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„Sei fluschisch, wuschisch und weisch“

Buchshow „Sei fluschisch, wuschisch und weisch“

Ein Autor, dem seine Figuren längst entglitten sind, und eine Lesung, bei der das Lesen Nebensache ist – herzlich willkommen bei Dietrich Faber.

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Dietrich Faber mal solo, mal mit Sängerin Tess Wiley als „The Overhesse“ und mit Tim Potzas alias Django Bonanza.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Hessen zuerst. Der neue Vermieter von Ex-Kommissar Henning Bröhmann ist in einer Partei aktiv, die den Hexit will. Im beschaulichen Obermoos bildet sich eine Bürgerwehr. Und dann wird auch noch der Bürgermeister erschlagen. Das ist im Groben die Handlung des neuen Krimis von Dietrich Faber. Aber um die geht es eher am Rande, wenn der Autor zu einer Lesung einlädt. Die er wohlweislich nicht Lesung, sondern „Show zum Buch“ nennt. Natürlich wird auch gelesen. Aber wie!

Er habe sich immer bemüht, verschiedene Figuren lebendig werden zu lassen, erklärte Dietrich Faber am Freitagabend in der proppenvollen Waggonhalle. „Aber ich habe die Kontrolle verloren.“ Die eigentliche Hauptfigur – der ehemalige Kommissar Henning Bröhmann – sei inzwischen eifersüchtig, während Manni Kreutzer, der in den Büchern als Praktikant bei der Polizei begann und längst ein Eigenleben als Country-Musiker entwickelt hat, von sich selbst sagt: „Ich bin halt der Publikumsliebling.“ Für die Zuschauer bedeutet das einen überaus unterhaltsamen Abend. In der Waggonhalle waren größtenteils eingefleischte Fans.

Guthesse statt Wuthesse

Die bei der ersten Andeutung von Manni Kreutzers Erscheinen – Dietrich Faber legt Brille weg und Sakko ab, greift zum Cowboy-Hut und reißt die Augen auf – bereits johlen und bei seinen Liedern natürlich textsicher sind. An Mannis Seite: Tim Potzas alias Django Bonanza und Tess Wiley als „The Overhesse“.

Passend zum Thema des Krimis (und zwischen den Buchdeckeln stecke wirklich sehr viel mehr davon als es die Show vielleicht vermuten lässt, bekräftigt Dietrich Faber) ruft Manni dazu auf, Guthesse statt Wuthesse zu sein: „Sei fluschisch und wuschisch und weisch!“ Auch wenn er gar nicht sicher war, ob das überhaupt gehe, sei es ihm wichtig gewesen, das Thema trotz des grundsätzlich gewohnt humorvollen Buchs ernst zu nehmen, sagt Dietrich Faber.

Das hält den Autor und Kabarettisten natürlich nicht davon ab, die neuen Meerschweinchen der Familie Bröhmann Erdogan und Putin zu taufen. Was sich sonst so alles im Umfeld von Henning Bröhmann verändert hat (zum Beispiel, dass die Familie jetzt gemeinsam mit den Vermietern Rüdi und Gisa in einer alten Hofreite wohnt) erklärt Dietrich Faber all jenen, die das neue Buch noch nicht gelesen haben. Wobei – in Marburg? Universitätsstadt? Stadt der Denker und Dingsbums? Da ist man doch natürlich vorne.

Eine Duftmarke in der Oper

Auf seine Umgebung geht Faber gewohnt souverän ein. „Ich dachte schon, es wäre mein Herzschrittmacher“, kommentiert er ein Handy im Publikum.
Wie souverän Dietrich Faber die Charaktere seiner Figuren auf die Bühne bringt und wie viel Spaß es macht, ihm dabei zuzusehen und zuzuhören, das ist ein echtes Phänomen. Auch wenn Manni behauptet, es sei ein Kraftakt, „wenn der Faber wieder mal die Stimmung in den Keller gelesen hat“. Nach zweimal 50 Minuten ist gar nichts im Keller. „Es war spitze und die Kiemen tun uns vom Lachen weh“, war aus dem Publikum zu vernehmen. Aber das ist nicht genug für Dietrich Faber.

Er möchte als Künstler ernster genommen werden, jawohl. Auch im Feuilleton vorkommen. Also hat er sich vorgenommen, im Bereich der Oper eine Duftmarke zu setzen. Indem er die große Oper in kleine, alltägliche Probleme packt. Wie gut, dass er in seinem Kurs auf Elizabeth Wiley traf – Tess Wiley mit Hochsteckfrisur und kleinem Geblümten. Gemeinsam geben die beiden eine hinreißende Ikea-Arie als Zugabe. Den Schlusspunkt setzt dann aber natürlich Manni Kreutzer.

Wer all das verpasst hat, bekommt bei der Zusatz-Show am 29. Dezember Gelegenheit, Manni, Bröhmann, Faber und „Hessen zuerst“ noch einmal in der Waggonhalle zu erleben.

von Nadja Schwarzwäller

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