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Marburg Die Schattenseiten des Feuerwerks
Marburg Die Schattenseiten des Feuerwerks
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20:09 30.12.2018
Auf einem Sprengplatz wird ein Karton voller Pyrotechnik aus dem Ausland kontrolliert gesprengt. Quelle: Patrick Pleul
Marburg

Jetzt sind sie im Handel wieder erhältlich: Böller und Raketen. So groß die Freude über das Silvesterfeuerwerk auch sein mag, sollte man sich doch immer der Gefahren bewusst sein, die damit verbunden sind.

Jedes Jahr führt das unsachgemäße Abbrennen von Feuerwerk zu schweren Verletzungen und Sachschäden. Die Sprengstoff-Experten vom Regierungspräsidium Gießen (RP) machen deshalb insbesondere Jugendliche auf die Folgen des leichtfertigen Umgangs mit Krachern aufmerksam. Bei einer Informationsveranstaltung in der Adolf-Reichwein-Schule in Marburg referierten sie vor etwa 200 Schülern und Auszubildenden. Mit Fotos und Videos vermitteln sie den Jugendlichen einen Eindruck von den Gefahren, die Feuerwerk mit sich bringt: Verbrennungen, Hörstürze oder ­irreparable Augenschäden. 

CE-Zeichen nur auf sicheren Produkten

„Verwenden Sie nur Feuerwerkskörper, auf denen das CE-Zeichen in Verbindung mit der Kennnummer der Prüfstelle und die Registriernummer abgedruckt sind“, rät RP-Experte­ Florian Brinkmann. Mit dieser­ Kennzeichnung sind nur sichere Produkte versehen, die in Deutschland zum Verkauf zugelassen sind. Sein Kollege Andreas Altenheimer ergänzt: „Auf keinen Fall sollten nicht zugelassene Produkte, manipulierte­ oder selbst hergestellte Böller verwendet werden.“ Blindgänger dürften niemals erneut gezündet werden.

Die RP-Experten erklärten den Schülern, dass es zwei Kategorien von Feuerwerkskörpern gibt. Zur Kategorie 1 zählen Kleinstfeuerwerk, Knallerbsen und Tischfeuerwerk. Die Kategorie 2 beinhaltet hingegen Böller, Raketen und Batteriefeuerwerk. Diese gefährlicheren pyrotechnischen Artikel dürfen nur an Erwachsene verkauft und nur am Silvesterabend und am Neujahrstag gezündet werden. Der Verkauf ist, anders als bei den Artikeln der Kategorie 1, in diesem Jahr auf die Zeit vom 28. bis 31. Dezember beschränkt.

An der Adolf-Reichwein-Schule beschäftigen sich die Schüler häufig mit dem Thema Gesundheit. „Die Beschäftigung mit Pyrotechnik ist nur ein Baustein im Gesamtkonzept Schülergesundheit“, stellt Schulleiter Holger Leinweber klar. Weitere Angebote für alle Schüler seien Gesundheitstage, Suchtpräventionstage und Projekttage zur Sicherheit am Arbeitsplatz.

  •  Weitere Informationen zur ­sicheren Verwendung von Feuerwerk sind auf der Homepage des Regierungspräsidiums Gießen unter www.rp-giessen.de zu finden.

Hunde-Angst am Jahreswechsel

Charlotte Krüger von der Hundeschule Zeitpunkt Hund im Ebsdorfergrund erklärt, was Hunden an Neujahr hilft – und was nicht.

Die wenigsten Tiere lieben Silvester. Doch während der eine­ Hund lediglich etwas beunruhigt ist, leiden andere unter ­einer ­regelrechten Angstneurose. „Bevor man sich damit auseinandersetzt, sollte man sich klarmachen, dass Angst ein sinnvolles Gefühl ist, das dazu führen kann, Bedrohungen zu vermeiden und passende Reak­tionen vorzubereiten“, erklärt Charlotte Krüger, Inhaberin der Hundeschule Zeitpunkt Hund.

„Diese Erkenntnis hilft, ängstliches Verhalten nicht überzubewerten.“ Denn das wäre auf jeden Fall ein Fehler: „Wer einem unruhigen Hund eine übermäßige Aufmerksamkeit schenkt oder das Tier wortreich bemitleidet, der erreicht oft das Gegenteil davon, was er eigentlich will.“ Je dramatischer der Mensch die Situation gestalte, desto bedrohlicher erscheine sie auch dem Hund. Hilfreich hingegen sei eine generell vertrauensvolle Beziehung zwischen Hund und Halter.

