dem Stück.

Dieser Woyzeck, ein armer Kerl, liebt Marie. Für sie und ihr Kind tut er alles: Er rasiert seinen Hauptmann und unterwirft sich Experimenten eines Arztes, um etwas dazuzuverdienen. Dann trifft Marie einen Tambourmajor. Gibt es womöglich etwas anderes als dieses Elend? Für den erniedrigten Woyzeck ist dies zuviel. In rasender Eifersucht ersticht er Marie. Das ist Büchners Geschichte, die Wilson mit der Musik von Waits zu einem „Art Musical“ verarbeitete.

„,Woyzeck‘ handelt von Wahnsinn und von Obsessionen, von Kindern und von Mord - alles Dinge, die uns berühren. Das Stück ist wild und grell und spannend und fantasieanregend. Es bringt einen dazu, Angst um die Figuren zu bekommen und über das eigene Leben nachzudenken. Ich schätze mal, mehr kann man von einem Stück nicht verlangen“, meint der Sänger, Komponist, Schauspieler und Autor Waits über das Drama.

Neben dem düsteren Musical gibt es zur Eröffnung der Spielzeit noch eine Party mit Live-Musik und DJs sowie eine „Filmpremiere“: 7000 Euro hat der Freundeskreis des Hessischen Landestheaters für einen Kinotrailer gestiftet, der am Samstag nach der Premiere gegen 23 Uhr erstmals vorgestellt wird. Der Trailer soll danach rotierend in allen Marburger Kinos für das Theater werben - mit einer Einschränkung: nur vor Filmen mit der Jugendschutzfreigabe FSK 16! Das bedeutet angesichts des Freigabealters: Er ist vermutlich ziemlich heftig.

Direkt nach der Premiere entern die „Bixby Brothers“ die Bühne im Foyer. Im Repertoire haben sie Musik von Tom Waits, Frank Zappa sowie eigene Interpretationen von Filmklassikern sowie Jazz, Soul und Polka.

Gefeiert wird danach mit dem Marburger DJ-Duo „Aktiv&Anregend“. Dahinter verbergen sich Jan Sizzlar und Nick-Alex Karl, die seit Januar gemeinsam unterwegs und Gründungsmitglieder der Partyreihe Marbylon sind.

  • Für die Premiere von „Woyzeck“ gibt es nur noch Restkarten. Party und Filmpremiere im Anschluss stehen allen Interessierten offen. Der Eintritt dazu ist frei.

von Uwe Badouin

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