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Marburg Drei Studenten für ein Stück
Marburg Drei Studenten für ein Stück
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16:49 06.06.2014
Philip Krause (von links), Maik Dessauer und Alexander Debney überzeugten mit ihrem Theaterprojekts „MAP“ Foto: Benjamin Kaiser
Marburg

Der Roman „Er ist wieder da“ von Timur Vermes hat es gezeigt: Die komödiantische Auseinandersetzung mit Adolf Hitler kann ein Erfolgsrezept sein. Ein ähnliches Rezept nutzt das Stück „Hitler, Heuchler, Hamsterräder“ der Theatergruppe „MAP“, das am Dienstagabend vor 130 Zuschauern in der Waggonhalle Premiere feierte.

Drei Schauspieler in einem Raum. Die drei Männer warten auf den Moderator einer Show, in der sie über Adolf Hitler als Bühnenrolle sprechen sollen. Ein Mann, scheinbar älter und gebrechlicher als die anderen Anwesenden, zeigt seine Ungeduld, indem er ständig mit der Handfläche auf die Tischplatte klopft - wie das Ticken einer Uhr. Die beiden anderen sitzen auf Gymnastikbällen. Nicht die Talkshow, sondern die Kollision verschiedener Auffassungen von Schauspiel und Theatertheorie sowie die Psyche von Schauspielern sind Themen des Stücks.

Das Stück ist die erste und wohl letzte Aufführung der „MAP“. Die dreiköpfige Theatergruppe wurde eigens für diese Darbietung gegründet und besteht aus den Studenten Alexander Debney, Philip Krause und Maik Dessauer, die in naher Zukunft Marburg verlassen werden, um sich dem Berufsleben oder einem weiterführenden Studium zu widmen. Krause und Dessauer haben bereits zusammen beim „betreff: theater“ gespielt. „Philip und mir war klar, dass wir noch etwas Eigenes zusammen machen wollen, bevor wir Marburg verlassen“, erklärt Maik Dessauer. „In der Uni habe ich Alex kennengelernt und wir haben uns im März an die Vorbereitungen gemacht.“ Eine kurze Produktionszeit mit beeindruckendem Ergebnis.

Alle drei Akteure überzeugen auf ganzer Linie und verkörpern die unterschiedlichen Schauspielertypen exzellent: Der betagte und für das Repräsentationstheater stehende Konservative (Philip Krause), der junge Verfechter des Postdramatischen Theaters (Maik Dessauer) und der heuchlerische Opportunist (Alexander Debney), der nur auf Erfolg aus ist. Es ist dieser Mix, der in den 60 Minuten Spielzeit einige herrliche Mono- und Dialoge erzeugt, die die Lachmuskeln beanspruchen.

In der letzten Szene nehmen die Darsteller die gleichen Positionen ein wie am Anfang der Darbietung. Diese Wiederholung legt den Schluss nahe, dass die Diskussionen der vergangenen Stunde nichts gelöst haben. Das Hamsterrad hat sich zwar einige Male gedreht, aber letztlich haben sich die Charaktere und ihre Meinungen nicht gewandelt - alles bleibt beim Alten. „Ich denke, es ist ein nihilistisches Stück. Es verneint, dass es für Kleinkunst eine richtige oder falsche Art und Weise gibt“, meint Krause.

Abgesehen von Tisch und Stuhl sind die beiden Gymnastikbälle die einzigen Requisiten. Man kommt nicht umhin, sich bei den Bällen an eine klinische Einrichtung erinnert zu fühlen. Passend, da Schauspiel immer auch ein wenig Selbsttherapie ist.

Wer die Premiere verpasst hat, kann das Stück am 4., 5. und 6. Juni sowie am 21. und 22. Juni erneut in der Waggonhalle sehen.

von Benjamin Kaiser

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