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Die Schwerkraft überwinden

Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche Die Schwerkraft überwinden

Kann man einen Essay auf einer Bühne spielen? Es geht. Das zeigte das "Theater des Lachens" am Mittwochabend bei der Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche.

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Mit Anmut, Grazie und Witz überwinden die Darsteller vom Theater des Lachens aus Frankfurt/Oder die Schwerkraft.Foto: TdL

Marburg. Marburg. Vor 200 Jahren ergründete Heinrich von Kleist in seinem Essay "Über das Marionettentheater" die Grazie der Bewegung.

Umgesetzt als Marionettentheater in drei Akten, inszeniert von Frank Soehnle, gehört er zum festen Repertoire des Theaters des Lachens, Frankfurt/Oder. Jetzt gastierte die Gruppe in Marburg.

Was macht Bewegung über die pure Mechanik hinaus aus? Erfordert sie die Kontrolle durch unseren Verstand, oder verhindert gerade dieser den Ausdruck ihrer Schönheit?

Schwere Fragen, denen das Trio Alice Therese Böhm, Torsten Gesser und Björn Langhans mit fingerfertigem Puppenspiel Leichtigkeit verleiht. Hochkonzentriert und doch liebevoll kontrollieren sie die Bewegungen ihrer Figuren - und verschmelzen mit ihnen, sodass nicht mehr eindeutig ist, wer wirklich wen führt.

Im ersten Akt noch ist die Bewegung auf die Mechanik reduziert. Sogar mit mathematischen Formeln wird sie ergründet.

Doch auch ein künstlicher Körper wie eine Marionette kann in seiner Bewegung Leichtigkeit und Harmonie ausdrücken und von der Mechanik zur Mystik werden, lehrt der zweite Akt. Anmut und Grazie gipfeln schließlich in einem Tanz der Marionetten in luftiger Höhe - endgültig der Schwerkraft enthoben.

Und so findet sich am Ende des Stückes nach Kleist "auch, wenn die Erkenntnis gleichsam durch ein Unendliches gegangen ist, die Grazie wieder ein."

Die Inszenierung des Marionetten- und Schauspieltheaters beeindruckte mit hoher Präzision und entließ die Zuschauer nach der Vorstellung aus einer Welt voller Bewegung - und Schönheit.

von Katharina Schulz

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