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Marburg Neue Straße, neue Parkprobleme?
Marburg Neue Straße, neue Parkprobleme?
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00:19 03.12.2018
Vertreter von Magistrat, Bauamt, der Stadtwerke, des Cappeler Ortsbeirats und der ausführenden Firmen weihten gemeinsam mit Anwohnern und ansässigen Einzelhändlern die erneuerte Marburger Straße ein. Quelle: Ina Tannert
Cappel

Seit August 2016 wurde auf der Marburger Straße gearbeitet, Asphalt aufgerissen, neu verlegt und aufgebaut. Ein Geduldsspiel für Anwohner, Passanten und Einzelhändler, die sich mit Lärm, Baustellendreck, Sperrungen und Kundenschwund konfrontiert sahen. „Wir danken den Anwohnern und Händlern für ihre Geduld“, betonte Bürgermeister und Baudezernent Wieland Stötzel daher während einer Eröffnungsfeier.

Die lange Bauphase sei ein Stressfaktor für alle Beteiligten gewesen, dabei „schneller gelaufen als gedacht“, berichtete Stötzel. Es sei zu keinen Verzögerungen gekommen, obwohl am Ende noch ein weiterer kleiner Bauabschnitt in Richtung Cappeler Markt hinzukam. Das Ergebnis könne sich „sehen lassen“.

Insgesamt 28 Monate dauerte die Erneuerung des Streckenabschnitts der viel befahrenen Verkehrsader von Cappel, zwischen den Einmündungen Schubertstraße und Moischter Straße. Auf rund einem Kilometer Länge wurde die Straße aufgerissen und neu aufgebaut, musste strecken- und zeitweise gesperrt werden.

Dauerparken ist tabu

In mehreren Bauabschnitten verlegten die Stadtwerke neue Kanäle, mitsamt 100 zusätzlichen Hausanschlüssen an die Kanalisation, Wasser- und Stromleitungen, zum Teil Gasleitungen und flächendeckend 1,5 Kilometer Leerrohre sowie acht Kilometer Glasfaserleitung für schnelles Internet auf dem neuesten Stand der Technik „mit Riesenbandbreite“, lobte Stadtwerke-Geschäftführer Dr. Bernhard Müller.

Die Straßenbreite beträgt auf dem sanierten Teil fast durchgehend sechs Meter, die Gehwege wurden beidseits auf 1,5 Meter Breite ausgebaut. Auf beiden Seiten wurden Parkplätze für Kurzzeitparker angelegt. Darin sehen mehrere Anwohner nun neue Probleme bei der Parkplatzsuche: Denn geparkt werden darf vor den Geschäften im neu gestalteten Parkraum nur auf Zeit und mit Parkscheibe, nicht mehr als Dauerparker.

Anwohner zahlen ein Viertel des Umbaus

Ein Gewinn für den Einzelhandel, ein Verlust für Anwohner, von denen mancher die Gelegenheit nutzte, bei der Stadtspitze auf das Problem hinzuweisen. „Es ist wirklich schön, dass es so viele Geschäfte hier gibt, aber wo sollen wir als Anwohner denn nun parken? Darüber wurde nicht nachgedacht“, bemängelte etwa Wintraut Koppmann. Das konnte auch der Bürgermeister „nicht auf die Schnelle“ beantworten. Der Ortsbeirat will das Thema nun aufgreifen.

An den Kosten der grundhaften Erneuerung und Umgestaltung der Marburger Straße beteiligten sich ebenfalls die Anwohner beziehungsweise Hauseigen­tümer, die auf der rund ein Kilometer langen Strecke Grund besitzen. Wie die Pressestelle der Stadt mitteilt, betragen die Straßenbeiträge nach den Vorgaben des kommunalen Abgabengesetzes 50 Prozent der umlagefähigen Kosten. Also die Hälfte der 2,5 Millionen Euro, welche aufseiten der Stadt für das Bauprojekt anfallen. Die Stadtwerke übernehmen rund 2,4 Millionen Euro.

Finanzspritze aus Wiesbaden bringt knapp 740.000 Euro

Insgesamt kostete die Straßenerneuerung etwa 4,9 Millionen Euro. Im Beitrag der Stadt enthalten ist dabei ein Landeszuschuss in Höhe von 737.600 Euro. Die Finanzspritze aus Hessen hatte keine Auswirkungen auf den Anteil der Anwohner. Das bemängelten einige Cappeler im Gespräch mit der OP, die nach eigenen Angaben teils vier- oder auch fünfstellige Summen aufbringen mussten. „Wir mussten einen Kredit aufnehmen, anders war das nicht zu stemmen“, berichtete ein Anwohner. Mancher Grundbesitzer kritisiert dabei, dass dies gerade für die Marburger Straße, als Hauptdurchgangsstraße des Stadtteils notwendig war und dass die Stadt generell an der Erhebung festhalte.

Ob Straßenbeiträge erhoben werden, entscheiden nach einem entsprechenden Beschluss des Landtags die Kommunen mittlerweile eigenständig. Seitdem diskutieren verschiedene Städte und Gemeinden über eine Abschaffung. Gegen Straßenbeiträge hatte sich zuletzt etwa die Stadt Gießen entschieden. Marburg lehnt dies aus finanziellen Gründen ab.     

von Ina Tannert