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Marburg Drohnen sind „keine Spielzeuge“
Marburg Drohnen sind „keine Spielzeuge“
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00:16 11.12.2018
(Archivfoto) Drohnen sind für verschiedene Anwendungen nützlich. Zu Weihnachten sind sie als Geschenk für Kinder aber nur bedingt geeignet, meint Modellflug-Experte Andreas Witt. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Der Landeanflug ist ein empfindlicher Moment. Je näher ein Flugzeug der Erde kommt, desto mehr Objekte können ihm in der Luft begegnen. Von Vögeln über Modellflugzeuge – bis hin zu Drohnen. „Diese Problematik hat zugenommen“, sagt Andreas Witt, Modellflugreferent beim Kurhessischen Verein für Luftfahrt (KVfL). Der Grund: „Die Dinger werden überall angeboten für wenig Geld“, sagt Witt. Es habe Fälle gegeben, in denen Flugzeuge auf Plätzen Drohnen ausweichen mussten. Gelangt ein solches Fluggerät in ein Triebwerk, kann dies schlimme Folgen haben. „Das Flugzeug kann dann nicht mehr betriebsfähig sein und dadurch sogar abstürzen“, sagt Witt. Problematisch: „Sie sehen die Dinger meist erst, wenn’s zu spät ist“, sagt Witt.

Hilfe

Der Kurhessische Verein für Luftfahrt bietet Anfängern Hilfe bei dem Umgang mit Drohnen. Interessierte können sich unter der E-Mail-Adresse info@modellflug-marburg.de melden.

Deshalb fordert der 51-Jährige Amöneburger einen bewussten Umgang mit den Flugobjekten und warnt Eltern davor, ihren Kindern leichtfertig eine Drohne zu Weihnachten zu schenken. „Drohnen sind keine Spielzeuge“, sagt Witt. Gleichwohl will er die Technik nicht gänzlich in ein schlechtes Licht rücken. „Das darf nicht verteufelt werden“, sagt Witt. Für viele Menschen seien die Fluggeräte äußerst nützlich. Als Beispiel nennt er Dachdecker, die Aufnahmen von Dächern auch ohne Fassadenkletterer machen können oder aber Landwirte, die, bevor sie ein Feld mähen, nachschauen können, ob sich dort drin Wild befindet. „Das sehen Sie
von oben ­wunderbar“, sagt Witt.

Vorteile bieten die leicht zu steuernden Fluggeräte viele. „Es ist eigentlich eine gute Sache“, sagt Witt, „es gibt aber immer wieder Leute, die aus Gutem Mist machen.“ Deshalb wolle sein Verein Aufklärungsarbeit leisten. Damit schlimme Vorfälle vermieden werden. Und damit sich die Auflagen für die Modellflieger nicht weiter verschärfen. „Die Gesetzeslage wird nicht besser, wenn mehr passiert“, sagt Witt. 

Seit Oktober des vergangenen Jahres regelt eine bundesweite Verordnung den Gebrauch von Drohnen (siehe Grafik). Orte, an denen Hobby-Piloten ihre Drohnen fliegen können, gibt es wenige. Auch deshalb rät Witt Anfängern, einem Modellflugverein beizutreten. Denn auf Modellflugplätzen dürfen die Drohnen beispielsweise höher als 100 Meter hoch fliegen. 

Vereine gibt es im Landkreis mehrere. Der KVfL hat seinen Modellflugplatz am Ortsausgang Schröck in Richtung Großseelheim seit 45 Jahren. Dort können auch Nicht-Vereinsmitglieder fliegen. „Das kostet nicht mal was, das machen wir so“, sagt Witt.

Die einzige Bedingung ist, dass sich die Piloten in ein Flugbuch eintragen. Denn passiert mal etwas, kann der Verein so später nachvollziehen, wem das Flugobjekt gehörte. „Wenn beim Nachbarhaus ein Fenster eingeflogen wird, müssen wir das Flugbuch der Polizei aushändigen“, erklärt Witt.

Entsteht durch Modellflugzeuge ein Schaden, müssen Mitglieder sich keine Sorgen machen – sofern ihre Drohne auf dem Vereinsplatz gestartet ist. Sie sind dann über den Verein mitversichert. Anders sieht es für Privatleute aus. Ihnen empfiehlt Witt auf jeden Fall eine Versicherung abzuschließen und „das Kleingedruckte zu lesen“. Denn der Schaden, den eine Drohne anrichten kann, kann groß sein. „Wenn eins der Blätter abbricht, kommt das Ding runter wie ein Stein“, sagt Witt. Deshalb ist es zum Beispiel verboten, über Menschenansammlungen zu fliegen.

Durch die vier Rotoren, mit denen eine Drohne in der Luft sogar „stehen“ kann, ist sie im Flug sehr stabil. Allerdings können die einzelnen Teile leicht beschädigt werden. Dass eine Drohne in einem Baum oder einem Busch landet, passiere schnell, meint Witt. Aus diesem Grund rät er Hobby-Piloten ihre Geräte nicht im Internet oder in Spielzeugläden zu kaufen. Dort erhalte man später keine Ersatzteile, sollte etwas kaputt gehen. „Das sind Wegwerf-Artikel“, sagt Witt. Stattdessen empfiehlt Witt Eltern, mit ihren Kindern in einen Modellbauladen zu gehen. Dort seien die Verkäufer geschult und würden dabei helfen, genau das zu kaufen, was den eigenen Fähigkeiten und Wünschen entspricht.

Witt sieht im Modellflug an sich trotz der Kritik an dem Umgang mit Drohnen große Vorteile. Durch das Fliegen lernen Kinder besser, Höhen, Geschwindigkeiten und Entfernungen einzuschätzen und trainieren ihre motorischen Fähigkeiten, sagt er. Er selbst fliegt seit 25 Jahren Hubschrauber, Flugzeuge und Drohnen – letztere sind ihm aber „zu langweilig“.

von Tobias Kunz