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Marburg Doppel-Ortsumgehung im Westen?
Marburg Doppel-Ortsumgehung im Westen?
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00:18 09.11.2018
(Symbolfoto) Wenn neue Wohngebiete geschaffen werden, braucht es auch neue Straßen, argumentiert die SPD in Marburg. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Zwischen Dagobertshausen und Elnhausen sowie zwischen Hermershausen und Haddamshausen sollen Umgehungsstraßen gebaut werden. Der „Allnatalweg“, den die in der Universitätsstadt ­regierungsführenden Sozialdemokraten vorschlagen, würde rund sechs Kilometer lang sein und abseits der weiter westlich liegenden Fauna-Flora-Habitat-Gebiete liegen. Erste planerische und rechtliche Hürden sollen zunächst über eine Machbarkeitsstudie innerhalb des nächsten Jahres bewältigt werden. Grund: Bei dessen Neuaufstellung soll die Westumfahrung Eingang in den Regionalplan Mittelhessen finden.

„Mit kleinen Eingriffen könnte so die maximale Problemlösung für die ganze Stadt ­gelingen“, sagt Matthias Simon, SPD-Fraktionschef in der Stadtverordnetenversammlung. Angesichts der in den kommenden Jahren bevorstehenden Expansion sowohl der Behringwerke-Firmen als auch Wohngebiete – also Oberer Rotenberg in der Marbach als auch Hasenkopf in Ockerhausen – sei es „notwendig, effektive Lösungen für die ganz sicher auch begleitend zum Bewohner- und Wirtschaftswachstum kommende Verkehrszunahme zu finden“.

„Wenn es Wohnungsbau und Wirtschaftsförderung gibt, man die Abwanderung von Bewohnern wie von Unternehmen verhindern will, darf man bei der Verkehrsfrage nicht stillstehen“, sagt Steffen Rink, SPD-Stadtverordneter aus Elnhausen. ­Eine solche Stadtentwicklung habe Konsequenzen, aber bei neuen­ Voraussetzungen wie Bewohneranstieg und Wirtschaftswachstum, sei die Doppel-Ortsumgehung die „gesamtstädtisch optimale Lösung“. Die Umfahrungen von Dagobertshausen und Elnhausen, die Abkürzung bei Hermershausen und der ­Bogen um Haddamshausen böten die Chance, „nicht nur den Mehrverkehr rund um die neuen Wohngebiete und in Nordstadt sowie Innenstadt zu vermeiden, sondern auch den bereits durch die Außenstadtteile fließenden Verkehr wieder herauszunehmen“, ergänzt Fabio Longo, SPD-Stadtverordneter.

Angesichts der Tatsache, dass es sich um kurze Neubau-­Abschnitte handele, sei die Planungszeit laut der Stadtverordneten Sonja Sell für so ein Projekt deutlich kürzer als etwa nahe­
Wetter oder Niederweimar.

Die SPD greift mit der Westumgehung die Forderung der Ketzerbachgesellschaft für den Bau eines „Marburger Rings“ auf. Hintergrund ist der seit Jahren steigende Auto- und Lkw-Verkehr zwischen Bahnhofstraße, Ketzerbach, Marbacher Weg und Emil-von-Behring-Straße. Der Vorschlag eines „Marburger Rings“, von Straßenbau zwischen den Bundesstraßen ist zuletzt von der „BI Rettet den Wollenberg“ abgelehnt worden.

„Wir greifen den Vorschlag aus der Bürgerschaft auf, weil wir das für ein sinnvolles und realistisches Vorhaben halten“, sagt hingegen Kirsten Dinnebier in ihrer Funktion als SPD-Vorsitzende. Vor jeder faktischen Umsetzung müsse und werde es Bürgerbeteiligung, speziell in den Außenstadtteilen geben.

Zudem will die SPD neue Radwege etwa über Wehrda und Ockershausen zum Pharmastandort bauen. Ziel: Über ­direkte Wege und der seit Jahren wachsenden Zahl von Elektro-Fahrrädern sollen Autos als Pendlerfahrzeug abgelöst werden. Zudem soll der Nahverkehr, speziell die Anbindungen aus dem Landkreis verbessert werden. Dinnebier spricht von „aussichtsreichen Gesprächen“ was etwa die umstrittene Buslinien 14, die von Marburg bis Bahnhof Goßfelden fahren und dort Behringwerke-Mitarbeiter zum Standort bringen sollte. Rink: „Und trotzdem ist schlicht nicht alles über den ÖPNV, auch nicht über Radverkehr – wo noch mehr geht und gehen muss – abzufangen. Es braucht in Marburgs Westen einen zusätzlichen Straßenbau.“

Und so ein Vorhaben muss rechtlich ... abgestimmt werden. Regionalpläne wie der für Mittelhessen formulieren Ziele­ und Grundsätze für ein Gebiet für die nächsten 15 Jahre. Sie müssen jedoch innerhalb von acht Jahren nach Inkrafttreten an veränderte Verhältnisse angepasst werden; der aktuelle Regionalplan gilt seit 2010. Damit läuft seine Gültigkeit ziemlich zeitgleich ab, sobald das erste der beiden Neu-Wohngebiete in der Marbach oder am Stadtwald entstehen würde. Zudem rechnen Wirtschaftskenner damit, dass die Expansion der Pharmafirmen wie etwa CSL – die bei Goßfelden bauen – nicht abgeschlossen ist und der verbleibende Marburger Flächenvorrat rund um Görzhäuser Hof in diesem Zeitraum angefragt werden könnte.

von Björn Wisker