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Dringend gesucht: neue Geschäftsmodelle

Frankfurter Buchmesse Dringend gesucht: neue Geschäftsmodelle

Andere Geschäftsmodelle und neue Autoren: Das sucht die Frankfurter Buchmesse. Ein Beispiel für den Wandel der Branche ist der im Internet entstandene Mega-Sexseller «Shades of Grey».

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Bücher über Bücher: Eine Besucherin greift sich auf der Buchmesse 2011 in Frankfurt am Stand des Droemer Knaur-Verlags ein Buch. Foto: Arne Dedert

Quelle: Arne Dedert

Frankfurt. Vom „Urknall“ sprechen die PR-Strategen der Frankfurter Buchmesse derzeit gerne. Das klingt nach neuen Welten. Doch der digitale Umbruch erschüttert die Branche bis in die Grundfesten. Gängige Geschäftsmodelle gelten plötzlich nicht mehr - und der deutsche Buchmarkt schrumpft in diesem Jahr weiter. Die weltweite Leitmesse ist dagegen optimistisch. Mit rund 7300 Ausstellern aus mehr als 100 Ländern will die Schau vom 10. bis 14. Oktober ans Vorjahresniveau anknüpfen. Schließlich sieht sie sich nicht als Hüterin des gedruckten Buchs, sondern als „Startrampe“ für Veränderungen. Es geht um Inhalte - egal ob im Buch oder im Netz, im Film oder als Computerspiel.

In der globalisierten Lesewelt gibt es neue magische Wörter wie Crowdfunding - Schwarmfinanzierung. Der Autor lässt sich sein Projekt von seinen Lesern oder Nutzern im Internet finanzieren. Oder Fanfiction: Fans spinnen unter Verwendung bekannter Figuren und Schauplätze ihre eigenen Geschichten im Netz weiter. Bei „Harry Potter“ haben das Hunderttausende im Netz gemacht.

Auch die Sex-Trilogie „Shades of Grey“ ist in Anlehnung an die Vampir-Saga „Twilight“ von Stephenie Meyer entstanden. Ihren Sado-Maso-Megaseller hatte die britische Autorin E.L. James, die eigentlich Erika Leonhard heißt, ursprünglich für eine Fan-Seite im Internet konzipiert.

James ist ein gutes Beispiel für den Wandel des Buchmarkts im Internet-Zeitalter. Für den Erfolg ihrer Unterwerfungsfantasien lässt sich die Britin auf der Buchmesse von ihrem deutschen Verlag feiern. Damit soll zugleich der Verkauf des letzten Teils der Trilogie, der am 24. Oktober in den deutschen Handel kommt, angekurbelt werden.

Arnold Schwarzenegger wiederum rührt die Werbetrommel für seine Autobiografie, die weltweit am 4. Oktober erschienen ist. Auch viele deutsche Promis stellen ihre Werke vor.

Es gibt aber auch ganz große Namen der klassischen Erzählkunst in Frankfurt: Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, Altmeister Martin Walser oder der große amerikanische Romancier Richard Ford stellen ihre neuen Bücher vor. Weitere bekannte Autoren sind Martin Suter, Rolf Dobelli, Donna Leon, Cees Nooteboom oder der US-Kinderbuchautor Jeff Kinney. Mit Jussi Adler-Olsen, Hakan Nesser, Martin Walker, Ingrid Noll und Nele Neuhaus ist die Krimi-Bestsellergarde vertreten. Auch der Berliner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky, der mit seinem umstrittenen Integrationsbuch „Neukölln ist überall“ einen Bestseller gelandet hat, wird erwartet.

Insgesamt fast 1000 Schriftsteller reisen an. 3000 Veranstaltungen und Lesungen gibt es auf der und rund um die Messe. Sie wird trotz des digitalen Hypes weiterhin von den klassischen Büchern geprägt, denn trotz starker Zuwachsraten ist der Anteil der E-Books immer noch gering.

Einen Schwerpunkt setzt die Messe dieses Jahr bei Kinder- und Jugendbüchern. Auch hier hat man den Markt im Auge: „Ein Brennglas auf innovative Entwicklungen“, nennt Buchmessen-Direktor Juergen Boos den Bereich. Nirgendwo seien gedruckte und digitale Medien enger verknüpft. Multimediale pädagogische Anwendungen werden für Heranwachsende immer wichtiger, genauso wie die Verknüpfung von Autor und Lesern oder das gemeinschaftliche Lesen in Internet-Foren.

Der Eurokrise kann sich auch die Messe nicht ganz entziehen. Aus den Krisenländern Italien und Spanien und auch aus Osteuropa sind viele Verleger unter Gemeinschaftsstände geflüchtet, die von den Regierungen bezahlt werden. Die Lücken in den Hallen konnten nach Angaben der Messe jedoch zum Beispiel durch Technologieanbieter geschlossen werden.

Neben der wachsenden Präsenz der aufstrebenden Industriestaaten China, Indien und Brasilien sind die USA und Großbritannien unvermindert stark vertreten. Sie stellen in Frankfurt traditionell hinter Deutschland die stärksten Ausstellerkontingente. Mit Neuseeland kommt der Ehrengast dieses Jahr ebenfalls aus der angelsächsischen Welt. Das Land, für uns immer noch weitgehend ein weißer Fleck in der literarischen Landschaft, schickt knapp 70 Schriftsteller und 100 Künstler zur Buchmesse.

von Thomas Maier

Hintergrund

Heimische Unternehmen auf der Messe

Bei der weltgrößten Buchmesse in Frankfurt sind auch acht Marburger Unternehmen und Organisationen mit eigenen Ständen vertreten: In Halle 4.1 präsentieren sich die Bundesvereinigung Lebenshilfe präsentiert sich in Halle 4.1, das Deutsche Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Marburg und der Jonas-Verlag. In Halle 4.0 sind Mediakontakt Laumer und das Unternehmen www.buch-pr.de zu finden.

Der Schüren-Verlag, Schüren Media und der Tectum-Verlag präsentieren ihre Produkte in Halle 3.1

Daten zur Messe

Erwartete Aussteller: rund 7300 aus mehr als 100 Ländern.

Ausstellungsfläche: rund 169000 Quadratmeter.

Erwartete Besucher: rund 300000

Ehrengast: Neuseeland

Öffnungszeiten: 10. bis 12. Oktober für Fachbesucher, 13. und 14. Oktober für das allgemeine Publikum, geöffnet 9 bis 18.30 Uhr (13. Oktober), 9 bis 17.30 Uhr (14. Oktober).

Eintritt: 16 Euro (Privatbesucher) 10 Euro (Schüler)

OP-Beilage

In der Mittwochsausgabe (10. Oktober) liegt der OP das 36-seitige Buchmagazin „Lesen“ bei – mit Beiträgen über den Marburger „Dr. House“ . Professor Jürgen Schäfer hat ein neues Buch geschrieben und es „House-Medizin“ betitelt. Zudem stellen wird das Kinderbuch-Debüt „Friede um Mitternacht“ des Schönstädters Malte-Ulrich Bau vor. Darüber hinaus enthält die Beilage Berichte über jede Menge Neuerscheinungen.

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