Ob ein Hund sich fürchten wird, lasse sich nicht vorhersehen – auch bislang sehr ruhige Hunde können auf einmal große Angst entwickeln, wenn es ganz in der Nähe knallt und ­ihre Bezugsperson nicht anwesend ist. Was genau eine „Silvesterangst“ auslösen könne, sei so unterschiedlich, wie die Hunde­ selbst. Deshalb gebe es keine Patentrezepte. Aber einige Regeln können Hundehalter ­beachten.

„Um den Jahreswechsel herum steigt die Zahl der entlaufenen Vierbeiner an, daher sollten vor allem schreckhafte Hunde in der Zeit um Silvester immer angeleint bleiben“, rät die Trainerin. Bei „Entfesselungskünstlern“ solle die Leine nicht nur am Halsband, sondern an einem Geschirr befestigt werden. Unter keinen Umständen sollte man Gassigehen, während in der Nähe Feuerwerk abgeschossen wird.

Verhaltensregeln, die auch sonst für den Hund gelten, sollten auch an diesem Tag umgesetzt werden. Das gibt dem Tier Sicherheit. Ebenso kann es hilfreich sein, sich mit seinem Hund in einem ruhigen Raum aufzuhalten und ihm schon im Vorfeld einen Knochen oder Ähnliches anzubieten, denn Kauen entspannt.

Kontaktliegen kann helfen

Wenn der Hund Kontakt sucht, sollte er sich zu seiner Bezugsperson setzen­ oder legen dürfen. Ganz allgemein gilt es für den Hundehalter, ruhig zu bleiben und dem Hund zu zeigen, dass man sich nicht fürchtet.

Manche Hunde entwickeln trotzdem eine ausgeprägte Angst, wenn das große Knallen losgeht. Die Tiere zittern, nehmen eine geduckte Haltung ein oder verweigern das Futter.­ Ein „Abtrainieren“ der Angst hält Krüger für schwer umsetzbar, da das Silvesterfeuerwerk ein einmaliges Ereignis im Jahr ist. Wirklich trainieren könne man nur Alltägliches.

CDs mit typischen Silvestergeräuschen helfen nicht weiter, so die Expertin, da an Neujahr viel mehr Reize wirken, als nur die akustischen. Lichtblitze, Rauchgeruch, Vibrationen, aufgeregte und alkoholisierte Menschen tragen zur außergewöhnlichen Atmosphäre bei.

Was die Angst lindere, variiere­ von Tier zu Tier. Einigen helfe­ wortloses Streicheln, anderen­ Kontaktliegen, wieder anderen der Rückzug in die Hunde­box oder das Körbchen. Ein Hundetrainer könne dabei helfen, einen guten Umgang mit der Angst zu finden. Und wenn sonst nichts hilft, könne auch vom Tierarzt verordnete, beruhigende Medikamente ein Mittel der Wahl sein.

Früher war mehr Silvester

Die traditionellen Begleiter einer Silvesterfeier waren bei den deutschen Konsumenten zuletzt weniger beliebt. Schaumwein, Feuerwerksartikel und Karpfen waren im Jahr 2017 weniger gefragt, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden anlässlich des bevorstehenden Jahreswechsels 2018/2019 mitteilte.

Demnach sank die Zahl der verkauften Flaschen Sekt, Champagner und anderer Schaumweine im Vergleich zu 2016 um 5,2 Prozent auf 381 Millionen. Beim Feuerwerk sank die nach Deutschland eingeführte Menge um 2,1 Prozent auf 42 800 Tonnen. Das entspricht einem Wert von 103,6 Millionen Euro. Hauptlieferland war auch im Jahr 2017 China mit einem Anteil von 97 Prozent.

Eher regional verbreitet ist der Brauch, zum Jahreswechsel Karpfen zu essen. Die in Deutschland erzeugte Menge sank um knapp 5,4 Prozent auf rund 5 000 Tonnen des Süßwasserfisches, wie das Statistik­amt berichtete. Haupterzeugerländer waren Bayern mit 2 000 Tonnen und Sachsen mit 1 700 Tonnen. (dpa)