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Drei Ensembles loten Grenzen aus

Konzert in Wetter Drei Ensembles loten Grenzen aus

Geistliche und weltliche, ernste und heitere Musik: Einen musikalischen „Grenzgang“ boten Sänger, Streicher und Blechbläser am Wochenende rund 160 Zuhörern in der Stiftskirche Wetter.

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Auf dem Foto sind die Kantorei der Stiftskirche Wetter und das Kammerorchester Lahn zu sehen, die gemeinsam mit dem Posaunenchor Wetter-Todenhausen musizierten.Foto: Simone Schwalm

Wetter. Drei sehr unterschiedliche Ensembles haben Wetters Kantor Klaus-Jürgen Höfer und Marc Multhaupt zusammengebracht: Die Kantorei der Stiftskirche Wetter, das Kammerorchester Lahn und der Posaunenchor Wetter-Todenhausen haben sich am Sonntagabend auf einen musikalischen „Grenzgang“ mit Werken aus fünf Jahrhunderten begeben. Zunächst drangen die Stimmen der Kantorei ganz leise aus dem Verborgenen ins Kirchenschiff. Mit „Laudate omnes gentes“ stimmten die Sänger ihr Publikum auf die besondere Atmosphäre des Konzerts ein.

Der Gesang der Frauen und Männer schwoll immer mehr an, als sie vor die 160 Zuhörer traten. Nacheinander setzten auch die Musiker des Kammerorchesters Lahn und des Posaunenchors Wetter-Todenhausen ein bis alle zusammen das Auftaktlied spielten und sangen.

Bereits der erste gemeinsame Auftritt der drei Gruppen legte den Maßstab für das musikalisch hohe Niveau des Abends fest. Die Gäste wurden nicht enttäuscht: Mit sämtlichen Stücken bewiesen die Ensembles ihre Qualität und überzeugten mit der Überschreitung der Gruppengrenzen.

„Wir wollen uns nicht nur allein präsentieren, sondern unsere Möglichkeiten gemeinsam ausloten“, erklärte Kantor Klaus-Jürgen Höfer. Die Möglichkeiten umfassten dabei fünf Jahrhunderte. Die Musiker und Sänger präsentierten ein abwechslungsreiches Programm: Werke vom 16. Jahrhundert bis heute, mal leicht und beschwingt, mal getragen und feierlich, zum einen aus dem weltlichen, zum anderen aus dem geistlichen Musikbereich.

Interessant waren auch die vielen Positionswechsel in der wunderschönen Kirche: Mal traten Musiker und Sänger in den Gängen auf, mal musizierten sie von der Empore oder von verborgenen Winkeln aus. War zunächst mit dem „Konzert für Fagott und Orchester e-Moll“ von Antonio Vivaldi ein feierlicher Höhepunkt erreicht, gab es bei der „Vogelhochzeit“ von Dieter Wellmann etwas zu lachen.

Als Solist beeindruckte Symeon Rizopoulos die Zuhörer mit seinem Fagott-Spiel. In Begleitung des Kammerorchesters holte er die beeindruckende Atmosphäre eines Klassikkonzerts in die Stiftskirche. Der Chor punktete mit seiner heiteren Interpretation der „Vogelhochzeit“, bei der sich zwei Sängerinnen mit Zylinder und Schleier als Brautpaar verkleideten. Als das Publikum trotzdem noch nicht so recht in die erste Strophe einstimmen wollte, ließ Höfer sie noch einmal wiederholen - und lauter, heiterer Gesang erfüllte das Kirchenschiff.

Die Bläser boten sogar eine Uraufführung. Unter der Leitung von Marc Multhaupt spielten sie „Intrade“ von Ralf Bölting, eine Auftragskomposition, die „melodisch, griffig und formal übersichtlich“ sein sollte, wie Multhaupt den Komponisten zitierte.

Dass musikalische Grenzen überschritten wurden, blieb beinah unbemerkt. Denn die verschiedenen Stücke gingen so harmonisch ineinander über und die Musiker und Sänger agierten so professionell aufeinander abgestimmt, dass die Programmpunkte ein Konzert bildeten, das vielmehr eine große Einheit war.

von Simone Schwalm

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