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Düster-Rock zur schwarzen Weihnacht

"Samsas Traum" Düster-Rock zur schwarzen Weihnacht

In der Regel legen sie mit derben Riffs und donnernder Base-Drum Konzertsäle in Schutt und Asche. Dazu wiegen schwarz gewandete Gestalten mit allerlei Kreuz- und Kettenglitzer ihre langen Mähnen im düsteren Takt. Doch diesmal nicht.

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Leiser als sonst – und gewohnt düster: „Samsas Traum“ spielte unplugged im ausverkauften Kulturladen KFZ.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Abseits von unverständlich gebrüllten Texten und Trommelfeuerbass haben Alexander Kaschte und Konsorten von „Samsas Traum“ ihre Fans zum besinnlich vorweihnachtlichen Akustikkonzert in den Marburger Kulturladen KFZ geladen.

Mit Akustikgitarren, Drumset und „einem komischen Instrument“ bewaffnet ziehen die vier Kafka-Träumer vor den restlos ausverkauften Saal - heute mal ganz anders, sitzend und mit Notenständer. Die Auswahl von komischen Instrumenten, zu denen Gerrit Wolf ab und an greift, entpuppt sich als ein wohlklingendes Ensemble von Querflöten. Klar, dass die Düster-Rocker im Normalbetrieb damit nicht vertraut sind. Doch heute sind ihre sechs Saiten etwas leiser als die üblichen sechshundert Dezibel.

Den begeisterten und textsicheren Fans präsentieren sie ihre abendfüllende Auswahl alter und neuer Stücke, exklusiv unplugged. So kann sich der Zuschauer voll auf die düsteren Fantasien Kaschtes um weihnachtliche Themen wie Tod, Verdammnis und andere obskure Dinge konzentrieren. Kaschtes ausufernde und kompliziert verschachtelte Ansagegeschichten zwischen den Stücken sind für den Außenstehenden sicher so schwer verdaulich wie eine Weihnachtsgans mit Knödel und Kraut, treffen aber beim Humor der Fans voll ins Schwarze. Passend zur familiären Atmosphäre gibt der Frontmann auch den ein oder anderen Schwank aus der Hinterländer Jugend preis, spricht grinsend von entweihten Friedhöfen und umgedrehten Kreuzen. Was man als Jung-Metaller in der Provinz halt so macht, um der Langeweile Herr zu werden. Jenseits von Todessehnsucht und antireligiösen Gewaltfantasien sind die Jünger der Gothic- und Dark-Metal-Szene ein recht unaggressives Völkchen, bei denen am heidnischen Weihnachtsbaum neben bunten Glaskugeln sicher auch umgedrehte Kreuze blinken und besinnliche Totenglöckchen klingen.

von Jan Bosch

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