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„Die Welt ist aus den Fugen geraten“

Lesung „Die Welt ist aus den Fugen geraten“

„Die neue Völkerwanderung“ heißt das aktuelle Buch von Bestsellerautor Dr. Asfa-Wossen Prinz Asserate. Am Sonntagmorgen war er zu Gast im Café Vetter.

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Afrika liegt ihm am Herzen: Dr. Asfa-Wossen Prinz Asserate im Café Vetter.Foto: Bettina Preussner

Marburg. „Ich freue mich sehr, wieder in Marburg zu sein“, sagte Dr. Asfa-Wossen Prinz Asserate und begann mit seinem spannenden, kenntnisreichen und beeindruckenden Vortrag über sein neues Buch.

„Auch ich war ein Flüchtling“, erzählte der Unternehmensberater, der aus Äthiopien stammt und der Großneffe des letzten Kaisers Haile Selassie ist. Im Jahre 1974 war er als Student in Deutschland gewesen, als es in seiner Heimat einen Umsturz gab. Seine gesamte Familie wurde inhaftiert, sein Vater wenig später ermordet. Er selbst war einer der ersten Äthiopier, die in Deutschland Asyl erhielten. Seitdem lebt und arbeitet Prinz Asserate in Deutschland.

„Die Welt ist aus den Fugen geraten“, erklärte der Autor. „65,3 Millionen Menschen sind auf der Flucht.“ Insbesondere in Afrika sei eine rasche Verbesserung der Lebenssituation nicht zu erwarten, fuhr er fort. Deshalb werde die Zahl der Menschen, die den Kontinent verließen und nach Europa gelangen wollten, weiter steigen.

Eine Ursache für die anhaltende Armut sei das hohe Bevölkerungswachstum, so der Prinz weiter. Ein weiterer Grund aber sei die nach seiner Ansicht „desaströse Landwirtschafts- und Handelspolitik“ der EU, die mit europäischen Billigprodukten den afrikanischen Markt überschwemme.

Als weiteres Problem nannte er die kostenlosen Lebensmittelhilfen an Afrika, die oft die heimische Landwirtschaft zerstörten. Auch flössen die Hilfsgelder oft in die Taschen der korrupten Eliten und kämen nicht bei der Bevölkerung an. „Unbestritten hat die Nothilfe aber auch Millionen Leben gerettet“, fügte er hinzu.

Der Autor forderte zuerst ein Ende der „fatalen Appeasement-Politik“ der EU gegenüber den korrupten Herrschern und Diktatoren in Afrika. „Regierungen, die das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit missachten und die Menschenrechte mit Füßen treten, verdienen keine Unterstützung!“ betonte er.

„Ich habe einen Alptraum“, erklärte Prinz Asserate weiter. „Wenn sich Millionen aus Afrika nach Europa aufmachen, was wird passieren? Es geht um uns alle.“ Es gebe nur einen Weg für Afrika und Europa, erläuterte der Referent, und das seien demokratischer Wandel und faire Handelsbeziehungen. In der anschließenden Diskussion, was zu tun sei, um die Lage in Afrika zu verbessern, forderte der Autor vor allem eine gemeinsame europäische Afrikapolitik unter neuen Vorzeichen.

Dr. Asfa-Wossen Prinz Asserate wurde 1948 in Addis Abbeba geboren. Sein 2003 erschienenes Buch „Manieren“, das sich mit deutschen Umgangsformen beschäftigt, wurde zum Bestseller. Seine Lebenserinnerungen schrieb er in dem Buch „Ein Prinz aus dem Hause David“ nieder. Der Autor und Afrikakenner wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, 2014 erhielt er auch den Marburger Literaturpreis.

von Bettina Preussner

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