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Marburg Mann misshandelt elf Monate alten Jungen
Marburg Mann misshandelt elf Monate alten Jungen
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00:18 30.11.2018
Symbolfoto zu Gerichtsverhandlung. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Leugnen war für den heute in Darmstadt lebenden Mann zwecklos, da er seine im Zeitraum vom 23. Februar bis 23. März 2011 begangenen Taten mit einem Handy gefilmt hatte. Die Misshandlungen an einem kleinen, damals elf Monate alten Jungen, der mit dem Down-Syndrom zur Welt kam, wurden erst jetzt im Zusammenhang mit seinem Scheidungsprozess durch seine Ex-Frau öffentlich. Die wiederum hatte die Quälereien sowie 49 Screenshots, die auf das Anschauen von Kinderpornos hindeuten, auf dem iPad des Angeklagten gefunden.

Zu den Taten selbst nahm nur seine Rechtsanwältin Ute Mannebach-Junge Stellung. Er hatte den kleinen Jungen in die Lippe gekniffen, mehrfach geohrfeigt, ihm seine Finger in den Mund gesteckt und einmal sogar versucht, einen Mundknebel einzuführen, hieß es laut Anklage.

Die Mutter des Jungen war zum Zeitpunkt der Taten jeweils außer Haus und hatte bis zur Scheidung vor etwa einem Jahr keine Ahnung, was ihr damaliger Freund mit ihrem Kind anstellte. Dies sagte sie als Zeugin vor dem Schöffengericht aus, ohne den Angeklagten eines ­Blickes zu würdigen.

Mutter lernte Angeklagten auf Fetischparty kennen

Sie musste mehrfach mit ihren­ Gefühlen kämpfen und sagte, sie hoffe, dass die damaligen Misshandlungen keine Auswirkungen auf das weitere Leben des Kindes haben werden.
Sie berichtete, dass sie den ­Angeklagten bei einer Sado-­Maso-Fetischparty in Offenbach kennengelernt hatte.­ Seine Vorstellung von einem ­polygamen Leben mit mehreren Frauen sei nicht ihre Sache, weswegen sie sich schnell wieder von ihm getrennt habe.

Von seinen Eltern sei er geschlagen worden und habe ­wenig Aufmerksamkeit erhalten, sie hätten nie Zeit für ihn gehabt, hieß es im Bericht aus dem Leben des Angeklagten. Seine berufliche Belastung als erfolgreicher Basketballtrainer habe schließlich sogar zu so etwas wie einem Burnout geführt, und er habe seine Tätigkeit einstellen müssen. All das erklärte­ aber nur unzulänglich die ­Taten. Er habe viele Pornos konsumiert, gab der Angeklagte schließlich zu.

Täter seit einem Jahr in psychiatrischer Behandlung

„Ich verstehe nicht, warum ich das getan habe“, sagte er. „Ich bin niemand, der einem Kind etwas zuleide tut.“ Jetzt befinde er sich seit einem Jahr in psychiatrischer Behandlung, was er mit einem Dokument belegte.
Angewidert betrachteten ­Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigerin eines der sechs Videos mit den Quälereien, zu denen ein Gutachter genaue Angaben machte, mit welchem
iPhone zu welcher Zeit die Aufnahme gemacht wurde.

Dass der Angeklagte nur eine­ Vorstrafe wegen Fahrens ohne­ Fahrerlaubnis hatte, sprach ebenso für ihn, wie der Versuch, einen Täter-Opfer-Ausgleich anzustreben. Dennoch forderte der Staatsanwalt drei Jahre Haft. Die Nebenklage des Jungen sah nichts Entlastendes und forderte vier Jahre.

„Es ist das Widerwärtigste, was in diesem Gerichtssaal unter meinem Vorsitz bisher verhandelt wurde“, sagte Richter Dominik Best bei der Urteilsverkündung.
Das Gericht schloss sich voll umfänglich dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an.

von Heinz-Dieter Henkel