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Marburg Angespannte Raumsituation wird entschärft
Marburg Angespannte Raumsituation wird entschärft
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00:16 27.02.2019
In der Kita Elnhausen herrscht akute Raumnot. Anderthalb Jahre kämpft der Elternbeirat schon für eine Änderung. In diesem Jahr sollen nun 100.000 Euro investiert werden.  Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Seit fast anderthalb Jahren schon steht der Elternbeirat der Kindertagesstätte Elnhausen im Kontakt mit Stadträtin Kirsten Dinnebier. In der Einrichtung an der Sankt-Florian-Straße gibt es akute Raumnot, Personalnot (die OP berichtete) und einen hohen Investitionsstau.

In mehreren Treffen vor Ort und im Rathaus sowie etlichen E-Mails ist auf diese Missstände aufmerksam gemacht worden. Passiert ist bisher nichts. Ach doch, es wurden neue Schallschutzplatten an die Decken gebracht. Was wenig brachte, weil sie das Kernproblem – zu viele Kinder in zu wenigen Räumen – nicht beheben konnte.

Im OP-Gespräch beschrieb Tobias Gerhard, Sprecher des Elternbeirat, die untragbaren Rahmenbedingungen, in der die Kinder derzeit betreut werden. 42 Kinder sind auf zwei Räume aufgeteilt. „Viele Fördergruppen können nicht stattfinden, weil einfach kein Platz da ist“, sagte er. Die „schlaue Fuchsgruppe“, in der Vorschulkinder gesondert betreut werden, muss auf den Flur ausweichen, wo übrigens auch die Kinder schlafen, die noch eine Mittagsruhe benötigen.

Elternbeirat: "Unzumutbar"

Die akute Raumnot mache sich auch bei den Mitarbeitern bemerkbar. Sie haben faktisch keinen Rückzugsort. Denn ihr Pausenraum wird als Multifunktionsraum genutzt. Dort macht die Leiterin ihre Administration, es finden Elterngespräche statt, Kleingruppen können sich dort für kurze Zeit zurückziehen. Die Erzieherinnen müssen ihre Vorbereitungen und Dokumentationen in diesem Raum vornehmen und wenn ein Kind krank ist, dann wird es dort untergebracht. „Unzumutbar“, findet der Elternbeirat.

„Nur dem Engagement und dem Idealismus der Leitung sowie den Mitarbeitern ist es zu verdanken, dass die Kinder den Umständen entsprechend gut betreut werden“, betonte der Familienvater, dessen Sohn zukünftig, genauso wie die Tochter, auch in Elnhausen in die Kindertagesstätte gehen soll. Das sei wohl, aufgrund fehlender Ganztagsplätze in Elnhausen, in Frage gestellt.

Denn die Stadt entscheide jetzt, in welche Einrichtung die Kinder gehen, die ganztags betreut werden müssen. „Es kann also sein, dass ich meine Tochter nach Elnhausen bringe und meinen Sohn nach Michelbach“, beschreibt er ein mögliches, für ihn aber unmögliches, Szenario.

„Keine Akte ist so dick wie die von der Kita Elnhausen“, gibt Stadträtin Kirsten Dinnebier im OP-Gespräch zu. Auf die Zustände angesprochen, informierte sie, dass die Stadt 100.000 Euro in den Haushalt 2019 für „wenige bauliche Maßnahmen“, wie sie es nannte, eingestellt hat. Im Haushalt steht dazu: „In dieser Kita fehlen bisher Differenzierungs- und Rückzugsräume, welche durch bauliche Umstrukturierung entstehen sollen. Im Zuge dessen soll ein Umbau der Versorgungsküche erfolgen.“ Wie genau diese „bauliche Umstrukturierung“ aussehen soll, wollte Kirsten Dinnebier nicht eher sagen, „bevor wir nicht mit den Eltern gesprochen haben“.

Personalmangel wurde nicht bestätigt

Einen Neubau schloss die Dezernentin völlig aus: „Der würde in ein paar Jahren leer stehen.“ Fachdienstleiterin Angela Stefan betonte in diesem Zusammenhang auch noch einmal, „dass es mehr Bedarf in der Innenstadt“ gäbe, was Sanierungen und Umbau der Einrichtungen angeht. Daher werden 2019 unter anderem 700.000 Euro in die drei Tagesstätten „Unter dem Gedankenspiel“, an der Geschwister-Scholl-Straße und an der Goldbergstraße investiert.

Was den Personalmangel angeht, den wollten beide nicht bestätigen: „Es gibt keinen Mangel an Erzieherinnen in der Stadt Marburg.“ Trotzdem wollen sie die Fachkräftesituation mit einem Stufenmodell verbessern (OP berichtete). Sie verteidigten auch noch einmal den Vertretungspool. Studentische Hilfskräfte werden auf Anfrage dort eingesetzt, wo Personal kurzfristig fehlt.

„Studenten der Erziehungswissenschaften gelten ab dem ersten Semester als Fachkraft“, erklärte Angela Stefan, angesprochen auf die angespannte Personalsituation in der Kita Elnhausen. Was die Vergabe der Ganztagsplätze angeht, so findet derzeit eine Bedarfsermittlung statt, für die anschließend nach Lösungen, ohne direkten Einbezug der Eltern, gesucht wird. „Familien denken oft, sie sind Einzelfälle, sind sie aber nicht“, sagte Angela Stefan in diesem Zusammenhang.“

von Katja Peters