Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Die mit dem Wolf tanzen

Walter "Wolfman" Washington im KFZ Die mit dem Wolf tanzen

Dreieinhalb Stunden Blues und Funk-Feuerwerk erster Güte: Walter „Wolfman“ Washington and the Roadmasters bescherten den Fans am Freitag im KFZ einen extra heißen Tanzabend.

Voriger Artikel
Vom Leben in einer Glücks-Region
Nächster Artikel
Grandioser Start in die Adventskonzerte

Der Mann hat den Blues: Walter „Wolfman“ Washington, eine Musik-Ikone aus New Orleans, gastierte mit seinen Roadmasters im KFZ.Foto: Jan Bosch

Quelle: Jan Bosch - www.janbosch.de

Marburg. Einsam ist er nicht, aber er heult trotzdem gerne. Vielleicht, weil er den Blues genauso gut findet, wie die Zuschauer im KFZ, denn die haben auch immer wieder sein heulen erwidert. Und viel getanzt.

Seit Ende der Neunziger ist es ruhiger um ihn geworden. Aber, der Wolf ist zurück! Immerhin wird der gute Mann in drei Wochen 70 Jahre alt. Davon hat er knapp 50 auf der Bühne gestanden. Walter „Wolfman“ Washington and the Roadmasters heizen den Bluesfans richtig ein.

Eine raue und tiefe Stimme, dazu der warme, klare Blues-Sound einer halbakustischen Gibson. Wolfman Washington ist eine Ikone, seine Mischung aus Rhythm ’n’ Blues, Funk und New Orleans-Jazz lässt auch nach einem halben Jahrhundert kein Bein still stehen. Der Name des aktuellen Albums „Doin‘ the funky thing“ ist vom ersten Akkord an Programm. Der Sound ist mitreißend, nach wenigen Minuten gibt es bei der Menge kein Halten mehr. Lässig leicht auf seinem Barhocker nach hinten gelehnt funkt der Wolfman los. Ein großartiger Gitarrist, dem Blues-Standards genauso leicht von den Fingern gehen, wie komplizierte Jazz-Soli. Woooooh - der Wolfman hat den Blues und wenn er heult, heult die Menge mit ihm.

Waschington stammt aus New Orleans, in dessen Clubs er auch heute noch allgegenwärtig ist. Er war der erste Musiker der Stadt, der nach dem großen Hurrikan Katrina in der legendären wiedereröffneten Maple Leaf Bar auftrat. Wolfman ist seiner Stadt und Musik stets treu geblieben. „Let‘s do some New Orleans-Tunes“ kündigt er an und schon startet auf Wayne Maureau‘s Snaer-Drum der treibende Beat der Marching Bands. Dazu drehen Saxophonist Jimmy Carpenter und Antonio Gambrelle mit der Trompete eine kleine Runde durch die feiernde und tanzende Menge.

Völlig beschwingt fliegt Wolfman bei „I‘m in love“ durch den Saal. Getragen von hellen Akkorden und nicht endenden Tonfolgen des Saxophons. Maureau untermauert mit Bossa-Rhythmen, an denen Stan Getz seine helle Freude gehabt hätte. Immer wieder wechselt Wolfman zwischen Solo- und Rhythmuseinlagen. Die Roadmasters sind eine perfekt harmonisierende Groove-Maschine. Akzentuierte Bläsersätze antworten abgehakten Funk-Akkorden, jede Menge phänomenaler Souleinlagen und Jack Cruz‘ Basslinien ergeben ein herausragendes Gesamtkunstwerk. Wolfman spielt nicht nur den Blues, er lebt ihn.

von Jan Bosch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg