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Die durchgeknallte Liebe zur Weisheit

Uraufführung am Landestheater Die durchgeknallte Liebe zur Weisheit

Der Titel klingt ziemlich sperrig: „Geburtlichkeit und Sein zum Tode” erlebte am Sonntag am Hessischen Landestheater Marburg seine Uraufführung.

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Christine Reinhardt ist strickende Zuhörerin, Oda Zuschneid die Kette rauchende Philosophin Hannah Arendt. Auf der Videoleinwand sind Szenen aus Marburg zu sehen.Foto: Ramon Haindl

Marburg. Es schneit, es wird Kette geraucht, es gibt Schnittchen, imaginäre Schwarzwaldgipfel werden erklommen, einer macht Langlauf, andere rollen im Rhönrad über die Bühne oder springen ekstatisch auf dem Trampolin. Dann stürzen, ersticken, ertrinken zwei im Sekundentakt und Heidegger ist ein Punk-Song. Im Hintergrund läuft ein Video, in dem bei einem Stadtrundgang durch Marburg immer wieder Gespenster auftauchen - die Geister der Geistesgrößen, die einst hier lebten und wirkten?

Das sind nur einige der abgedrehten Einfälle und Fundstücke des Ensembles von „Geburtlichkeit und Sein zum Tode”, das am Sonntagabend in der trotz des plötzlichen Sommereinbruchs gut gefüllten Black Box des Hessischen Landestheaters zur Uraufführung gebracht wurde.

Zu sehen und vor allem zu hören bekamen die Zuschauer neben einem bunten Strauß von Assoziationen zum Leben zweier Philosophen vor allem eins: eine amtliche Volldröhnung philosophischer Verschwurbeltheit, dargeboten von Johannes Hubert, Martin Maecker und Oda Zuschneid.

Die drei verkörpern die Philosophen Hannah Arendt und Martin Heidegger, daneben „Spiegel”-Gründer Rudolf Augstein und weitere Schreiber und Denker. Christine Reinhardt mischt als strickende Beobachterin und kritische Nachfragerin mit und auch Souffleur Bernd Kruse wird im Verlauf des Stücks mehr und mehr zum Mitspieler.

Die Regisseurin Fanny Brunner und Eva Bormann, Dramaturgin am Hessischen Landestheater, haben ein Stück entwickelt, dessen Text sich aus Interviews mit Heidegger und Arendt aus den 60er- und 70er-Jahren, Briefen und Auszügen aus ihren Werken zusammensetzt.

Dem Zuschauer fällt die knifflige Aufgabe zu, bei der schnellen Abfolge von nur lose miteinander verknüpften Szenen gedanklich mitzuhalten.

Dass ihm das - vor allem bei den ironisch überspitzt dargebotenen Heideggerschen Bandwurmsätzen - nicht immer gelingt, ist wohl eingeplant und schmälert die Freude beim Zuschauen im Übrigen nicht. Denn neben dem Klischee vom konfusen und abgehobenen Denker vermittelt sich vor allem eins: die Lust am Erkenntnisgewinn, die Leidenschaft für Philosophie - wörtlich übertragen für die „Liebe zur Weisheit”.

Die nächste Aufführung ist am Donnerstag, 24. Mai, um 19.30 Uhr in der Black Box des Hessischen Landestheaters im Theater am Schwanhof.

von Eva Zimmermann

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