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Marburg Die Suche nach dem Glück
Marburg Die Suche nach dem Glück
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17:10 21.08.2013
Pauline (Clémence Poésy), deren Eltern bei einem Autounfall gestorben sind, verhilft dem trauernden Witwer Matthew Morgan (Michael Caine) zu neuer Lebenslust.Foto: Senator Quelle: Senator Filmverleih
Marburg

Marburg. Der inzwischen 80-jährige Michael Caine übernimmt nach eigener Aussage nur noch dann eine Filmrolle, wenn er beim ersten Lesen des Drehbuchs vollends gepackt wird. Beim Studieren des Scripts von „Mr. Morgan’s Last Love“ habe er gedacht, dass dies eine der schönsten Rollen sei, die ihm je angeboten wurden. „Ich musste das spielen“, sagte er dazu.

Michael Caine verkörpert den hoch betagten Witwer Matthew Morgan. Der alte Professor aus den USA lebt allein in Paris. Die für ihn schönsten Momente sind eingebildete Gespräche mit seiner verstorbenen Frau Joan (Jane Alexander). Der Kontakt zu seinen in den USA lebenden Kindern (Gillian Anderson und Justin Kirk) ist minimal. Matt erwartet nichts mehr, nur den Tod. Da lernt er die Jahrzehnte jüngere Französin Pauline (Clémence Poésy) kennen. Die Freundschaft mit ihr schenkt ihm neue Lebenslust. Trotzdem kommt es zu einer Katastrophe.

Die in Pastellbildern von bezaubernder Schönheit erzählte Geschichte lebt vor allem von der Präsenz des zweifachen „Oscar“-Preisträgers Michael Caine. Man hat das Gefühl, er spielt nicht, sondern er ist Matt Morgan. Caine braucht keine großen Gesten und keine kräftige Mimik, um dessen Innerstes zu beleuchten. Mit kleinsten Mitteln, ganz sanft, offenbart er den Charakter des pensionierten Professors. Die Wahrhaftigkeit seiner Interpretation umschifft auch jede noch so kräftig drohende Klippe von Kitsch.

Mit Michael Caine agiert ein exzellentes Ensemble. Die Französin Clémence Poésy mutet als Tanzlehrerin Pauline ebenfalls absolut authentisch an. Die bei den Darstellern spürbare Selbstironie setzt schöne Akzente. Beide ergänzen sich im Spiel aufs wunderbarste. Die Freundschaft des Paares über den großen Altersunterschied hinweg und fern jeglicher sexuellen Begierde wirkt geradezu märchenhaft rein.

Die seit ihrer Komödie „Bella Martha“ auch international gefragte Regisseurin Sandra Nettelbeck hat für ihren Film den französischen Bestseller „Die letzte Liebe des Monsieur Armand“ von Françoise Dorner als Vorlage gewählt. Sie hat Handlung und Charaktere zum Teil stark verändert. Beispielsweise wurde aus dem französischen Pensionär im Buch für den Film ein US-Amerikaner. Die Veränderungen erweisen sich jedoch als sehr kinowirksam.

Wie in der Romanvorlage, so ist das Wesentliche auch im Film die Auseinandersetzung mit der Furcht vor Alter und Alleinsein. Da werden keine Patentrezepte verteilt. Doch es wird mit leichtem Erzählton klar gemacht, dass die Pflege von Freundschaften wesentlich zu einem guten Leben auch in späten Jahren beitragen kann. Dazu hat Sandra Nettelbeck von Françoise Dorner auch eine scharfe Absage an den gängigen Jugendwahn übernommen. Eindringlich wird gezeigt, dass jedes Alter seine Licht- und Schattenseiten hat und dass enge Beziehungen über Generationen hinweg Jung und Alt gleichermaßen bereichern.

Das feingeistige Spiel von Michael Caine, Clémence Poésy und den anderen Akteuren, die nie ins Sentimentale abgleitenden klugen Dialoge von Sandra Nettelbeck und die oft an impressionistische Gemälde erinnernden Bilder von Kameramann Michael Bertl machen die bittersüße Tragikomödie zu einem Ereignis für alle, die es gefühlvoll, aber nicht gefühlsduselig mögen.

Der Film läuft im Filmkunsttheater Atelier.

von Peter Claus

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