Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 12 ° Gewitter

Navigation:
Drohnen-Thommy trifft Alpen-Taliban

Simone Solga beim Kabarettherbst Drohnen-Thommy trifft Alpen-Taliban

So muss politisches Kabarett sein: knallhart, urkomisch, gnadenlos, bitterböse. Die Zuschauer feierten Simone Solga am Mittwoch im KFZ.

Voriger Artikel
Fischbach geht - und bleibt Ehrenpräsident
Nächster Artikel
Brutaler und nachdenklicher Thriller

Die berühmte Merkelraute beherrscht sie natürlich auch: Simone Solga, eine der wenigen politischen Kabarettistinnen, begeisterte im KF/.Foto: Bettina Preussner

Marburg. „Schöne Grüße von der Kanzlerin!“ Mit Unschuldsmine trat Simone Solga auf die Bühne, aber es dauerte nicht lange, da teilte sie schon kräftig aus. Nach allen Seiten, ohne Ausnahme. Dabei bewies die Kabarettistin, dass sie zu den absoluten Könnern ihrer Zunft gehört: Die Tinte auf dem Berliner Koalitionsvertrag war noch nicht trocken, da fing sie schon an zu lästern. Der Vertrag sei ja voll von „erneuerbaren Versprechungen“, denen man nicht über den Weg trauen könne. Und: es sei doch gut, dass man den Verzicht auf Atomwaffen innerhalb der Koalition gleich mit hinein geschrieben habe, so bleibe es wenigstens friedlich.

Im Programm der „Kanzlersouffleuse“ Simone Solga folgte nun Pointe auf Pointe, ein wahrer Pointenhagel ging hernieder, ein Feuerwerk der Gags in wildem Stakkato. Zu allererst zog sie natürlich Angela Merkel durch den Kakao. „Wenn die Merkel doch mehr Rückgrat hätte als Raute“, seufzte die Kabarettistin, dann würde sie sich bei Obama über die Abhöraktion beschweren. So gäbe es jetzt bald ihre Telefongespräche als Hörbuch zu Weihnachten.

Auch die Parteien bekamen ihr Fett weg, eine wie die andere, ausnahmslos. Die Grünen seien ja bloß ein Haufen „Ex-Revoluzzer“, die in der Senioren-Residenz „Rudi Dutschke“ Sitzblockaden anzettelten, und die SPD habe die Armut durch ihre Hartz-IV-Beschlüsse erst möglich gemacht. Die Regierung sei ja nur eine Truppe „trüber Energie-Sparlampen“ und die CDU-Leute holten ihre Ideen regelmäßig aus dem „Gedanken-Gefrierfach“.

Mit den Politikern ging Simone Solga auch nicht gerade zimperlich um. Verteidigungsminister Thomas de Maiziere wurde als „Drohnen-Thommy“ tituliert, der inzwischen selbst eine Drohne sei, ferngesteuert von Angela Merkel. Horst Seehofer sei ein echter Wendehals, in Wirklichkeit aber ein „weißblauer Alpen-Taliban“. Was noch? Beim Posten-Geschacher in Berlin habe man sich jetzt eine neue Methode einfallen lassen: „Die Posten werden gewichtelt.“

Die Zuschauer im KFZ konnten kaum Luft holen vor lauter Lachen. Nichts und niemand war sicher vor Simone Solgas scharfer Zunge: Sie nahm sich das desaströse Gesundheitssystem ebenso vor wie das miese Fernsehprogramm, die Steuererhöhungen und das Bildungssystem. Dabei warf sie all ihre Talente in die Waagschale: Sie sang hervorragend und parodierte Angela Merkel absolut treffend mit Merkelraute, Lispelsprache und unschuldigem Augenaufschlag.

Am Schluss gab es stürmischen Beifall für die Künstlerin, die bereits in der Leipziger Pfeffermühle und der Münchner Lach- und Schießgesellschaft gespielt hat. Als Zugabe sang sie einen flotten Tango und landete, sehr zur Freude des Publikums, auf dem Schoß eines Zuschauers in der ersten Reihe. Der nahm es, was sollte er auch tun, mit viel Humor.

von Bettina Preussner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg